Wohn- u. Geschäftshaus
Lindenthalgürtel 77 · Lindenthal
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4481 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Lindenthalgürtel 77, 50935 Köln |
| Baujahr | um 1914 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 09.03.1988 |
| Stadtteil | Lindenthal |
Das Gebäude wurde um 1914 errichtet. Baugeschichtlich bedeutend ist das 4-geschossige, 6:5-achsige Eckhaus mit abgerundeter Ecke und vier 2-geschossigen Erkern auf halbkreisförmigem Grundriß als Beispiel einer an der Historie orientierten, vom Deutschen Werkbund beeinflußten Reformarchitektur in der Zeit um 1914. Die durch die Erker und langgezogenen schmalen Fensterbänder hervorgerufene Vertikalgliederung ist durch die veränderte Dachlandschaft z. T. aufgehoben, so daß die wellenförmige Bewegung der Gesimse als horizontale Gliederungselemente stark in den Vordergrund treten. Die noch erhaltene Stuckornamentik kann dem geometrischen Jugendstil zugeschrieben werden und präsentiert sich in Friesen, Fensterbrüstungsfeldern zwischen 1. und 2. OG sowie - als seitliche Rahmung der plastischen Fassadenausformung - Kanneluren mit kapitellartigen Abschlüssen. An der rückwärtigen verputzten Fassadenfront sind zwei originale Balkongitter vorhanden. Im Innern des Hauses ist an originalen Ausstattungsteilen noch ein Terrazzofußboden, eine Terrazzotreppe mit schmiedeeisernem Geländer und Holzhandlauf erhalten.
Ortsgeschichtlich bedeutend ist das Wohn- und Geschäftshaus, da es die Geschichte der Entwicklung dieses Stadtteils außerhalb des Stadtkerns bzw. der späteren preußischen Umwallung (der Gürtel) dokumentiert. Lindenthal wurde 1846 als neues Siedlungsgebiet vorwiegend für Kölner Bürger von Köln aus gegründet, wobei hier bereits um das sog. Krieler Dömchen (der Kath. Kirche St. Stefan) eine dörfliche Ansiedlung vorgefunden wurde. Um die Jahrhundertwende, parallel zu der Bebauung mit großen Villen in parkähnlich angelegten Gärten längs des neu angelegten Stadtwaldgürtels, setzte sich auch hier der allgemeine Trend durch, Wohnhäuser straßenzugweise zu errichten.
Wegen geringer industrieller Besiedlung, günstiger Bodenpreise und starker Durchgrünung (Anlage des Stadtwaldes kurz vor 1900) wurde Lindenthal ein bevorzugtes großbürgerliches Wohngebiet, und ist es bis heute geblieben. Breite Wohnstraßen und Alleen, aufwendig gestaltete Mehrfamilienhäuser sowie Teil- und Einzelvillen zeugen vom Charakter des Ortes und der sozialen Stellung seiner Bewohner.
Vorliegendes Objekt am Lindenthalgürtel, Ecke Herderstraße ist ein spätes Beispiel dieses neuen städtischen Bauens, dem auch kleine dörfliche Anwesen weichen mußten. Noch heute ist vereinzelt die frühere Bebauung sichtbar.
Städtebaulich ist das vorliegende Objekt Bestandteil eines Denkmalensembles, das durch seine exponierte Lage an der Straßenmündung Herderstraße und in seiner monumentalen Wirkung einen reizvollen Kontrast zu dem zum Teil noch dörflich anmutenden Ambiente in Blickrichtung Herderstraße bietet. Auch im Zusammenhang mit dem Eckhaus Nr. 37 - 75 des Architekten Buchards von 1936 gesehen, wird Wirken und Wandel historischer Prozesse an diesem Beispiel gut rekonstruierbar und anschaulich.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0