Wohnhaus
Gartenstraße 10 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7410 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Gartenstraße 10, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 06.03.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1890, L-förmiger Grundriß, 2 Geschosse, nachträglich ausgebautes Vollgeschoß in Backstein, mit aufgesetztem ausgebauten Spitzboden, Satteldach mit Dachgaupen (nicht Bestandteil des Denkmals), 3 Achsen, Backsteinfassade mit Stuckgliederungen in Formen des Klassizismus, Hauseingang rechts, Haustür erneuert Fenster mit geradem Abschluß und Verdachungen, die straßenseitigen Fenster der Hauptgeschosse original. Rückseite: Backstein, geschlemmt, z.T. segmentbogige Fenster, Hoftür erneuert, die rückwärtigen Fenster zum großen Teil original. Im Innern original erhalten: Rundbogendurchgang zwischen Vestibul und Treppenhaus, Holztreppe, Holzdielenböden. Gewölbekeller. Rückwärtiges Gartengelände mit teilweise erhaltener originaler Einfriedungsmauer. Dem rückwärtigen, ebenfalls aufgestockten Hinterhaus schließt sich ein eingeschossiger Anbau an, der ebenfalls Bestandteil des Denkmals ist.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes ließen sich bereits ab 1800 die ersten Fabrikanten nieder. Die Neusser Straße - eine urspr. römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den heranwachsenden Vorort. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachse die Merheimer Straße bildete, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. In der zweiten Jahrhunderthälfte entwickelte sich das 1888 zu Köln eingemeindete Nippes zu einem wichtigen Industriestandort. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße ( um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende wuchs die Bevölkerung der Siedlung rapide an, bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die städtebauliche Verdichtung des Ortsteils zu beiden Seiten der Neusser Straße hat sich in jüngster Zeit fortgesetzt.
Die Gartenstraße, angelegt um 1887 als Verbindung zwischen der seit etwa 1873 bestehenden Wilhelmstraße und der auf alte Vorläufer zurückgehenden Florastraße, wurde bis in die Zeit um die Jahrhundertwende allmählich bebaut mit zwei- bis viergeschossigen, in zeittypischer Weise einfach dekorierten, schlichten Wohn- und Miethäusern. Eine reduzierte Anzahl von Wohngebäuden zeigt noch die typische Erscheinungsform der Bauten aus der ersten Zeit des raschen Anwachsens des Stadtteils - schmale Parzellen mit drei Fenster breiten Fassaden und zwei- oder dreigeschossigen Häusern mit einfachen, hauptsächlich dem Klassizismus entlehnten Schmuckformen (profilierte Rahmungen der Fenster und Eingangstür mit Einschluß von Diamantquadern, Stockwerkgesims, in der Betage Einfassung der Fenster durch Stuckrahmung, profilierte, konsolgetragene und mit bauplastischen Details (Kinderköpfe) geschmückte Verdachungen, in der Mittelachse als Dreieck, in den äußeren Achsen waagrecht, das ursprüngliche Dachgesims profiliert). Einen besonderen Akzent setzt die Mittelbetonung mit einer überhöhten Verdachung in Form eines Dreieckgiebels. Das im Kreuzungsbereich zur ebenfalls recht schmalen Nelkenstraße gelegene Haus Gartenstraße 10 und weitere annähernd im Originalzustand erhalten gebliebene Gebäude der Zeile sind Zeugnisse der ursprünglich auf den unteren Mittelstand zugeschnittenen Erstbebauung einer der neu angelegten Straßen des Industrieortes Nippes. Charakteristisch für die frühe Erschließung und Bebauung der unmittelbar an der Straße errichteten Gebäude ist die geringe Parzellenbreite - das Haus Nr. 10 zeigt die typische dreiachsige Fassade städtischer Bebauung - sowie die ursprüngliche Zweigeschossigkeit und die geringe Höhe der Geschosse. Die unmittelbar benachbart liegenden Gebäude 8 und 12 zeigen eine annähernd gleiche Dimensionierung. Das Objekt ist als Beispiel für den frühen Wohnbau in Nippes - trotz weitreichender Veränderungen durch den Aufbau des Dachgeschosses mit Spitzboden - ein historisches Dokument. Im weiteren Verlauf der Gartenstraße umgeben von drei - bis viergeschossigen Mietwohnhäusern und Neubauten jüngeren Datums, dokumentiert es mit wenigen noch erhaltenen Beispielen die frühe Bebauung und markiert den Anfang der kurz darauf einsetzenden massenhaften Erschließung und Bebauung des Gebietes Flora-, Nelken- und Gartenstraße mit einfachen Ansprüchen genügenden Mietobjekten. Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil im Ensemblebereich der Straße und somit als Baudenkmal zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0