Wohnhaus

Dierather Weg 19 · Höhenhaus

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3785
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Dierather Weg 19, 51061 Köln
Baujahrum 1935
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 16.10.1986
Stadtteil Höhenhaus

Typisch für diese, in einheitlicher Fertigbauweise errichtete, erhaltene Siedlung sind: dunkelbraun gefirnißte, doppelwandige, auf verputztem Steinsockel stehende Holzfassaden (über Kellergeschoß), mit weiß gestrichenen, breit profilierten Trauf- und Giebelgesimsen, weiße Fensterrahmung, (teilweise noch vorhandene) Doppelfenster mit kleiner Sprossenteilung sowie weiß-grün gestrichene, profilierte Holztüren mit gesprossten Glassichtfenstern, zu denen Außentreppen mit Eisengeländer führen. Ebenfalls typisch für die Einheitshäuser sind die gleichförmigen Satteldächer mit Biberschwanz- bzw. Falzziegeldeckung und (je einer) Dachgaube.

Als Doppelhäuser konzipiert entsteht eine auffällige Mittelbetonung durch spiegelbildlich angeordnete Haustüren mit zwischen ihnen angeordneten, zwei liegenden kleinen Fenstern.

Die Rückfassade ist gleichmäßig vierachsig gegliedert mit ebenfalls 2 Dachgauben, die Giebelfassaden zweiachsig mit zweifenstrigem Giebelgeschoß.

Insgesamt verdeutlichen die Fassaden als konstruktive Teile des Hauskerns Proportion, Geschoßgliederung und Höhe der Gebäude.

Die Weltwirtschaftskrise (1929 - 31) und die darauf folgende Massenarbeitslosigkeit führte zu einer Notverordnung des Kabinetts Brüning, in der u. a. die staatliche finanzielle Unterstützung von vorstädtischen Kleinsiedlungen sowie der Bereitstellung von Kleingärten für Erwerbslose zugesagt wurde. Ziel dieser Notverordnung war es, den Erwerbslosen und Kurzarbeitern die Möglichkeit zur Selbstversorgung zu schaffen und langfristig eine Krisenfestigkeit der Arbeiterschaft zu sichern.

Vielfach orientierte man sich an dem sogenannten "Heimatstil", der an die um die Jahrhundertwende begonnenen Heimatschutz- und Heimatkunstbewegung anknüpfte. Dieser "Heimatstil" wandte sich bewußt vom Großstadtleben ab und einer romantischen Naturvorstellung in sichtbarer dörflicher Bebauung zu. Je nach baulichem Vorbild kam es bei dieser Bewegung in Verbindung mit der Gartenstadtbewegung zur Ausbildung verschiedener Gartenvorstadttypen. Dabei wurde auf die Gesamtwirkung einer Siedlung Wert gelegt, denn nur in Baugruppen konnten die Ideen dieses Stils zur Auswirkung kommen.

Dieser Heimatstil ländlicher Prägung war in seiner frühesten Form als Notunterkunft konzipiert und insbesondere für Erwerbslose und besonders Bedürftige gedacht und wurde durch die Weltwirtschaftskrise als Selbstversorgung aktuell.

In der Anlage (zur Bauordnung für den Stadtkreis Köln (1929 - 41) ist der Flächennutzungsbestand des als Kleinsiedlung A bezeichnete Bebauungsgebietes bereits aufgeführt. Ab 1932 wurde die Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Wohnungsbau (GAG) von der Stadt Köln für die Durchführung der Siedlungsbebauung beauftragt. Es entstanden solide gebaute, eingeschossige, meist traufständige Doppelhäuser aus Stein mit großen Nutzgärten. Unter dem Regime Hitlers übernahm die Neue Heimat, eine "gemeinnützige" Siedlungsgesellschaft der DAF (Deutsche Arbeitsfront), die weitere Betreuung der Siedlung A. Sie knüpfte an die Stadtrandsiedlungsprogramme der Krisenjahre 1931/32 an und baute die begonnenen Siedlungen weiter aus.

Ende 1942 - nach dem "1000 Bomber"-Angriff auf Köln und weiteren Bombardierungen - entstehen die ersten Holzdoppelhäuser am Lippeweg zur Unterbringung von Obdachlosen. Trotz der Kriegsjahre mit Arbeitskräftemangel und Materialknappheit wird der Ausbau der Siedlung (nachweislich bis 1944) kontinuierlich vorangetrieben. Die in Finnland übliche Holzbauweise sowie auch das vermutzliche Herkunftsland des Materials lassen die Bezeichnung "Finnensiedlung" erklären. Die Vergabe der Häuser, oft noch im Zustand des Rohbaus, erfolgte durch den Rat der Stadt Köln sowie Kölner Firmen (z. B. Felten & Guilleaume, Waggon und Anhängerbau Köln, Radium-Werke) an obdachlose Werksangehörige, die die Häuser in Eigenleistung vervollständigten.

In der Methode der freistehenden und doch platzsparenden Doppelhausbebauung mit Vorgarten und rückwärtigen Nutzgarten, umgeben von Grünhecken mit Gartenpfosten und/oder Lattenzäunen, präsentiert sich die gesamte Anlage heute als Beispiel einer durch ihren spezifischen Haustyp geprägten Gartenstadt, die im gesamten Kölner Stadtraum einmalig ist und in ihrem nahezu kompletten Bestand Seltenheitswert hat.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0