Wohnhaus

Hartwichstraße 80 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_6079
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Hartwichstraße 80, 50733 Köln
Baujahrum 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 04.06.1991
Stadtteil Nippes

Um 1890 erbaut. Eckhaus zur Ürdinger Straße. 2 Geschosse, 6:3 Achsen, abgeschrägte Ecke, ausgebautes Dachgeschoß (verändert). Zweifarbige Backsteinfassade, EG verändert (verputzt); eingeschossiger seitlicher Anbau zur Ürdinger Straße (verputzt). Haustür original, außen lediglich verkleidet; Fenster im EG original. Rückseite: backsteinsichtig; rechtsseitig originale Eingangstür; links, also im seitlichen Anbau, originale Flügeltür mit Freitreppe. Im Innern original erhalten: Flur mit Fliesenboden; Holztreppe, Holzgeländer mit gedrechselten Stäben; zwei Türen zum Saal, der das komplette Erdgeschoß umfaßt (die eine verändert); Wohnungseingangstüren, einige Zimmertüren.

Keller mit Backsteinboden und großen kappenartigen Gewölben.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die 1888 zu Köln hin eingemeindete ehemalige ländliche Siedlung Nippes zu einem wichtigen Industriestandort. Die Hartwichstraße, an der sich das o. g. Objekt befindet, wurde 1880 als Bahnhofstraße angelegt und im Jahr 1893 umbenannt. Das Gebäude gehört zu den wenigen noch vorhandenen Zeugnissen der historischen Bebauung, die bis zur Kriegszerstörung eine geschlossene Straßenfront bildeten. Als katholische "Bewahrschule" erbaut, in der im ersten Obergeschoß Wohnungen eingerichtet wurden, beherbergte es zeitweise - um 1908 - auch das Baubüro der St. Josephs-Kirche (Menzelstraße 15). Bei der Gestaltung orientierte man sich am Bautypus der Volksschulen, die mit ihren schlichten, sparsam gegliederten Ziegelfassaden einen deutlichen Kontrast zur Repräsentationsarchitektur der höheren Schulen bildeten. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befand sich ehemals die Volksschule dieses Wohnbereichs (Nr. 91, um 1883). Es existierte hier also im ausgehenden 19. Jahrhundert ein kleines kulturelles Zentrum, das wenige Jahre später durch den Kirchenbau ergänzt wurde. So wie die für Nippes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und im frühen 20. Jahrhundert belegte große Anzahl von Schulneubauten macht auch die Zahl der häufig in deren Nachbarschaft errichteten Kindergärten deutlich, wie sehr die Industrialisierung das Bevölkerungswachstum beeinflußte. Das schlichte Gebäude im Eckbereich Hartwich-/Ürdinger Straße wird somit trotz einzelner Veränderungen zu einem wichtigen Dokument für diesen Gebäudetypus und darüber hinaus auch für die wirtschaftliche Entwicklung des Stadtteils Nippes.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0