Wohnhaus
Kempener Straße 10 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_1547 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Kempener Straße 10, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 06.07.1983 |
| Stadtteil | Nippes |
Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Nippes, da es die Spätphase des Ausbauprozesses dieses Stadtviertels dokumentiert. Die durch die Firmengründungen bedingte Bebauung westlich der Neusser Straße setzte um die Jahrhundertwende ein. In diesem Gebiet entstanden zwischen 1900 - 1910 Wohnbauten für Mieter unterschiedlicher Wohnansprüche. Der Verlauf der Kempener Straße war durch eine ehemalige Eisenbahnlinie bestimmt, was ihre relativ späte Bebauung bedingte.
Das dreigeschossige Wohnhaus (mit Giebelgeschoß) wurde 1910 errichtet. Es zeigt eine dreiachsige, asymmetrisch gegliederte Fassade mit Werksteinverwendung am Sockel, die sich stilistisch an der Romanik orientiert. Das Rundbogenmotiv ist die beherrschende Dekorform: Insbesondere eine DreierArkade, die sich in allen Obergeschossen und am Giebel der Mittelachse wiederholt, verleiht der Fassade einen festlichen (fast sakralen) Charakter, der durch eine Reihe von Details unterstrichen wird.
Ein Sockel aus bossierten Quadern ist durch drei vergitterte Kellerfenster durchbrochen. Im rustiziert gequaderten (Stuck) Erdgeschoß, das ein Gurtgesims abschließt, liegt in der ersten Achse ein Rundbogenfenster, die Mittelachse ist durch je ein ähnliches Fenster links und rechts flankiert (alle mit einem flachen Quaderrahmen eingefaßt). In der dritten Achse befindet sich ein mit ädikula-ähnlichem Portal eingerahmter Eingang (kurze Säulchen mit korinthischen Kapitellen, Kämpfern und Kleeblattbogen mit Gewändefries) mit originaler Haustüre. Über drei Zierkonsolen erhebt sich in der zweiten Achse ein breiter Erker mit je einer Dreifenstergruppe (im ersten Obergeschoß mit Rundpilastern und Arkadenbekrönung, im zweiten Obergeschoß mit Ziergewänden und einem breiten Rankenrelief an der Fensterbrüstung) pro Geschoß. Ein Kranzgesims des Erkers - mit einem Rundbogenfries - bildet seinerseits die Brüstung des Balkons des Giebelgeschosses, da das Dreifenster-Motiv mit Zickzack-Bekrönung wiederholt und in einem hohen Dreieckgiebel (mit Rundbogenfries, Vierpaßfensterchen und zwei Reliefs) gipfelt. Unregelmäßig verteilte Bossenquaderung über die ganze Fassade verstärken den durch die Bossierung des Erdgeschosses vermittelt den Eindruck eines schloßartigen, wehrhaft wirkenden Gebäudes.
In der ersten Achse des ersten Obergeschosses liegt ein rundbogiges Zwillingsfenster mit Rundpilaster, das durch eine flache Nische eingerahmt ist. Im zweiten Obergeschoß öffnet sich dieses Nischenmotiv zu einem breiten Rundbogenfenster, das durch einen feinen Zickzack-Fries bekrönt ist. Ein ähnlicher Fries befindet sich am Kranzgesims, das hier ein Mansarddach mit einer Zierdachgaube (Rundfenser mit ÄdikulaUmrahmung) von der Fassade trennt.
Die dritte Achse (des Treppenhauses) zeigt je Geschoß unterschiedlich große Rundbogenfenster, die der Geschoßgliederung der übrigen Fassade nicht folgen. Auch das Kranzgesims trennt das - hier - Walmdach von der Fassade eine Stufe höher, als es bei den anderen beiden Achsen der Fall ist.
Ein Waffenrelief im ersten Obergeschoß unterstreicht den repräsentativen Charakter des Gebäudes.
Im Inneren des Hauses wird die "mittelalterliche" Stilisierung der Fassade wieder aufgenommen: Eine Terrazzotreppe mit massivem Eichenholzgeländer wendet sich im Treppenhaus über dreieckigem Grundriß, das mit Marmorstufen und -wandverkleidung im Hausflur und Fliesen an Wänden und Podestfußböden repräsentativ (wenn auch eng) wirkt. Originale Wohnungstüren mit Oberlicht (im Erdgeschoß schräg stehend), flacher Dekkenstuckdekor in allen Wohnräumen mit originalen Türen vervollständigen das ursprüngliche Erscheinungsbild des Hauses. Wohnungsaufteilung und -schnitt zeigen eine interessante Auswirkung der Grundrißform der Baugrundstücke (je Geschoß unterschiedlich mit unregelmäßigem Grundriß der Küchen bzw. Badezimmer). Diese Unregelmäßigkeit des Grundrisses korrespondiert auch mit der Fassadengestaltung mit romanisierenden Dekorformen, die eine Beton-Skelett-Konstruktion des Gebäudes verdeckt.
Städtebaulich weist das Haus mehrere Bezüge und Besonderheiten auf: Es führt die Bebauung dieser Straßenseite hinter einer Baulücke an; da hier die Baugrundstücke über Eck von der Kempener bis zur Neusser Straße verliefen, stand das Haus mit einem hinteren Anbau mit dem Gebäude Neusser Straße 191 in Verbindung; das Haus stellt sowohl in seiner romanisierenden Gestaltung als auch in der Monumentalität einen Blickfang dieses Abschnitts der Kempener Straße dar.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0