Wohnhaus
Märchenstraße 72 · Dellbrück
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2506 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Märchenstraße 72, 51067 Köln |
| Baujahr | 1920 bis 1928 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 03.07.1984 |
| Stadtteil | Dellbrück |
Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Holweide und Köln. Es ist ein Bestandteil eines großen, noch weitgehend erhaltenen Siedlungskomplexes - der Märchensiedlung -, der in den 20er Jahren d. Jh. nach Plänen des Architekten Manfred Faber bzw. W. Riphan gebaut wurde. Diese Siedlungsbebauung, die für eine in der nahen Großstadt Köln beschäftigte Bevölkerung (vornehmlich Beamte) errichtet wurde, dokumentiert den Umwandlungsprozeß des einstigen Dorfs Holweide zu einem Kölner Wohnvorort.
Das o. g. Objekt dokumentiert einen bestimmten Haustypus, der mit Abwandlungen als Reihenhaus in der ganzen Siedlung immer wieder anzutreffen ist. Das Aneinanderreihen gleicher bzw. ähnlicher Baueinheiten ist dem in den 20er Jahren im Bauhaus entwickelten Baukastenprinzip verpflichtet. Danach entstehen je nach Bedarf zwei-, drei- und mehrteilige Hauszeilen mit ähnlicher Gesamterscheinung. Das Teilhaus Märchenstraße Nr. 72 ist ein "Eckhaus", das den Abschluß einer Hauszeile gleicher Baueinheiten (Nr. 53 bis Nr. 70) darstellt. Die sonst dekorlose Fassade des o. g. Teilhauses springt in der ersten Achse im EG mit einem streng kubischen Altan hervor, dessen Flachdach die horizontale Linie des breiten Traufgesimses betont. Die Eingangsfassade zeigt drei Achsen (sie ist im EG symmetrisch nach rückwärts mit einem Altan erweitert) mit zwei langrechteckigen Fenstern im OG, einem hohen und schmalen Treppenhausfenster und einem Flachdach über dem Eingang. Die dritte Achse ist im EG fensterlos, wodurch die Eckfunktion dieses, auf L-förmigem Grundriß gebauten Hauses betont wird. Auch die gemeinsame einheitliche durchgehende Einzäunung der Vorgärten (horizontale Holzleiter), die nur durch die Eingangstörchen unterbrochen wird, machen den ganzen Hausblock zur ästhetischen Einheit (Bauhaus-Stil). Eine Holztreppe dokumentiert die ursprüngliche ästhetische und funktionale Einheit des Hauses. Die Märchensiedlung war in der Absicht entworfen und gebaut worden, ein Wohngebiet mit in sich geschlossenem ländlich- romantischem Charakter einer Kleinstadt im Grünen zu schaffen. Diese "Gartenstadt" zeichnet sich durch unregelmäßig angelegte, scheinbar oganisch gewachsene Straßenzüge, einen "Dorfplatz" und malerische Gruppierungen von Einfamilienbauten mit Vorärten (Gartenpfosten, Lattenzäune, Hecken) und große rückwärtige Zier- und Nutzgärten aus. Die ganze Anlage stellt ein hervorragendes Beispiel einer Verwirklichung der in den 20er Jahren aktuellen Gartenstadtvorstellung, die der Tradition der Idee einer heimatlich-romantischen "Idealstadt" verpflichtet ist. Als integraler Bestandteil eines bestimmten, im Ensemble der Märchensiedlung vertretenen Haustypus, ist der Erhalt des o. g. Objekts einschließlich der Einfriedung unverzichtbar.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0