Siedlung "Göttersiedlung"

Wodanstraße 105 · Rath/Heumar

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1359
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungSiedlung "Göttersiedlung"
Adresse Wodanstraße 105, 51107 Köln
Baujahrum 1929
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.03.1983
Stadtteil Rath/Heumar

Das Doppelhaus Wodanstraße 105 - 107 (gebaut 1929) ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln und im Stadtteil Rath/Heumar, da es (als ein Bestandteil der Göttersiedlung) den Prozeß der tendenziellen und organisierten Verlagerung der Wohnbereiche besser situierter Mittelschichten aus der Innenstadt Kölns in die naturnahen Orte in Stadtnähe (hier: Rath) und somit die Aufwertung Raths zum Stadtvorort dokumentiert.

Dieser Prozeß, der massiv in den zwanziger Jahren als eine Folge der zunehmenden, funktionalen Zergliederung der Stadt ansetzt, schlägt sich architektonisch im Bau von Einfamilienhaus-Siedlungen am Stadtrand (hier: Rath) nieder.

Der architektonisch klar gegliederte, aus drei plastischselbständigen Baukörpern (Hauskern, Treppenhaus, Eingangsanbau) bestehende Bau ist ein sehr ausgeprägtes Beispiel des sogenannten Bauhaus-Stils. Der Verzicht auf plastischen Schmuck zugunsten der Gestaltung des gesamten Baukörpers als eine Plastik (die Fassade des ganzen Hauses ist eine weiße Fläche mit schwarzen Konturen als Umrahmung = die Fenster, Türen und das Traufgesims) sind die typischen Merkmale des funktionalistischen Architekten der zwanziger Jahre. Viele Einzelheiten (abgerundete Fensterlaibungen, schwarze Umrahmung des gesamten Baukörpers, Fenstervergitterung u.a.) genauso wie die lineare Betonung der horizontalen Dimension (flaches Dach des Treppenhauses und des Portal-Anbaus, krempenartige Erweiterung des Dachgesimses mit schwarzem Anstrich, Sprossengliederung der Fenster im Untergeschoß, horizontal betonte Fenstervergitterung des Portal-Anbaus u.v.a.) vermitteln den Eindruck der "Einheit in der Vielfalt" (W. Grofius).

Hier wurde - im kleinen - eine Anwendung der experimentellen Bauhaus-Ästhetik realisiert und zwar in einer, wenn man von dem dafür untypischen Walmdach absieht, reinen Form. Hierzu sind auch die noch vorhandene, originale Innenausstattung des Hauses (Holztreppe, Treppenhausfenster, Parkettfußboden) und der (im Garten versteckte) Garagenanbau und die (teils gemauerte, teils aus Maschendraht) Umzäunung des Vorgartens zu zählen.

Städtebaulich gesehen, stellt das Doppelhaus das reinste Beispiel der experimentell-modernistisch gebauten Häuser im nördlichen Bereich der Siedlungsanlage Wodanstraße / Baldurplatz dar. Der Bau korrespondiert direkt (stilistisch, proportions- und anlagemäßig) mit den Doppelhäusern Nr. 101 - 103, 68 - 70, 64 - 66. Die gesamte Anlage der Göttersiedlung bietet ein anschauliches Bild der verschiedenen, architektonischen Lösungen des Einfamilienhauses im Siedlungsbau der zwanziger Jahre an, von einer eklektistischen im Süden bis zur funktionalistischen Lösung im Norden.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0