Wohnhaus
Nelkenstraße 9 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7419 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Nelkenstraße 9, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1880 bis 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 06.03.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1880/90, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen der Renaissance, Erdgeschoß verändert (im Bereich des Sockels und einschließlich der Gewände der Eingangstür Verkleidung mit Granitplatten), segmentbogiger oberer Abschluß der Eingangstür und Fenster, alle straßenseitigen Fenster erneuert, Haustür original. Rückseite: Backstein, Blendfenstergliederung im Seitenflügel, Stirnseite des Seitenflügels verputzt, die ursprünglich segmentbogig abschließenden Fenster verändert (aufgemauerte Sohlbänke und geschlossene Oberlichter (Fenster ohne Teilung), Hoftür erneuert. Im Innern original erhalten: Vestibul: farbige Bodenfliesen, Stuckdecke, Durchgang zum Treppenhaus mit Stuckkonsolen akzentuiert, im Treppenhauserdgeschoß farbige Bodenfliesen, Holztreppe mit Handlauf und Stäben. In den Wohnungen: z. T. Holzdielenböden.
Gewölbekeller.
Im rückwärtigen Hof Reste der originalen Einfriedungsmauer in Backstein erhalten.
Das Gebäude Nelkenstr. 9 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätzes industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine urspr. römische Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer- und der Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Die Nelkenstraße ist eine schmale Wohnstraße, die von der Neusser Straße abzweigt und im Bereich zwischen Neusser- und Florastraße liegt. Die Bebauung der Nelkenstraße gehört neben der bereits am Ende des 19. Jahrhunderts wichtigen Geschäfts- und Verkehrsachse Neusser Straße zu der frühen, für Nippes entscheidenden Erschließungsphase zwischen 1880/90 und 1910. Sie zeigt eine Zeilenbebauung mit zwei- bis dreigeschossigen, in zeittypischer Weise einfach dekorierten, schlichten Wohn- und Miethäusern. Eine reduzierte Anzahl von Wohngebäuden dokumentiert noch heute die typische Erschließungsform der Bauten aus der ersten Zeit des raschen Anwachsens des Stadtteils - schmale Parzellen mit drei Fenster breiten Fassaden vor zwei- oder dreigeschossigen Häusern mit einfachen, hauptsächlich dem Klassizismus entlehnten Schmuckformen. Einen besonderen Akzent setzt das Gebäude Nelkenstraße 9 mit reich ausgearbeiteten Fensterverdachungen in Formen der Renaissance (Schmuckformen: Fugenschnitt, profilierte Rahmung der Fenster, Stockwerkgesims, durchlaufende Sohlbänke, Belétage: reiche konsolgetragene Verdachungen, in der Mittelachse Dreieckgiebel, in den äußeren Achsen Rundbogengiebel, konsolgetragenes Stockwerkgesims zum 2. Obergeschoß, Fenster mit plastisch ausgearbeitetem Schlußstein, konsolgetragenes Dachgesims). Das im Bereich zur ebenfalls recht schmalen Gartenstraße gelegene Haus und weitere annähernd im Originalzustand erhalten gebliebene Gebäude der Zeile sind Zeugnisse der ursprünglich auf den unteren Mittelstand zugeschnittenen Erstbebauung einer der neu angelegten Straßen des Industriestandortes Nippes. Charakteristisch für die frühe Erschließung und Bebauung der unmittelbar an der Straße gelegenen Gebäude ist die geringe Parzellenbreite sowie die geringe Höhe der Geschosse. Die unmittelbar benachbart liegenden Häuser 7 und 11 zeigen bei weitgehend veränderten und verödeten Fassaden eine annähernd gleiche Dimensionierung. Im weiteren Verlauf der Nelkenstraße umgeben von zwei- bis viergeschossigen Mietwohnhäusern, Neubauten sowie einem Großwarenhaus jüngeren Datums, dokumentiert es mit reduzierter Anzahl noch erhaltener Beispiele die frühe Bebauung und markiert den Beginn der kurz darauf einsetzenden massenhaften Erschließung und Bebauung des Gebietes Flora-, Garten- und Nelkenstraße mit Mietwohnobjekten. In diesem Bereich stellt das Gebäude eines der noch erhaltenen Zeugnisse der Erstbebauung dar, die bis zur Kriegszerstörung eine geschlossene Straßenfront bildete. Das Gebäude ist für die Veranschaulichung des historischen Straßenbildes ein unverzichtbares Dokument.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0