Wohnhaus

Vondelstraße 52 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1272
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Vondelstraße 52, 50677 Köln
Baujahrum 1890 bis 1895
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.01.1983
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Objekt wurde um 1890/95 als viergeschossiges und vierachsiges Wohnhaus errichtet. Die Maueröffnungen der Fenster und der Haustüre mit halbkreisförmigen Sturzbögen im Erdgeschoß haben eigenständige Achsen, die der oberen Geschosse scheidrechte Stürze bei gemeinsamen Achsen. Das erste Obergeschoß besitzt die größten, das zweite und dritte etwas niedrigere, aber gleich große Fensterhöhen. Dadurch ist dem Erdgeschoß ein geschlossenes Gepräge gegeben, während sich die übrigen Geschosse unter der übergreifenden Form des Mansarddachs öffnen. Als dem Mauerwerk nächstliegende Stuckebene zieht sich über sämtliche Stockwerke ein rustikaler Stuck mit horizontalem Fugenschnitt hin. Darauf sind die Lagen der Stockwerksebenen mit durchlaufenden Gesimsen markiert. Um die Sturzbögen im Erdgeschoß knickt der Fugenschnitt radikal um vier gleiche Schlußsteinmasken mit dämonischem Ausdruck ab. Das Sohlbankgesims und der glatte Sockelputz darunter mit den Einschnitten der Kellerfenster leiten ins Erdreich über. Das rustikale Aussehen des Erdgeschosses wird durch sparsame Schmuckanwendung betont. Im Gegensatz hierzu ist das erste Obergeschoß in Fassadenbreite mit der reichen Schmuckform eines auf drei Pilastern überdachten Scheinbalkons ausgestattet. Der Balustradenschmuck wiederholt sich im zweiten und dritten Obergeschoß, beschränkt auf die Brüstungsfelder, wobei ein an den Fensterpfeilern und den Fenstereinrahmungen gekröpftes, durchlaufendes Sohlbankgesims den Handlauf bildet. Den Übergang zum stark auskragenden Traufgesims und Mansarddach mit drei Dachgauben (eine größere mittig, je eine kleine rechts und links unweit der Brandwände) bildet die leistenartige, horizontale Verdachung der Fenster im dritten Obergeschoß und der gegen den Traufsims gestoßene Konsolfries mit ionischen Voluten. Das Fenster im Erdgeschoß ganz links an der Vorderseite und beide Fenster des Erdgeschosses an der Rückseite sind ursprünglich (Holz, bewegliches Oberlicht, zwei gleich große Drehflügel). Vom Bürgersteig aus führen drei Stufen aus Basaltwerkstein aufwärts zum Hausflur. Die Raumhöhen des Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses sind unverändert und die originalen Türrahmen, Laibungen, Türblätter und Fußleisten teilweise belassen.

Die Fassade ist durch die Grundstruktur des einheitlichen Fugenschnitts und die durchlaufenden Stockwerk- und Sohlbankgesimse klar gegliedert und trägt somit klassizistische Grundzüge. Diese Strenge wird gemildert durch die barocken Elemente der Dämonenmasken im Erdgeschoß, den Balustradenschmuck an allen übrigen Stockwerken und den von Voluten gezierten Konsolfries unter dem Traufgesims.

Die Wirkung des Gebäudes wird durch spiegelbildliche Wiederholung der Fassaden-Grundmaße am rechten, heute leider glatt verputzten Nachbarhaus, mit Symmetrieachse auf der gemeinsamen Hausgrenze, erweitert und leitet somit betont in die Gesamtarchitektur der Vondelstraße über. Der Straßenraum wird durch die geschlossenen Wandflächen der Reihenhausbebauung (historische Gebäude viergeschossig, Nachkriegsbauten fünfgeschossig bei etwa gleicher Höhe) und der meist stark ausgeprägten Dachzonen der ursprünglichen Bebauung gebildet.

Der Kreuzungseinschnitt der schmalen Metzer Straße beeinflußt den Gesamtraum nicht. Den Abschluß im Südosten bildet das Eckhaus Merowingerstraße / Maria-Hilf-Straße mit abgeflachter Ecke jenseits der Einmündung der Vondelstraße in die Merowingerstraße. Im Nordosten wird der Straßenraum jenseits der Vorgebirgstraße durch die baumbestandene, platzartige Erweiterung am Chor der Pauluskirche mit starker Randbebauung bei bewegter Silhouette erreicht. Durch ihr quadratisches Querprofil mit Steinlänge der ursprünglichen Traufgesimse und der geradlinigen Längsachse bildet die Vondelstraße einen einheitlichen, überschaubaren Straßenraum. Das Wohngebäude Vondelstraße 52 ist somit unverzichtbarer, dokumentarischer Bestandteil des teilweise überformten, historischen Straßenbildes.

Das Objekt ist ein Dokument für die Bebauung der Vondelstraße wie sie in den neunziger Jahren auf der Grundlage des städtebaulichen Wettbewerbsentwurfs und von Henrici / Stübben aus dem Jahr 1880 ausgeführt wurde.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0