Wohn- u. Geschäftshaus
Komödienstraße 44 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_1355 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Komödienstraße 44, 50667 Köln |
| Baujahr | 1872 bis 1873 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.03.1983 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
Das 1872/73 errichtete Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in der Kölner Altstadt. Bedingt durch die fortschreitende Industrialisierung erlebte Köln im vergangenen Jahrhundert einen explosionsartigen Bevölkerungszuwachs. Innerhalb des - erst 1881 geschleiften - Festungsrings wurde daher ein umfangreicher Stadtausbau durchgeführt. Dabei wurden einmal unter Verwendung vorhandener Grünflächen neue Straßenzüge angelegt, zum anderen viele der bereits vorhandenen Straßen unter größtmöglicher Breiten-, Tiefen- und Höhenausnutzung der Parzelle neu bebaut.
Das vorliegende Objekt dokumentiert diese, innerhalb der Stadtmauer in der Kölner Altstadt, durchgeführte Erweiterung der städtischen Nutzfläche durch Neubebauung eines bereits in römischer Zeit existenten Straßenzugs. Die Neubebauung der Komödienstraße erfolgte überwiegend in den siebziger und achtziger Jahren. In dieser Zeit entstanden Wohnbauten (teils mit Ladenlokal) für geringe bis hohe Ansprüche, für verschiedenste, in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander angesiedelte Bevölkerungsschichten vom Handwerker bis zum Industriellen. Die wenigen erhaltenen Bauten dieser Phase sind somit bedeutende Zeugnisse auch für die Sozialstruktur der Kölner Altstadt im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts.
Bei dem Gebäude handelt es sich um ein für Köln typisches, mittlerweile in der Altstadt selten gewordenes, dreigeschossiges Vierfensterhaus, das ursprünglich als Einfamilienhaus konzipiert war. Die Fassade zeigt in Aufbau und Schmuckelementen den streng klassizistischen Stil der siebziger Jahre. Die Geschosse sind durch Gesimse klar gegliedert. Die glatte Putzfassade erhält ihren besonderen Reiz durch den Dekor und einen besonderen Akzent durch den über der Toreinfahrt im ersten Obergeschoß der linken, äußeren Achse angelegten Erker mit darüber liegendem Balkon, der einen ungehinderten Blick auf den in der Erbauungszeit des Hauses kurz vor seiner Vollendung stehenden Dom ermöglicht.
Die Stuckornamentik der Fassade besteht aus einem verhältnismäßig kleinen Formenschatz, der mit viel Geschick variiert ist und der Hausfront einen ebenso klaren wie abwechslungsreichen Charakter verleiht. Durchweg einheitlich ist beispielsweise bis in die vier originalen Gauben der Dachzone die Profilierung der Stichbogenfenster. Andererseits zeigen Erker, Fenstereinfassungen und -bekrönungen eine Reihe von klassizistischen Dekorationselementen, die in feiner Korrespondenz einander zugeordnet sind (so wird z.B. das Friesmotiv unterhalb der Dreieckgiebel im ersten Obergeschoß, in der Sockelzone des Erkers und im Fries des Kranzgesimses in veränderter Größe und Proportion wiederholt). Besonders hervorzuheben sind die Pfeilerdekoration des Erkers mit Kassettierung und Diamantierung, mit eingestellter Säule, Kugelfries und aufwendiger Balusterbrüstung des Balkons sowie die fein reliefierten Wappensteine in den Fensterbekrönungen des zweiten Obergeschosses.
Das Erdgeschoß der Fassade an den originalen Torbogen in einer für die fünfziger Jahre unseres Jahrhunderts typischen Weise umgestaltet worden. Diese Umgestaltung stellt zwar aus der heutigen Sicht der Denkmalpflege einen einschneidenden Eingriff in die ursprüngliche Substanz des Baus dar, wie er in entsprechender Weise heute nicht mehr durchgeführt würde, gerade deshalb aber ist das vorliegende Beispiel ein bedeutendes Zeugnis für die Auffassung der Nachkriegszeit von Altbaumodernisierung und der Integration eigener, architektonischer Vorstellungen in eine vorhandene, historische Bausubstanz. Ein gewachsenes Ensemble, das inzwischen einen eigenen Denkmalwert besitzt.
Das heute vom Hof aus durch einen ursprünglich zugehörigen, eingeschossigen Anbau zugängliche Haus hat im Inneren seinen ursprünglichen Wohnungsschnitt und seine originale Ausstattung weitgehend bewahrt (Treppenhaus, Wohnungs- und Zimmertüren, Stuckdecken im ersten Obergeschoß mit einfachem Profil, originale Kacheln im Hausflur). Ebenso ist die Tordurchfahrt mit ihrer Kachelung in originalem Zustand überkommen. (Grundrißänderung, ehemals anderer Zugang, Treppenhaus m.E. später, in jedem Fall Wohnungstüren).
Der Bau, errichtet auf einem Teil jenes Grundstücks, auf dem das 1869 abgebrante Theater stand, angesiedelt im Ambiente des Justizgebäudes am Appellhofplatz (1824 - 1826 und 1888) und des Zeughauses (1594 - 1606), ist eines der wenigen, erhaltenen, frühen Denkmäler der Altstadt aus den siebziger Jahren. Es stellt darüber hinaus eine direkte, stilistische Korrespondenz zu dem klassizistischen Regierungsgebäude aus den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts her, der den Straßenzug in seinem weiteren Verlauf prägt. In der Zeit des Wiederaufbaus der im zweiten Weltkrieg bis zu 90% zerstörten Kölner Altstadt wurden - wenn überhaupt - nur die architektonischen und historischen Relikte bis zum Beginn des frühen 19. Jahrhunderts berücksichtigt. Daher ist es gerade in heutiger Zeit von besonderer Bedeutung, die wenigen, noch verbliebenen Denkmäler der Altstadt, besonders aus den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts, insgesamt in ihrer überkommenen äußeren und inneren Stubstanz zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0