Wohn- u. Geschäftshaus
Sülzburgstraße 199 · Sülz
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7281 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Sülzburgstraße 199, 50937 Köln |
| Baujahr | 1900 bis 1903 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 09.12.1994 |
| Stadtteil | Sülz |
Erbaut 1900/03; 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß; 4 Achsen; zweifarbige Backsteinfassade; EG verändert; 1. OG mit stichbogenförmigen Fensteröffnungen, 2. OG und Giebelfenster mit rundbogenförmigen Fensteröffnungen; sämtliche Fenster erneuert, Haustür in der linken Achse original; Tordurchfahrt in der rechten Achse; Fassade gliedert sich in zwei Zonen: die rechte Hausachse wird im Dachbereich durch einen Treppengiebel mit Rundbogenfenster und Okulus überhöht und über alle Geschosse durch pilasterartige Wandvorlagen vertikal akzentuiert; die übrigen 3 Achsen werden horizontal durch breite Gesimszonen gegliedert; zwischen 1. und 2. OG durch eine über die gesamte Fassade reichende, mit einem reliefiertem Anthemion verzierte Zone; im Dachbereich durch reich profiliertes, auf Backsteinkonsolen ruhendem Gesims; Rückfront: über Balkone zum Hof geöffnet; Hinterhaus glatt verputzt; 3 Achsen; 3 Geschosse; Flachdach; Eingang im vorderen Hofbereich; Innen original: im Flur und Treppenhaus mehrfarbiger Terrazzo; Vorflurunterzug mit Rundbogen verblendet; Kämpfer; pilasterartige Vorblendung, Decke profiliert gefaßt; Treppe im Anbau aus Beton; Geländer und Handlauf aus Holz, Antrittspfosten stark beschädigt; Wohnungstüren und Laibungen; über den Treppenabsätzen profilierte Deckenleisten; Treppenhausfenster alt (mit Riegel) aber nicht original; in den Wohnungen neue Türen, abgehängte Decken; Pfettendach mit Spreng- und Hängewerk; Dachdeckung und Gaubenverkleidungen erneuert; die sich im Nordwesten (zweigeschossig) und im Nordosten an das Hinterhaus anschließende Bebauung reicht an der Rückseite bis an die Flurgrenze/Grundstücksgrenze; diese Gebäude beherbergten bis 1928 die Wäscherei Krompers (Schornstein, der bis über die Dächer der umgebenden Häuser reichte ist mittlerweile abgebrochen); während diese Hofbebauung als ursprüngliche Bebauung Bestandteil des Denkmals ist, ist der eingeschossig vor den nordwestlichen Hoftrakt vorgesetzte Anbau nicht Teil des Denkmals.
Während es bis um die Mitte des 19. Jh. in Sülz eher ländlich geprägte Siedlungsansätze gab, fällt die Entstehungszeit des Hauses Sülzburgstr. 199 in eine zweite, städtebaulich bedeutende Entwicklungsphase des 1888 nach Köln eingemeindete Sülz. Hierbei orientierte sich sowohl die stadtplanerische Gestaltung als auch die architektonische Ausformung der neu errichteten Bauten deutlich an der Entwicklung der Kölner Neustadt. So ist auch die Sülzburgstraße zwischen Zülpicher Straße und Euskirchener/Palanter Straße Teil einer Bebauungsphase, die die epochale Neustadtplanung fortsetzt. Das o. g. Objekt stellt in diesem stark durch Kriegsschäden geprägten Bereich der Sülzburgstraße eine aufgrund der konsequenten Fassadengliederung durch verschiedenfarbigen Backstein auffällige Variante historistischer Bebauung dar. Der Historismus, so bezeichnet wegen vielfältiger Rückgriffe auf historische Baustile, prägt diesen Bau dahingehend, daß sowohl die Rundbogenfenster der Treppengiebel mit Okulus als auch die Horizontalgliederung durch einen kombinierten Palmetten-Lotusblütenfries Anklänge an mittelalterliche und Renaissancearchitektur erkennen lassen. Die konsequente Unterordnung dieser stilistischen Details unter eine architektonische Gesamtform, die des dreigeschossigen Wohn- und Geschäftshauses, stellen die für den Historismus charakteristische Umwertung historischer Baustile dar. Die Wirkung der Fassade beruht dabei neben ihrer Zweifarbigkeit auf der Balance zwischen Horizontal- und Vertikalgliederung. Die deutliche Vertikalität der rechten Hausachse, die durch einen pilasterartig gefaßten Treppengiebel eine Akzentuierung erfährt, wird durch ein breites Gesimsband zwischen 1. und 2. OG sowie dem stark profilierten Dachgesims kompositionell ausgeglichen. Verkröpfungen der Pilastergliederung mit dem Gesimsband markieren den Zusammenhalt beider Gliederungen. Neben diesen zeittypischen architekturhistorischen Merkmalen läßt der Zustand der rückwärtigen Bebauung der Sülzburgstr. 199 Rückschlüsse auf die seit der Bauzeit bestehende Mischnutzung (Wohnen und Gewerbe) des Terrains zu. Bis 1925 war hier die Wäscherei Krompers angesiedelt, deren markanter Schornstein, der nicht mehr vorhanden ist, die umliegenden Dächer überragte. Die heutige Nutzung als Lagerraum setzt die ursprüngliche gewerbliche Nutzung im nordöstlichen Hofbereich fort, während der nordwestliche Hoftrakt als Wohnraum umgenutzt und entsprechend baulich verändert wurde.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0