Wohnhaus
Wichterichstraße 22 · Sülz
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_1654 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Wichterichstraße 22, 50937 Köln |
| Baujahr | um 1914 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 05.10.1983 |
| Stadtteil | Sülz |
Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln-Sülz, da es die Geschichte der Stadtentwicklung dieses Stadtteils außerhalb der Neustadt bzw. der späteren preußischen Umwallung von 1888 dokumentiert. Die Herrlichkeit Sülz war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts eine kleine Ansammlung von Höfen und ländlichen Wohnbauten, die erst mit der Entwicklung von Ehrenfeld und Lindenthal ins das Interesse der Kölner Bürger bei der Suche nach neuem Lebens- und Wohnraum geriet. Sehr schnell wuchsen Sülz und Lindenthal zu einem zusammenhängenden Stadtraum heran, der 1888 in die Stadt Köln eingemeindet wurde. Das Gebiet im Bereich der Berrenrather Straße ist von den Kriegszerstörungen weitgehend verschont geblieben und damit auch der spezifische Charakter dieses nach der Jahrhundertwende entstandenen Stadtteils.
Der Mietstockwerkbau aus der Zeit um 1914 weist eine sehr typische Fassadenstruktur des späten Historismus auf: Die vier Fensterachsen über drei Geschosse sind breitflächig angelegt - wobei die Fenster noch die originale Sprosseneinteilung besitzen - ein flacher Erker im ersten und zweiten Obergeschoß sowie ein breit und hoch aufstehender, mächtiger, spitzer Ziergiebel sind die dominierenden, plastischen Elemente des Baukörpers. Die Feinstruktur des verputzten Gebäudes ist ausgewogen und spannungsreich. Das Erdgeschoß bildet mit vier bogenüberwölbten Fenstern und der Eingangstüre mit schwerem Architrav und Schmuckrelief den ruhigen Sockel, dessen Zusammenhalt durch ein durchlaufendes Kämpfergesims betont wird. Die senkrechte Umrahmung der zurückgesetzten linken Fensterachse im ersten und zweiten Obergeschoß kontrastiert zu dem zwei Fenster umkreisenden Erker. Die rechte Achse stellt wiederum im zweiten Obergeschoß ein Rundbogenfenster über drei gerade gekuppelte Rechteckfenster im ersten Obergeschoß.
Das knappe Pultdach über dem Erker läuft in das mit zwei Gauben besetzte Walmdach über, da es seine Fortsetzung in dem fast symmetrischen Bau von Haus Nr. 20 erfährt, so daß beide Häuser eine Einheit bilden. Der hoch aufragende Straßengiebel ist leicht abgeknickt und umgreift eine Gruppe von fünf Fenstern, über denen nur noch eine einzelne Dachluke angeordnet ist. Die Stuckornamentik ist nur noch im Gesims über dem Erdgeschoß und auf den Brüstungen sparsam verwandt worden.
Im Inneren zeigt der Eingang typische Dekorationselemente dieser Zeit: Einfache Terrazzoböden, Gurtbogen in flachem Stuck über Wand und in den Ecken gerundeter Decke, ein schmaler Wandfries etwas unterhalb der Decke. Wohnungs- und Zimmertüren blieben original erhalten.
Die rückwärtige Fassade ist verputzt, ein kleiner Garten wurde angelegt. Terrazzotreppe mit Holzgeländer.
Das städtebauliche Umfeld zeigt die geschlossene, fast gleichzeitige Bebauung dieses Stadtteils, die bei aller Individualität der Einzelformen dennoch von gleichen Stilmerkmalen (z.B. großer Straßengiebel) geprägt wird. Das o.g. Gebäude entspricht in seiner Architektur dem stilistisch geschlossen wirkenden Wohnviertel und korrespondiert darüber hinaus mit dem Nachbarhaus Nr. 20 durch axialsymmetrische Anordnung. Es ist deshalb für Köln-Sülz unverzichtbar.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0