Wohnhaus

Raumerstraße 6 · Sülz

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1501
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Raumerstraße 6, 50935 Köln
Baujahr1927
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 10.05.1983
Stadtteil Sülz

Der Häuserblock Sülzgürtel 67-71, Curtiusstr. 2-6, Raumerstr. 2-12 und Zülpicher Str. 355-357 ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Sülz und Köln, da er den Ausbauprozeß dieses Stadtteils zu einem reinen, im Stil der zwanziger Jahre gehaltenen Wohngebiet dokumentiert.

Das bis dahin weitgehend noch nicht erschlossene Gelände erlebte erst in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre eine rasche Umwandlung. Dank der Bemühungen privater Bauherren und vor allem vieler Baugenossenschaften entstand nördlich von dem neu angelegten Beethovenpark (1926) eine Reihe Wohnbereiche für alle Bevölkerungsschichten.

Der Miethäuserblock (Sülzgürtel 32 Achsen, Zülpicher Str. 17 Achsen, Raumerstr. 33 Achsen, Curtiusstr. 16 Achsen) mit einer ganzen Reihe von Ladenlokalen wurde 1927 nach Plänen der Architekten Clemens Klotz und Josef Vieth errichtet. Es handelt sich um eine großräumige, siedlungsähnliche Anlage mit einem riesigen Innenhof. Die Fassadenfronten dieses Häuserblocks variieren von Straße zu Straße, tragen jedoch insgesamt eine ganze Reihe Merkmale, die die ganze Anlage als eine Einheit erscheinen lassen.

Mit Ausnahme der beiden risalitartigen, kubischen Eckbauten zum Sülzgürtel, die ein zusätzliches "Attikageschoß" mit kleineren Fenstern aufweisen, und der Hausfront Raumerstraße 4 bis 10, die drei Geschosse zeigt, ist die ganze Anlage viergeschossig. Außer den Fassaden Raumerstr. 2 bis 10 und Curtiusstraße 4 bis 6, die über einem hohen Sockel verputzt sind, und den o.g. Eckbauten, die reinen Backstein zeigen, sind die übrigen Backsteinfassaden über einem Backsteinsokkel durch fensterhohe Putzstreifen horizontal gegliedert: Eine Betonung der Horizontalität, die durch die bescheidene Höhe des ganzen Komplexes, das flach gehaltene Sattel- bzw. Walmdach und die Fensterform (langrechteckig) und deren Sprossenteilung unterstützt wird.

Alle Eingänge (Ausnahme: Curtiusstr.2, dritte Achse) sind mit Flachdach verdacht, über denen je eine schmale, verglaste, mit Sprossen gegliederte Treppenhauslichte bis zum Dachgesims verläuft. Diese Treppenhausöffnungen sind in der Fassadenfront Sülzgürtel in je einen schmalen, vertikal profilierten, risalitartigen Vorsprung integriert bzw. laufen - in der Raumerstraße 4 bis 10 - im dritten Obergeschoß in einen kubischen, turmartigen Aufbau über.

Das Traufgesims des ganzen Baukomplexes springt breit vor und vermindert dadurch noch mehr die optische Bedeutung des Dachs.

Alle Schaufensteröffnungen des Erdgeschosses (mit Ausnahme von zwei breiten Fenstern des Eckbaus Sülzgürtel / Zülpicher Straße) zeigen breite Giebelbögen und verleihen mit diesem Detail der ganzen Architektur einen expressionistischen Anklang, der übrigens auch noch in Dreieck-Erkern (Zülpicher Straße: 14. und 16. Achse; Raumerstraße 2 - 2a: 12. Achse) mit entsprechenden Dachgesims-Vorsprüngen und in der Eckgestaltung des Erdgeschosses Sülzgürtel / Zülpicher Straße (schräge Ecke mit Pfeiler und Reliefplastik) zum Ausdruck kommt.

Einige Motive kehren immer wieder an unterschiedlichen Stellen der Fassaden, wie z.B. Flachbalkon mit unauffälligen Gittern und Fensterbankgesimse, die als gesimsartige Horizontalgliederung Akzente setzen (an den beiden Eckbauten Sülzgürtel und dem dritten Obergeschoß Raumer- bzw. Curtiusstraße), Vorgärten mit Einzäunung (Sülzgürtel: Zweite und neunzehnte Achse und Raumerstraße 4 bis 10).

Die stilistische Einheit der Architektur erstreckt sich auch auf die Rückfassadenfront, die ohne Rücksicht auf unterschiedlich gestaltete Straßenfronten einheitlich verputzt und durch weiße Sprossenfenster und Balkone (mit hohen Brüstungen) durchbrochen ist. Schmale, verglaste Treppenhauslichte im Süden, tunnelartige Hofeinfahrt (Curtiusstraße) und abgerundete bzw. eckige, plastisch heraustretende Balkonkörper sowie ein niedriger Anbau in der Ecke Sülzgürtel / Zülpicher Straße beleben die großflächige Fassade, die einen hellen Hof mit hohen Bäumen und grünen Flächen umschließt.

Auch im Inneren der Häuser ist die ästhetische Einheit der Architektur zu finden: Originale Haustüren mit eingebautem Briefkasten im Türrahmen, Wand- und Fußbodenfliesen in Treppenhäusern mit Terrazzotreppen und einfachem Eisengeländer mit Holzlauf, originale Wohnungstüren mit Messinggriffen, verglaste Zimmertüren und zurückhaltender Deckenstuck in Wohnräumen bzw. Fliesen in Küchen lassen die Formwelt der späten zwanziger Jahre erleben.

Dieser Siedlungsbau ist ein interessanter Versuch einer architektonischen Lösung von mehreren, städtisch geprägten Lebensfunktionen: Er soll nicht nur Wohnbedürfnisse befriedigen sondern auch eine vom Verkehr der Hauptstraßen geschützte Erholungszone (Innenhof) und einen Einkaufsbereich (Erdgeschoß der Zülpicher Straße bzw. der beiden Eckbauten Sülzgürtel) schaffen.

Städtebaulich prägt der Häuserblock nicht nur einen ganzen Abschnitt zweier Kölner Hautverbindungsstraßen (Gürtel und Zülpicher Straße und vor allem deren Kreuzung), sondern stellt einen Übergang von der Bebauung einer verkehrsintensiven Allee (Gürtel) hin zum ruhigen Wohngebiet (Raumerstraße). Diese Anlage steht in Korrespondenz mit ähnlichen Siedlungskomplexen der zwanziger Jahre in Sülz, allerdings ragt sie durch ihre Komplexität bzw.Vielseitigkeit der Funktionalität und der Abgeschlossenheit hervor. Daher ist die o.g. Anlage sowohl im ganzen (Bausubstanzverteilung, Fassadengestaltung, Dachform, Innenhof) als auch im Detail (Sprossenfenster, Türen, Treppenhausausstattung, Fliesen usw.) zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0