Wohnhaus
Piusstraße 27 · Ehrenfeld
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4447 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Piusstraße 27, 50823 Köln |
| Baujahr | 1892 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 22.02.1988 |
| Stadtteil | Ehrenfeld |
Das Gebäude wurde 1892 errichtet. Baukünstlerisch ist das 3-geschossige, in 4 Fensterachsen komponierte Wohnhaus interessant, weil es die Bewunderung für die Palastbauten der italienischen Renaissance sogar in Vororten von Köln belegt. Jedes Geschoß ist in bewußter Absetzung zum anderen gestaltet. Über einem niedrigen Werksteinsockel, an dem runde Kellerfenster mit stilgerechten Eisengußgittern eingefaßt sind, entfaltet sich das hohe Erdgeschoß, dessen kräftige Rustizierung auch die Erker des Risalitvorsprunges der rechten Achse kennzeichnet. Auf die Backsteinverblendung des 2. Geschosses folgt der Rauhputz der teilweise umgebauten obersten Zone. Die waagerechte Gliederung ist durch parallel laufende Brüstungsgesimse betont, in dem 2. Geschoß mit einer Zahnschnittleiste versehen. Die rechteckig gerahmten Fenster sind im Erdgeschoß und 1. Geschoß durch Konsolen und Girlandenkränze in der Brüstungszone verschönt. Das hohe Portal mit Kompositkapitellen und geschmücktem Dreieckgiebel führt in das Hausinnere hinein. Das herrschaftlich aufgefaßte Foyer ist mit figürlichen Relieffeldern, einem Nischeneinschnitt und Stuckrosetten an der Decke geschmückt. Das plastische Relief des sich mehrmals wiederholenden Maskenornaments verleiht der Ornamentik deutlich stilistische Bezüge. Die Holztreppe mit Antrittspfosten und gedrechseltem Geländer leitet das schöne Treppenhaus mit mehrteiligen Glasmosaikfenstern ein. Die Sprossenteilung der dreiteiligen verglasten Türen aus dem Vestibül wiederholt sich auch bei den Wohnungsabschlußtüren. In den Zimmern zur Straßenseite des 1. und 2. Geschosses sind Wandvertäfelungen und Stuckdecken erhalten geblieben, wobei die stilistische Berufung an die Antike sich sogar in der Pilasterbeschmückung der Fenster zum Garten wiederholt. Besonders schön ist hier die leichte Wölbung des Mosaikfensters im 1. Obergeschoß des Treppenhauses.
Ortsgeschichtlich bedeutend ist das Wohnhaus, da es die Erstbebauung dieses Stadtteils dokumentiert. Durch industrielle Ansiedlungen gewann Ehrenfeld am Ende des 19. Jahrhunderts schnell an Bedeutung und besaß kurzzeitig, bis zur Eingliederung nach Köln, eigene Stadtrechte. Der große Wohnraumbedarf schließt bei diesem schnellen Wachstum des Viertels nicht aus, daß die einzelnen Mietshäuser, voneinander abweichend, reichlich dekoriert waren. Auch das Haus an der Piusstr. 27 beweist die in der Zeit übliche gestalterische Verschiedenheit und den Baureichtum und ist so ein aussagekräftiges geschichtliches Dokument der Erstbebauung des Viertels nach der Eingemeindung Ehrenfelds.
Städtebaulich fügt sich die anspruchsvolle Fassade des o. g. Wohnobjektes restlos in das abwechslungsreiche Straßenbild der geschlossenen Zeile von Häusern der Piusstraße ein. Das Phänomen des Stilwandels ist hier nicht als Bruch in die historische Einheit, sondern als nachbarliche Anpassung eines einheitlichen Straßenensembles zu bewerten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0