Wohn- u. Geschäftshaus

Lübecker Straße 1 · Altstadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2205
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Lübecker Straße 1, 50668 Köln
Baujahrum 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 09.04.1984
Stadtteil Altstadt/Nord

Das Gebäude Lübecker Straße 1, Eckhaus zum Gereonswall mit sieben Fensterachsen an der Lübecker Straße, drei Fensterachsen am Gereonswall und einer abgeschrägten Ecke, wurde um 1890 als dreibgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit einem Erker, zwei Balkonen und einer Stuckfassade errichtet.

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. Eigelstein- und Serverinstorburg liegen an den Enden der parallel zum Rheinufer verlaufenden, mittelalterlichen Nord-Süd-Achse (mit der Hohen Straße und dem römischen Cardomaximus) und an den Ausfallstraßen nach Bonn im Süden und Neuß im Norden. Eigelstein-, Severins- und Hahnentorburg, deren Erhaltung unter anderem bei der Genehmigung des Abbruchs der mittelalterlichen Stadtmauer seit dem Jahr 1881 durch die preußische Militärregierung zur Auflage gemacht worden war, gingen als wesentliche Vorgaben in die Planung der Neustadt ein. Durch die Erhaltung der Eigelsteintorburg blieb der mittelalterliche Straßenraum des Eigelsteins mit dem Ausblick auf das Eigelsteintor erhalten. Auf der Neustadtseite vor der Eigelsteintorburg wurde in der geradlinigen Achse der Neußer Straße, dem Rückgrat zwischen dem "Dreikönigen-" und dem "Gerichtsviertel", die Pendants der Eigelsteintorburg mit dem vorgelagerten Ebertplatz einerseits und die Agneskirche mit dem Neußer Platz andererseits erstellt. Das über Eck gestellte Quadrat des Platzes um die Eigelsteintorburg mit der Diagonalen auf der Achse Eigelstein-Neußer Straße, entspricht dem breit gelagerten Grundriß der Eigelsteintorburg mit ihrem Torbau und zwei flankierenden, halbrunden, zur Neustadt hin konvexen Türmen. Die an den Seitenecken mit Niveauanstieg und in spitzem Winkel zueinander einmündenden Thürmchenswall-Greesbergstraße und Gereonswall-Lübecker Straße lassen die Eigelsteintorburg optisch überhöht erscheinen und stellen sie zusammen mit der Neußer Straße und dem Eigelstein in das allseitige, zentrale Blickfeld eines Sternplatzes. Die Bebauung der einmündenden Sternstraßen und insbesondere die repräsentative Platzwandbebauung entsprechen mit gleicher Traufhöhe und ihrem architektonischen Ausdruck dem rustikalen Befestigungsbau der Eigelsteintorburg und erweitern die Aussage ihres wehrhafen Charakters. Das Eckhaus Lübecker Straße 1 bildet als Teil der Sternplatzanlage um die Eigelsteintorburg und Eckhaus zwischen den Einmündungen des Gereonswalls und der Lübecker Straße sowohl einen Teil der Platzwandarchitektur mit ungewöhnlich breiter Eckabschrägung als auch die Einführung in die Straßenzüge Gereonswall und Lübecker Straße. Am Gereonswall führen die Häuser Gereonswall 6 und 8 die Reihe der denkmalgeschützten Bebauung fort. In der Lübecker Straße ist das Haus Lübecker Straße 1 Bestandteil der lückenlosen Reihe originaler Bauten der Neustadtplanung mit den Prachtbauten Lübecker Straße 15 und Hansaring 98, letzteres als Eckhaus der Lübecker Straße zum Hansaring. Das Erdgeschoss tritt mit glattem Erdsockel, einem rustizierenden Quadermauerwerk mit scheitrechten Stürzen und einem abschließenden, glatten, bandartigen Fries, den unterhalb ein flaches, oberhalb ein ausladendes Profil als Stockwerkgesims einfaßt, als lasttragender Sockel des Gebäudes in Erscheinung. Die Brüstungszone des 1. OG, bestehend aus Postamenten, aus Fensterbrüstungen, die mit dem Schmuck vegetabiler Formen hervorgehoben sind, aus gerahmten, ebenen Feldern liegender Rechtecke und einem abschließenden, um die Pilaster herumgekröpften Fensterbankgesims, vermittelt zwischen der vorherrschenden Horizontalität des EG und der vorherrschenden Vertikalität der oberen Stockwerke. Die Kapitelle der Fenstergewände tragen am 1. OG durch starke Vorkragung ausgeprägte Dreieck- und Segmentbogenverdachungen. Die Fensterumrahmungen am 2. OG wiederholen die Fensterumrahmungen des 1. OG mit vereinfachten und vergleichsweise zurückhaltenden Formen. Die seitlichen Fenstergewände in Pilasterform stehen einzelnen Fensterbänken auf, die sich unterhalb der Pilaster auf Konsolen abstützen. Die flachbogigen, in der Mehrzahl balkenförmigen Verdachungen leiten zu dem hohen, dem Stockwerkgesims über dem EG ähnlichen Traufgesims über. Die ohnehin ungewöhnlich breite, im EG dreiachsige Eckabschrägung wird am 1. und 2. OG durch die Mauervorlage um die anschließenden ersten Achsen beider Seitenansichten mit größeren Fensterbreiten, größeren Kragweiten der Verdachungen, mit Segmentbogenverdachungen im Gegensatz zu den Dreieck- und balkenförmigen Verdachungen der anschließenden Achsen und einem Quadermauerwerk mit hervortretender Kantenquaderung zusätzlich verbreitert. Die Fläche der Eckabschrägung wird im EG durch ein Schaufenster mit halbkreisförmigem Sturz zwischen zwei Ladeneingängen mit ebenfalls halbkreisförmigen Stürzen, einem Erker mit abgeschrägten Seiten am 1. OG und entsprechendem Balkon am 2. OG mit Balustrade und ädikula-artigen Überdachung mit Halbkreisbogen, die auf zwei Rundsäulen gestützt, den Mittelteil des Balkons überdeckt. An der langgestreckten Ansicht des Hauses in der Lübecker Straße setzen am 1. und 2. OG der rechten Endachse Drillingsfenster mit überhöhtem und verbreitertem Mittelfenster und deren Fensterumrahmungen aus Balustern, freistehenden Rundsäulen, Architraven mit vorspringendem Mittelteil und durch Umfang, überhöhtem Sitz und weite Auskragung dominierende Segmentbogenverdachung am 1. OG und Dreieckübergiebelung am 2. OG in den Straßenraum greifenden, architektonischen Akzent. Die Gestaltungselemente sind aus der Renaissance abgeleitet und dem Repräsentationsbedürfnis der Zeit entsprechend angewendet.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0