Wohnhaus
Bachemer Straße 101 · Lindenthal
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4681 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Bachemer Straße 101, 50931 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 13.07.1988 |
| Stadtteil | Lindenthal |
Die Villa wurde um 1900 errichtet. Ortsgeschichtlich bedeutend ist der 2-geschossige 2:2-achsige Massivbau (Binderverband) aus gelbem Backstein mit roten Backstein- und Stuckgliederungen, Giebelgeschoß, 2 Risalite, 2 Balkone und abgeschrägter Ecke als Beispiel einer historisierenden Bauweise mit Stilanklängen aus der Renaissance sowie der Gotik.
Die horizontale Gliederung der Fassaden des an 3 Seiten freistehenden Baukörpers erfolgt über dem roten Backsteinsockel durch verkröpfte Fenstersohlbankgesimse, ein breiteres, mehrfach profiliertes Gurtgesims sowie ein noch breiteres Traufgesims, wobei jeweils 2 Binderschichten unterhalb der Fensterstürze diese horizontale Ausrichtung unterstreicht. Die vertikale Gegenbewegung wird durch die allseitig in rotem Backstein vorgemauerte Kantenbetonung des Baukörpers ausgelöst, wobei in der überhöhten Dreieckform der Giebel über den Risaliten eine zusätzliche Kanten- und Mittelbetonung durch 3-eckförmige Lisenen mit nach unten weisenden, getreppten Spitzen verstärkend zur Wirkung kommt.
Die abgeschrägte Ecke ist durch einen stichbogigen Balkonunterbau mit Trägern aus diamantiertem Werkstein über den 2 schmalen Fenstern des Erdgeschosses plastisch ausgeformt und durch schmiedeeisernen Gitterdekor unter dem Bogen sowie Balkongeländer geschmückt. Die Bogenform der Auskragung sowie auch Dekor (konkav und konvex gewölbte Formsteine, alternierend zweifarbig gemauerte Rollschichten) wiederholen sich bei allen Fenster- bzw. Türöffnungen - halbkreisbogig oder flachbogig, am Risalit und Giebel der Straßenfassade die etwas zurückgesetzten Zwillingsfenster in der jeweiligen Form der Stürze zusammenfassend. Außerdem sind alle Öffnungen des Baukörpers in Formsteinen gerähmt und im Bereich der Bänderungen sägezahnartig gemauert. Eine besondere Beschmükkung erhält u. a. der Brüstungsgürtel des Erdgeschosses durch das Wechselspiel von roten und gelben Binderverbänden. Der Risalit an der Seitenfassade mit Eingangstür (historisiert) weist durch die zwischen die Geschosse gesetzten Fenster auf den Treppenaufgangsbereich hin.
Das Grundstück ist straßenseitig ab dem Risalit und seitlich durch einen schmiedeeisernen Zaun auf Backsteinsockel mit zweiflügeliger Gartentür, flankiert von zwei gemauerten Pfeilern mit betontem Kapitellabschluß, umgrenzt.
Die fast vollständig originale Fensterteilung mit Schnitzwerk (Kapitelle, Klotzfries), vereinzelt dem Original nachempfunden, die schmiedeeisernen Gitter, auch an der rückwärtigen Fassade und vor den Kellerfenstern, sowie die Einfriedung vervollkommnen die ästhetische Einheit der Fassade, die als konstruktiver Teil des Hauskerns Proportion, Geschoßgliederung und Höhe des Gebäudes veranschaulicht. Im Innern des Gebäudes sind u. a. an originalen Ausstattungsteilen noch erhalten: Marmordifferenzstufen, schmiedeeisernes Geländer mit Holzhandlauf, Treppenhaus mit massiver Holztreppe und gedrechseltem umlaufendem Geländer nebst Antrittspfosten, Stuckdecken.
Baugeschichtlich bedeutend ist die Villa als ein Zeugnis der Villenbebauung in Lindenthal um die Jahrhundertwende, die wegen der starken Durchgrünung des industriearmen Stadtteils schon vor der Eingemeindung nach Köln (1888) von wohlhabenden Kölner Bürgern begonnen wurde und kurz nach der Jahrhundertwende ihren Höhepunkt erlebte. Die stattliche Villa, die sich in ihrer Architektur an Bauformen der Renaissance orientiert, gehört mit ähnlichen Bauten in ihrer Nachbarschaft zu einer Gruppe großbürgerlicher Wohnbauten, die sich im Anspruch und im Baustil von der etwas später einsetzenden planmäßigen Bebauung Lindenthals durch Mietwohnhäuser unterscheidet.
Städtebaulich ist die o. g. Villa ein Bestandteil der erhaltenen, zeitgenössischen Villenbebauung in Backsteinarchitektur, s. a. Haus Nr. 91, 93, 88, 92, 96, 96 a, 96 b, (Sichtbezug auch zu der neugotischen zentralisierten Backsteinkirche St. Stephan von 1886 (Nr. 106).
Insofern ist sie ein gut erhaltens Dokument der frühen, einst geschlossenen Villenbebauung in diesem Abschnitt der Bachemer Straße, das mithilft, ihr früheres Erscheinungsbild in Ansätzen zu bewahren und rekonstruierbar zu machen.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0