Wohnhaus

Waisenhausgasse 31 · Altstadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_6424
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Waisenhausgasse 31, 50676 Köln
Baujahr1956
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 16.03.1992
Stadtteil Altstadt/Süd

1956 erbaut, Architekt: Erich Hermanns, Teil der Wohnhausanlage Martinsfeld, Vor den Siebenburgen, Waisenhausgasse; 4 Geschosse, 2 Achsen, vorkragendes Satteldach, Putzfassade mit Profilierung an dem in der linken Achse gelegenen stichbogenförmigen Hauseingang. Alle Fenster verändert, Haustür original. Im Innern original erhalten: im Treppenhaus Terrazzoboden, Terrazzotreppe mit Metallstäben und Holzhandlauf, alle Wohnungseingangstüren. Rückseite: Putzfassade, originale Balkone über trapezförmigem Grundriß mit originalen Brüstungsgittern (teilweise nach historischem Vorbild restauriert), Fenster und Fenstertüren (bis auf die Kellerfenster) verändert, originaler äußerer Treppenabgang (mit originaler Brüstung) in den Keller sowie originale hölzerne Kellertür. Zum Denkmal gehört auch die rückwärtige begrünte Freifläche an der Straße Am Trutzenberg.

Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges, geraten als inzwischen abgeschlossene Bauepoche immer mehr in das Interesse der Allgemeinheit. Die schnell einsetzende Wiederaufbauplanung ging davon aus, den Grundriß der fast vollständig zerstörten Kölner Altstadt intakt zu halten und die Höhe der Bebauung dem Maßstab der Kirchen anzugleichen. Das Planungsziel für die Altstadt war der Vorrang des Wohnens bzw. das Wiedergewinnen der Wohnqualität, wie sie vor der Verdichtung des 19. Jahrhunderts im alten Köln vorhanden schien. Dies bedeutete die konsequente Herabzonung der Gebäudehöhen auf zwei bis drei Geschosse und die städtebauliche Auflockerung mit durchgrünter Zeilenbauweise oder Blockrandbebauung mit begrünten Innenhöfen. Zeugnis dieses städtebaulichen Konzepts ist die Wohnhausanlage an der Waisenhausgasse, Martinsfeld und Vor den Siebenburgen, deren integraler Bestandteil obiges Gebäude Waisenhausgasse 31 ist. Die ungewöhnliche Gebäudehöhe mit 4 Geschossen geht auf die Initiative der Anlieger zurück, die den ursprünglich von der Stadtplanung vorgesehenen 2geschossigen Wiederaufbau ablehnten. Statt dessen befürwortete man den Plan des Kölner Haus- und Grundbesitzer-Vereins, die Wohnanlage in Form eines Hufeisens zu errichten, wobei die Grundstücke Am Trutzenberg unbebaut und als eine einheitlich gestaltete Grünfläche den gewünschten städtebaulichen Straßenfreiraum schaffen und die hohe Bebauung ausgleichen sollten. Die Genehmigung einer Höherzonierung wurde nicht zuletzt auch dadurch möglich, daß die Wirkung der gegenüberliegenden Kirche St. Pantaleon durch deren erhöhte Lage nicht beeinträchtigt wurde. Bauhistorisch spiegelt die Wohnhausanlage die für die 50er Jahre-Architektur charakteristische schlichte Zeilenbauweise mit Putzfassaden und flach geneigten Walm- bzw. Satteldächern wider. Die rhythmisch wechselnde Fensteranordnung und der Wechsel von gerade bzw. stichbogenförmig abschließenden Hauseingängen setzen hier jedoch besondere Akzente und verdeutlichen die gestalterische Planung dieser Wohnhausanlage. Besonders reizvoll ist der Kontrast zwischen der flach profilierten und nüchternen Vorderfassade und der Rückfront, die durch trapezförmige Balkone mit ornamentierten Brüstungsgittern (ursprünglich mit weiß-grüner Tuchbespannung) sehr plastisch und belebt wirkt und durch diese aufgelockerte Gestaltung gleichsam zur repräsentativen Fassade aufgewertet wird. Der Wohnkomplex stellt somit ein qualitätvolles Zeugnis für den Wiederaufbau eines innerstädtischen Wohnviertels dar, bei dem die städtebaulichen und architektonischen Leitlinien der 50er Jahre, wie die aufgelockerte Bebauung mit begrünten Freiflächen und bauhygienische Maßnahmen, wie eine gute Besonnung und Belüftung der Wohnungen, in gelungener Weise verwirklicht wurden. Die einheitliche Gestaltung dieser Gebäudezeile, die sich bis heute noch weitgehend erhalten hat und welche die besondere Wirkung dieser Wohnhausanlage ausmacht, ist somit unbedingt zu bewahren.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0