Wohnhaus
Holunderweg 10 · Bickendorf
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_6591 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Holunderweg 10, 50827 Köln |
| Baujahr | um 1920 |
| Architekt / Planung | C.M. Grod und W. Riphahn |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 19.08.1992 |
| Stadtteil | Bickendorf |
Um 1920 erbaut, Architekten: C. M. Grod und W. Riphahn, Teil der Siedlung Bickendorf I (2. Bauabschnitt); 2 Achsen, 2 Geschosse, Satteldach mit originaler Gaube in der rechten Achse (Giebelfeld von profilierten Holzleisten gerahmt), Putzfassade mit Gliederungen: breite, flach heraustretende Rahmen an den Fenstern (Schlußsteine mit figürlichen Reliefs), betonter Hauseingang mit breiter abgeschrägter Laibung sowie Schlußstein, Geschoß- und Traufgesims, Sockel später verklinkert. Haustür und 2flügelige Sprossenfenster nach historischem Vorbild erneuert. Treppenstufen in rotem Sandstein. Im Innern original erhalten: Holztreppen sowie vereinzelte Türen. Rückseite: Putzfassade mit Gliederungen (s. o.), Fenster im EG nach historischem Vorbild erneuert, ansonsten Fenster verändert, Gartentür stilgerecht erneuert. Dachzone verändert. Ältere Terrasse mit neuer Überdachung.
Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Das Haus Holunderweg 10 ist integraler Bestandteil der Siedlung Bickendorf I, einer Kleinwohnungskolonie, die von 1914-20 in zwei Bauabschnitten nach den Plänen von C. M. Grod und unter Mitwirkung von W. Riphahn errichtet wurde. Sie war das erste Siedlungsbauvorhaben der halbstädtischen "Gemeinnützigen Aktiengesellschaft für Wohnungsbau" (GAG), deren Ziel es war, Siedlungen für minderbemittelte Bevölkerungsschichten anzulegen.
In der Kölner Siedlungsgeschichte begann mit der Erbauung von Bickendorf I ein neuer Abschnitt: Seit jener Zeit entstanden mehr oder weniger auf der Grundlage städtischer Planung isoliert gelegene oder sich an alte Siedlungskerne anlehnende, neue größere Wohnbereiche stadtauswärts von älteren Vorstädten. Zusammen mit der späteren Bebauung von Bickendorf II und der Gartensiedlung Bickendorf bildet Bickendorf I einen ganzen Vorort und ist somit bedeutendes Zeugnis für die Entwicklung der Ortsgeschichte des einstigen Weilers Bickendorf zum vorstädtischen Wohnort. Mit dieser Siedlung wurde in Köln erstmals unter dem Motto "Lich, Luff un Bäumcher" eine an den Gedanken der Gartenstadt orientierte Wohnanlage gebaut - eine Richtung, die später für den gesamten sozialen Wohnungsbau in Köln maßgebend war. Durch die Führung der Verkehrswege um die Siedlung herum und die Ausgestaltung der Straßen als Wohnstraßen wurde damals wie heute verkehrsberuhigtes Wohnen möglich. Der Siedlungskörper selbst ist durch Gärten und Vorgärten und platzartige Straßenerweiterungen sowie Plätze aufgelockert. Soziale und ökonomische Erwägungen führten in Bickendorf I erstmals auch zu einer "funktionalen" Bauweise innerhalb eines Wohnbereichs gemeinnütziger Bauträger, wobei bewußt eine Vereinheitlichung der Bautypen angestrebt wurde. Die Haustypen dieser Siedlung bedeuteten gegenüber dem bisher üblichen Dreifensterhaus und dessen Ableitungen in Physiognomie und Grundriß einen Neuanfang im Kölner Bauwesen. Bebaut ist die Siedlung mit insgesamt elf verschiedenen Haustypen, von denen jeder einer bestimmten städtebaulichen Funktion unterliegt, wie z. B. als Betonung einer Eingangs- oder Platzsituation oder zum Abschluß einer Zeile. Das Haus Holunderweg 10 ist die spiegelsymmetrische rechte Hälfte einer aus je zwei Häusern gebildeten "Hauseinheit", die innerhalb der Siedlung in Reihen gleicher Typen, im Wechsel oder auch isoliert auftritt. Stilistisch gehört es zu dem Bautyp des zweiten Bauabschnittes, bei dem Elemente des Heimatstils den Hauscharakter mitprägen. Die vom Werkbund propagierte Sachlichkeit hat sich noch nicht völlig durchgesetzt. Fenster sind Tür umgeben relativ breite, aus der Wandfläche geringfügig hervorkragende Rahmen. Die Schlußsteine ziert teilweise ein figürliches Relief. Gesimse haben sich aus dem historischen Formenschatz erhalten.
In seiner heimatlichen und romantischen Auffassung spiegelt Bickendorf I somit den Zeitgeist nach dem 1. Weltkrieg wider, der geprägt war von einer Sehnsucht nach Geborgenheit und einer friedlichen Idylle, verbunden mit dem Wunsch nach den verträumten Städtchen des Mittelalters.
Durch sein weitestgehend original erhaltenes äußeres Erscheinungsbild wird das Haus Holunderweg 10 inmitten der mehr oder weniger stark veränderten Siedlungsbauten daher zu einem sehr wertvollen Denkmal, das noch Beispiel gibt von der ursprünglichen Architektur dieser für Köln städtebaulich, bauhistorisch aber auch sozialdokumentarisch so wichtigen Siedlung Bickendorf I.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0