Wohnhaus
Klettenberggürtel 72 · Klettenberg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2383 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Klettenberggürtel 72, 50939 Köln |
| Baujahr | 1928 bis 1929 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 14.05.1984 |
| Stadtteil | Klettenberg |
Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln-Klettenberg, da es die Geschichte der Stadtentwicklung dieses neuen Stadtteils zwischen Sülz und Zollstock dokumentiert. Der Stadtteil Klettenberg ist erst nach der Jahrhundertwende in Anschluß an Sülz unter dem Einfluß der von England kommenden und in Deutschland früh weitergeführten Gartenstadtbewegung gegründet worden und umfaßt sowohl im stadtnahen Teil Mietstockwerksbauten für gehobene bis mittlere soziale Schichten als auch Eigenheime, deren Wert durch die umgebenden Parks (Klettenberg- und Beethovenpark) erhöht wird. Breibergstraße und Klettenberggürtel sind parallele Straßen im nördlichen Teil Klettenbergs.
Der vier- bis fünfgeschossige Wohnblock wurde 1928 bis 1929 von der Vorgebirgs-Siedlungsgesellschaft unter Leitung des Architekten Ernst Scheidt gebaut. Die Häuser wurden in rotem Hartbandklinker errichtet. Dieses Material bestimmt sowohl die Vorderfassaden als auch die rückseitigen Ansichten, die auf einen begrenzten, grasbewachsenen Innenbereich ausgerichtet sind. Beide Wohnblocks, d. h. sowohl die Gebäude an der Breibergstraße wie auch die am Klettenberggürtel, sind flügelartig angelegt. Jeweils die Seitenflügel schließen an die vorhandene, am Bürgersteig angrenzende Normalbebauung an. Der Mittelbau springt jeweils ca. 12 m von der Straße zurück, eine größere Grünzone freilassend. Diese barocke, sehr expressive Grundrißzone der Häuserzeilen wird noch dadurch gesteigert, daß der Mittelbau um ein Vollgeschoß höher ist und durch stark plastische Architekturelemente betont wird. Vom Innenhof her gesehen sind die fünfgeschossigen Mitteltrakte also aufeinander zugeschoben, während die viergeschossigen Seitentrakte einen größeren Zwischenabstand aufweisen. Die demgemäß symmetrisch verlaufenden, sich gegenüberliegenden Blocks Breibergstraße 3 - 15 einerseits und Klettenberggürtel 68 - 78 andererseits sind kunstgeschichtlich bedeutsame Dokumente eines sich wieder auf eine zentrale Achse beziehenden Baustils, wie er insbesondere sich im "Cour d'honeur" an der Breibergstraße, also hinter dem vorgeschalteten Rasen, mit mittig hochragenden Eckerker und zwei flankierenden turmartigen Aufbauten über tiefen Toröffnungen darstellt. Es sprengt den Rahmen dieser Beschreibung, der klassizistischen Strenge dieses Blocks im Vergleich zu den gereihten, eher sozial bestimmten Bauten des W. Riphan (z. B. Stenzelbergstraße 10 - 14) nachzugehen. Bei fast gleichem Baudatum sind wesentliche Gegensätze festzustellen. Im o. g. Objekt finden wir zur Straße geschlossene Fassaden (sogar die (erneuerten) Fenster sind zur Außenfront bündig), starke Betonung des Dekorativen durch reizvolle Schmuckgitter an Scheinbalkons oder kubistische Reliefs über den Eingangstüren bis hin zu Plastiken über den Rundtoren an der Breibergstraße. Die Backsteinfassade zeigt über dem 2. OG ein kräftiges Kranzgesims, hinter das das 3. OG deutlich zurücktritt. Horizontale Backsteinbänder gliedern die Außenecken der Bocks wie eine barocke Quaderung, das gleiche Motiv wird am repräsentativen Innenblock zur Breibergstraße flankierend und am Mittelerker verwandt. In der Stenzelbergstraße wie überhaupt i. d. R. bei Bauten Riphans sind die Bedürfnisse der Bewohner - Balkons, Grünanlagen zum Wäschetrocknen, Kinderspielplatz - deutliche Basis und Ziel der Planung. Bedauerlicherweise ist jedoch der Bauzustand der Stenzelbergstraße 10 - 14 außerordentlich verbesserungswürdig. Die Seitenflügel an der Breibergstraße (wie auch am Klettenberggürtel) wirken durch die fast strenge, gleichförmige Geschlossenheit, in die die Treppenhäuser mit senkrecht gezogenen Fensterachsen eingeschnitten sind. Dagegen sind zum Innenbereich die rückwärtigen Fassaden mit eingeschnittenen Loggien bzw. Halbbalkons (in der Achse eines Fassadenversatzes) aufgelockert und tragen damit auch den Bedürfnissen der Bewohner und Kontakt mit dem Außenbereich etwas Rechnung. Allerdings sind auch hier dekorative Elemente von starker Bedeutung, die Gesamtaussicht ist axial gegliedert. Als Dekorationselemente fallen die Dachabläufe mit ihren Einlauftrichtern auf. Im wesentlichen wurden die Architekturelemente der Vorderansichten, z. B. Kranzgesims über dem 2. OG übernommen. Die Ansicht zum Klettenberggürtel wiederholt in der Grundstruktur die der Breibergstraße. Statt der Betonung der Mittelachse sind hier seitlich eckig vorkragende Balkone im 1. OG angeordnet, während im Dachbereich ein kleines Walmdach die Mitte andeutet. Die Haustüren der Flügelbauten zeigen plastischen Schmuck im Halbbogen über dem Sturz. Die geringen Vorgartentiefen weisen noch die Sockel der Umfriedung auf. Alle Haustüren sind original, wie auch die Wohnungstüren im Art-deco-Stil. Die Treppenhäuser besitzen Terrazzotreppen mit Eisengeländer. Städtebaulich fügt sich der Block differenziert in die Umgebung ein, ohne jedoch am Klettenberggürtel den Bezug zur gegenüberliegenden Kirche aufzunehmen. Als Bewohner scheint eine Mittelschicht angesprochen zu sein, die sich aus Angestellten und Beamten zusammensetzt. Dies ergibt sich teilweise aus der stadtnahen Lage Klettenbergs, teilweise jedoch auch aus dem Charakter dieses bürgerlichen Wohngebiets, der auch nach 1918 aufrecht erhalten wurde. Als Dokument dieser Entwicklung ist dieses baugeschichtlich und soziologisch außerordentlich aufschlußreiche Gebäude unverzichtbar, welches eine bedeutsame Verschmelzung klassischer und moderner Architektur zeigt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0