Wohnhaus
Graditzer Straße 48 · Niehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_6739 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Graditzer Straße 48, 50735 Köln |
| Baujahr | 1958 bis 1959 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 16.02.1993 |
| Stadtteil | Niehl |
1958/59 erbaut, Architekt: Oswald Mathias Ungers; Teil der Wohnzeile Graditzer Str. 44-52, 3 Geschosse, Satteldach mit quer zum Dachfirst ausgerichteten, betonten Kaminaufbauten, Ziegelfassade mit hellem Betonstreifen über dem Hauseingang und zwischen den Fenstern zu Nr. 46 und 50, zwei Risalite zu beiden Seiten der Mittelachse. Originale, unterteilte Stahlfenster, u. a. auch schmale längsrechteckige Treppenhausfenster, in der Mittelachse originale Haustür (Rahmen und Türgriff in Stahl, Drahtglas) sowie seitliche türhohe Verglasung, Tritt vor der Haustür in dunklem Kunststein. Rückseite: risalitartig vorgeschobene Ziegelfassade mit über Eck geführten, originalen Fensterbändern (Stahlrahmen, Stahlstützen an den Ecken), gegliedert durch zwei Reihen darüber hinaus vorkragender Balkone mit Ziegelbrüstungen und hellem Betonstreifen als unterer Abschluß, breites Traufgesims der Rückfront in Beton. Im Innern original erhalten: Treppenhaus in dunklem Kunststein, Geländer mit schlichten Metallstäben und Handlauf in Holz, originale Wohnungsabschlußtüren. Teil des Denkmals sind auch die Grünflächen an der Vorder- und Rückfront.
Das og. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges, geraten als inzwischen abgeschlossene Bauepoche immer mehr in das Interesse der Allgemeinheit. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl Bauten, die als baukünstlerisch qualitätvolle Beispiele der 50er Jahre-Architektur unbedingt erhaltenswürdig sind. Dies gilt auch für die Wohnzeile an der Graditzer Straße, die 1958/59 nach Plänen des Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers - heute einer der bedeutendsten deutschen Architekten von internationalem Rang - errichtet wurde. Die rhythmisch wiederkehrenden Risalite an der Vorderfassade und insbesondere die zahlreichen auskragenden kubischen Balkone spiegeln beispielhaft die Plastizität und klare sachliche Formensprache wider, die lange für das Werk von Ungers bestimmend waren. Bereits 1955 stellte Ungers die "Ehrlichkeit" der reinen Grundformen der "Ehrlichkeit" in der Behandlung der verwendeten Materialien gegenüber und wurde zu den mitbestimmenden Prägern des "Brutalismus". Die geringfügig von Betonstreifen durchsetzten Ziegelfassaden des obigen Gebäudes dokumentieren diese Architektur, die die Baumaterialien so zeigt, wie sie sind, und die sich in den späten 50er und dann 60er Jahren zu einer internationalen Stilrichtung entwickelte. Einen besonderen baukünstlerischen Effekt bildet der Gegensatz einer geschlossen wirkenden Vorder- und einer durch Balkone rhythmisch gegliederten sowie durch Fensterbänder offenen und lichtdurchlässigen Rückfassade. An dieser gleichsam zu einer Schaufront avancierten Rückseite schafft Ungers einen reizvollen Wechsel der gegensätzlichen Baumaterialien Ziegel und Glas, wobei letzteres durch die dünne Stahlrahmung betont grazil wirkt. Teil dieser Wohnzeile sind auch die Grünflächen an der Vorder- und Rückseite, die nicht nur funktional - von Ungers ursprünglich auch mit Spielplatz geplant - für die Nutzung der Bewohner gedacht waren, sondern auch die für die architektonische Wirkung der Wohnzeile nötige Freifläche schaffen.
Ortsgeschichtlich bedeutend ist obiges Gebäude zudem als Zeugnis des Ausbaus Niehls zu einem städtischen Wohnvorort Kölns, in dessen Folge Siedlungsblöcke am westlichen und besonders am südlichen Ortsrand entstanden. Diese Entwicklung wird auch an der Graditzer Straße städtebaulich unmittelbar nachvollziehbar, insofern als die obige auf neu erschlossenem Bauland errichtete Wohnzeile der kleinteiligen, noch vorstädtischen Bebauung der Jahrhundertwende gegenübersteht und auf diese Weise die architektonische Veränderung in Maß, Proportion und Material deutlich vor Augen führt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0