Wohnhaus
Körnerstraße 98 · Ehrenfeld
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3973 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Körnerstraße 98, 50823 Köln |
| Baujahr | 1877 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 01.12.1986 |
| Stadtteil | Ehrenfeld |
Die Villa weist sich aus als ein auf Kellersockel stehendes, zweigeschossiges, vierachsiges Gebäude mit einem zum Garten gerichteten Anbau (Gartensalon). Als konstruktive Teile des Hauskerns verdeutlichen die Fassaden Proportion, Geschoßgliederung und -höhe sowie Dachaufbau des Baues.
Baukünstlerisch diente für die Villa der Palast-Typ der italienischen Renaissance als Vorbild, dessen Architektur- und Dekorationsformen jedoch frei gestaltet werden. Daran erinnern in Fassadenkomposition und -aufbau die auf Symmetrie angelegte Ordnung, die klare gesimsbetonte Horizontalgliederung, strenge Fensteraxialität, Profilrahmung und die im 1. Obergeschoß auftretende Giebel- und Rundbogenverdachung der Fenster, Eckquaderung. Die rechte Hausfront als Mauerpfeiler mit 2 (von ehemals 4) Vasen geschmückt sind, als auch durch die Bauzier im 1. Obergeschoß betont. Das rundbogenverdachte Obergeschoßfenster flankieren giebelbekrönte Nischen mit Kinderfiguren. Die auf Sockel stehenden Knabenfiguren verkörpern die römischen Gottheiten Pluto (mit Hammer und Zange) und Merkur (mit Flügelhelm und Geldbeutel). Sie versinnbildlichen den Berufsstand des Villenerbauers.
Dem herrschaftlichen Anspruch des Gebäudes entspricht die gehobene, verschiedenen Phasen angehörende Inneneinrichtung: Marmorausstattung (Fußboden, Leisten), Wand- und Deckenstuck, Türen (zum Teil zweiflügelige) im Dielenflur; Kachelsockel ("Delfter Kacheln"), Fliesenboden (Teppichmuster), Deckenstuck in Küche/Erdgeschoß; Wand- und Deckenstuck, Marmorsäulen, Holztäfelung, Türen, Parkettboden im Gartensalon/Erdgeschoß; Holztreppe mit Antrittspfosten und OrnamentEisengeländer, bleiverglaste Fenster im Treppenaufgang; Dekkenstuckreste und zum Teil Türen in den Obergeschoß-Zimmern, gekachelte Toiletten. Eisenguß-Arbeiten wie die Pfosten der Laderampe an der Küche mit der Eingangsabschluß am linken Nebeneingang sind vermutlich Produkte der Eisengießerei, die auch Kunstguß ausführte.
Das Gebäude ist ein wichtiges ortsgeschichtliches, baukünstlerisches und städtebauliches Zeugnis des Kölner vorortes Ehrenfeld. Ortsgeschichtlich gehört es zur ursprünglichen Bebauung der Krönerstraße, einer der ältesten und in ihrer historischen Architektur aussagefähigsten Straßen, in der sich die Entwicklung des vorortes zum Industrie- und Wohnort widerspiegelt. Im Jahre 1845 als "Kolonie" gegründet, verdankt Ehrenfeld der Niederlassung zahlreicher Fabriken seinen Aufschwung, der 1879 in der Verleihung der Stadtrechte einen Höhepunkt fand. Ein Baudenkmal dieses Geschichtsabschnittes ist die im Jahre 18l77 errichtete Villa der Eisengießerei Lieck & Plümacher in der Simrockstraße. Die Villa erhielt ihren Standort auf dem zur Körnerstraße gelegenen Betriebsgelände in unmittelbarer Nachbarschaft zu anderen Fabriken bzw. Werkstätten und einfachen Wohnmietshäusern. Diese auch heute noch ablesbare Bausituation erhellt einen Aspekt der Gesellschaftsstrktur in Ehrenfeld zum Zeitpunkt des Villenbaues, daß mit der sozialen Trennung der Bevölkerungsschichten noch keine räumliche nach Wohngebieten eingetreten war. Das Gebäude ist das einzige erhaltene Beispiel einer in Werksnähe erbauten Fabrikantenvilla im Kölner Nordwest-Sektor und deshalb von besonderer ortsgeschichtliher Bedeutung.
In städtebaulicher Hinsicht reiht sich das Gebäude in die Bauflucht der Straße ein. Es korrespondiert in Architektur- und Zierformen mit anderen historischen Bauten, wodurch es zum homogenen Erscheinungsbild der Körnerstraße beiträgt. Aber als reicher ausgestatteter Bau hebt sich die Villa von ihrer Umgebung ab und bildet so einen architektonischen Höhepunkt des Straßenzuges.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0