Wohnhaus
Wilhelm-Waldeyer-Straße 16 · Sülz
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4227 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Wilhelm-Waldeyer-Straße 16, 50937 Köln |
| Baujahr | um 1930 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 22.07.1987 |
| Stadtteil | Sülz |
Der auf rechteckigem Grundriß mit abgerundeter Eckfassade zur Universitätsstraße um 1930 errichtete Wohnblock mit Putzfassade und Flachdächern, weist im 5. und 6. Obergeschoß nach innen versetzte Fassadenerhöhungen auf und ist an der Biegung der Wilhlem-Waldeyer-Straße rechtwinklig zum Innenhof geöffnet.
Als gelungene architektonische Lösung präsentiert sich die Eckfassade des Gebäudes zur Universitätsstraße durch eine stark zurückgezogene Abrundung über den durch einen Treppenaufgang erhöhten Hauseingang Nr. 85. Durch die vorgezogenen 4 Balkone dieser Abrundung, die im 5. und 6. Obergeschoß verbreitert in Erscheinung tritt, gewinnt dieser Fassadenbereich den Charakter einer gelenkartigen Verzahnung, mittels derer die zusammengehalten werden. Für die Belebung der Fassaden sind die über den Eingängen beidseitig befindlichen Erker charakteristisch, die sich am 1. bis zum 5. Obergeschoß (Zülpicher- und Universitätsstraße) und am Erdgeschoß bis zum 4. Obergeschoß (Wilhelm-Waldeyer-Straße) befinden. Die zwischen ihnen aufsteigenden Treppenhäuser erstrecken sich an der Universitätsstraße bis zum 6. Obergeschoß, an der Wilhelm-Waldeyer-Straße bis zum 5. Obergeschoß. Zur Universitätsstraße wird durch den unterschiedlichen Abschluß von Erkern und Treppenhaus in der Fassadenmitte eine Aufgipfelung bewirkt, die die zurückgestaffelten Obergesschosse 5 und 6 stufenweise mit der vorderen Front verschränkt.
Durch einen weitgreifenden Bogenschwung gewinnt die Ecklösung von der Universitätsstraße zur Wilhelm-Waldeyer-Straße innere Spannung, indem die vordere Front der Universitätsstraße nur im Bereich der 1. Fensterachse fortgesetzt wird und durch die anschließenden vier Balkone mit der 2. Fensterachse einen vermittelten Abschluß findet, neben dem das Treppenhaus bis zum 6. Obergeschoß aufragt. Für den weiteren, durchgehenden Fassadenverlauf tritt jetzt die an der Universitätsstraße im 5. Obergeschoß zurückgesetzte Fassade als gesamte Vorderfassade der Wilhelm-Waldeyer-Straße in Erscheinung, deren Höhe mit dem dahinter befindlichen 6. Obergeschoß bis zur 9. Fensterachse durchgehalten wird und danach in der Höhe des 4. Obergeschosses bis zur Öffnung des Innenhofs verläuft. Hier wird durch die unterschiedlichen oberen Abschlüsse und durch das Vor- und Zurücktreten von Erkern und Treppenhäusern eine Rhythmisierung der Fasadenflucht bei gleichzeitiger Verschränkung des 5. Obergeschosses mit der Straßenfront erreicht. Zur Zülpicher Straße schließt sich der Wohnblock durch ein Quergebäude mit einem auskragenden Eckblock, der bis zum 6. Obergeschoß an dieser Straße mit 6 Balkonen an beiden Eckseiten aufragt. Um den ganzen Gebäudekomplex zieht sich ein Sockel in grobkörnig scharriertem Putz, aus dem auch die überdachten Hauseingänge gerahmt sind.
Der gesamte Wohnblock gewinnt durch die strenge Ordnung der Fensterachsen mit mehrteiligen, teils originalen, teils erneuerten Fenstern eine starke vertikale Bindung und Einheitlichkeit, so daß alle Fassaden als konstruktiver Bestandteil des Hauskerns dessen Geschoßgliederung und Proportionen entsprechend seinem Querschnitt verdeutlichen. Die als Straßenwandung erscheinende Umschließungsmauer verliert die Wirkung des tragenden Bauelements zugunsten einer Flächenrhythmisierung von innen her. Insgesamt wird die kubische Wirkung des Hauskörpers durch eine entschiedene Flächigkeit verstärkt. Schon im Grundriß wird das Kubische vorbereitet und durch das gegeneinander Absetzen und sich Durchdringen der Gebäudeteile ablesbar. Dergestalt werden Einheitlichkeit und Abwechslung zugleich gewährleistet. Mit seiner auf Klarheit, Sachlickeit und Zweckmäßigkeit abzielenden Architektursprache dokumentiert der Wohnblock Maß und Proportion einer Fassadengestaltung, die sich dem Stil des Bauhauses verpflichtet zeigt.
Im Innern sind die Treppenhäuser teils in Türhöhe (im Erdgeschoß) teils in Handlaufhöhe mit Fliesen verkleidet und ergänzen die Fliesenstufen der Treppen mit Metallgeländer und Holzhandlauf. Eindrucksvoll ist das runde, bis zu den Stuckprofilen der Decke mit Marmor verkleidete Vestibül, das zum 8-eckigen Treppenhaus des Eckhauses Nr. 85 führt. Hier sind im 2. Obergeschoß Deckenprofile in Stuck sowie Zimmer- und Abschlußtüren mit profilierten Türrahmungen in originalem Zustand. Auch in den übrigen Häusern sind die Abschlußtüren überwiegend original erhalten.
Für die Entwicklungsgeschichte von Sülz als einem auf die Innenstadt Kölns bezogenen Vorort ist das o. g. Objekt ein Dokument der neuen Gebietserschließung für stadtnahes Wohnen nach der Jahrhundertwende seit dem Abschluß der Kölner Neustadt, in der sich auch der Bezug der architektonischen Gestaltung zur Neustadt zeigt.
Die um 1845 beginnende Entwicklung des Wohnungsbaus zwischen Sülzburgstraße und Aegidiusstraße mit einem strengen Straßenraster zwischen Luxemburger-, Berrenrather- und Zülpicher Straße wird in den 20er Jahren in der rechtwinklige Struktur und darin einbezogenen Plätzen mit Grünanlagen fortgesetzt. Zum dominierenden Bezugspunkt in Sülz wird der Schnittpunkt Zülpicher Straße - Universitätsstraße durch den für sich stehenden o. g. Wohnkomplex, der eine Gegengewichtung zur Universitäts- und Stadtbibliothek schafft und auch eine Vermittlung des städtebaulich historisch bedeutsamen inneren Grüngürtels an der Universität mit dem Ortskern herstellt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0