Hofanlage Burghof

Hauptstraße 7 · Widdersdorf

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2786
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungHofanlage Burghof
Adresse Hauptstraße 7, 50825 Köln
Baujahrum 1860
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 27.12.1984
Stadtteil Widdersdorf

Der Burghof, Hauptstraße 7, ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln-Widdersdorf, da er die bedeutendste Hofanlage dieses aus einem ehemaligen Burggrafenhof entstanden Orts darstellt. Der Ort hat mit seinen ehemals sieben geschossenen Hofanlagen, die alle um die kath. Pfarrkirche St. Jakobus gruppiert sind, noch seine dörfliche Integrität bewahren können. Vor allem blieb das geschlossene Ortsbild - evtl. infolge der Abtrennung des Orts von Köln durch die Autobahn - erhalten. Von besonderer Schönheit und Bedeutung ist das barocke Pfarrhaus von 1775, ein ehemaliges Herrenhaus einer aufgelassenen Hofanlage. Der Burghof liegt in unmittelbarer Beziehung zu Pfarrhaus und Kirche, wobei glücklicherweise die Erweiterung des Orts nach Osten hin erfolgte. Dadurch reicht im Westen die ursprüngliche Landschaft bis an den Ortskern.

Die um 1830 im für das Kölner Land typischen Ziegelmauerwerk errichtete Hofanlage besitzt ein zweigeschossiges Herrenhaus mit neun Achsen. Das Gebäude ist noch stark vom Klassizismus beeinflußt. Ein Scheinrisalit umfaßt die drei mittleren Achsen und wird von einem klassizistischen Giebel mit halbrundem Fensterauge abgeschlossen. Die Fenster dieses Mittelrisalits schließen nach oben mit einem Kreisbogen ab, während die Fenster an den Seiten gerade Stürze aufweisen. Die Eingangstür sitzt genau in der Mitte des Gebäudes und wird von einem Natursteinrahmen eingefaßt. Aus Naturstein sind auch die Solbänke der Fenster, die mit Ausnahme der den Eingang flankierenden Fenster, Schlagläden besitzen. Das flach geneigte Satteldach weist vier kleinere Dachgauben auf. Die ausgewogenen Proportionen des kraftvollen Gebäudes weisen auf den fortdauernden Einfluß klassizistischer Maßstäblichkeit auf dem Lande hin. Die Fenster sind in originaler Aufteilung erhalten. An der linken Seite schließt sich die Scheune an; rechts liegen die Stallungen mit darüber gesetztem Heuschober. Die Wagenremise befindet sich dem Herrenhaus gegenüber, da hier auch in Form eines großen Einfahrttors der Zugang zur Straße liegt. Das Herrenhaus ist also nur über den großen Hof zu erreichen und öffnet sich zur Rückseite zu einem kleinen Garten. Die Rückseite des Herrenhauses entspricht fast genau der Vorderseite. Das ganze Anwesen ist von einem Graben umgeben, dem "Burggraben". Über diesem führt eine kleine Steinbrücke, über die ein Weg zum "Bakkes", dem Backhaus läuft. Außerhalb des Wassergrabens, der wahrscheinlich nicht so sehr Schutz vor den Feinden, sondern eher Schutz vor den häufig auftretenden Überschwemmungen bieten sollte, befindet sich an der Hauptstraße eine Scheune in Fachwerkbauweise, die aus dem 18. Jh. zu stammen scheint. Das Innere des Herrenhauses wird nicht wie sonst üblich, durch einen quer durchlaufenden Mittelflur in zwei gleichgroße Hälften geteilt. Auch die Längswand ist etwas zur Rückseite verschoben, so daß zum Hof hin die tieferen Räume liegen. Der Eingangsraum wurde um die Jahrhundertwende mit Boden- und Wandfliesen versehen; gleichzeitig wurde zum Hof hin eine Terrasse vorgelegt. Aus der Erbauungszeit stammt ein Wandschrank. Ein bogenüberwölbtes Türpaar - ebenfalls aus der Umbauzeit - führt zur Holztreppe mit Holzgeländer bzw. zum Durchgang in den Garten. Einige originale Türen mit aufgesetzten Schloßkästen sind im EG erhalten. Im EG sowie 1. OG besitzen die meisten Räume Kölner Decken. Ein großer Keller mit Backsteingewölben liegt unter dem gesamten Haus. Im schmalen Garten sind römische Spolien aus Funden in der Umgebung aufgestellt. Der Burghof erhielt vermutlich seinen Namen vom Burggrafen von Arensberg, in dessen Besitz er bis zur Übernahme (Verkauf) durch die Kölner Stiftskirche St. Maria im Kapitol im Jahre 1896/97 war. Auch die anderen Höfe von Widdersdorf waren in geistlichem Besitz, da die Ritter von Widdersdorf ihre Ländereien an das Kloster St. Gertrud vermachten. Nach der Entmachtung der Kirche durch Napoleon wurde der Hof von einem Vorfahren des jetzigen Besitzers übernommen. In dieser Familie wird der Hof in der fünften Generation bewirtschaftet.

Der Burghof ist als wesentlicher und konstitutiver Teil des Dorfes unverzichtbar. Der absichtsvoll erhaltene äußere und innere Bestand des Hofs ist schützenswert und als ein wertvolles Dokument landwirtschaftlichen Bauens im Kölner Gebiet unverzichtbar. Die Erhaltung des zum Burghof gehörenden Wegekreuzes an der Leonhardsgasse ist durch seine religiöse, orts- und kunstgeschichtliche Bedeutung von besonderem öffentlichem Interesse. Gestiftet wurde dieses Kreuz 1867 von Heinrich-Joseph Pingen und seiner Frau Clara, als ihre beiden Söhne unversehrt aus dem Krieg von 1862/64 zurückkehrten. Beauftragt wurde der in Köln hochangesehene Grab- und Denkmalgestalter Heinrich-Joseph Gummich. Gegenüber so manch eines anderen, in schlichten dörflichen Formen gestalteten Wegekreuzes, zeichnet sich dieses hier durch besonders fein gearbeitete, spätklassizistische Schmuckornamente aus. Damit ist es ein besonderes Beispiel für den Kunstsinn der großen Landbesitzer in der Nähe Kölns.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0