Wohn- u. Geschäftshaus

Sülzburgstraße 196 · Sülz

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7424
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Sülzburgstraße 196, 50937 Köln
Baujahrum 1906 bis 1908
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 06.03.1995
Stadtteil Sülz

Um 1906/08 erbaut; 3 Geschosse und ausgebautes Mansarddach; 4 Achsen; die beiden durch paarweise zusammengefaßte Fenster gebildeten Mittelachsen werden in der Dachzone durch zweigeschossigen Giebelaufsatz akzentuiert, wobei das Mansardgeschoß eine Einheit mit dem unteren Giebelgeschoß bildet; die seitlichen Fensterachsen im 1. und 2. OG durch Fenstertüren mit schmalen Austritten und originalen eisernen Geländern; reich strukturierte Stuckfassade mit flach aufgeputzten Fensterrahmungen und einzelnen reich ornamentierten Wandfeldern; im 2. OG horizontales Ornamentband mit geometrischen Jugendstilformen; sämtliche Fenster und Türen erneuert; Ladenlokal im EG in der Funktion original, in der Substanz stark verändert (Verblendung mit Wandfliesen); Rückfront: backsteinsichtig mit stichbogenförmigen Fensteröffnungen; sämtliche Fenster, Türen, Sohlbänke erneuert; zum Denkmal gehörend: Backsteinmauer im Norden und Osten; nicht zum Denkmal gehörend: 1949 errichteter stark veränderter flacher Anbau ; im Eingangsbereich mehrfarbiger Terrazzobelag mit stilisierter Wellenrahmung; Deckenfeld: originale Stuckrahmung mit zentraler kleinformatiger Rosette; Unterzug zum Treppenhaus konsolartig akzentuiert und mit Kanelluren versehen; zweiläufige Treppe mit orig. Terrazzobelag; Antrittspfosten, Geländerstäben und Handlauf aus Holz; auf den Treppenabsätzen linker Hand WCs; im gesamten Inneren keinerlei Originalausstattung, wohl aber Originalgrundrisse (Ausnahme: 1. OG Wanddurchbruch der zentralen Straßenzimmer; im Spitzboden originaler stehender Stuhl und kleine Giebelkammer mit dreiteiligem Fenster); Dachdeckung in den 60er Jahren erneuert.

Während es bis um die Mitte des 19. Jh. in Sülz eher ländlich geprägte Siedlungsansätze gab, fällt die Entstehungszeit des Hauses Sülzburgstr. 196 in eine zweite, städtebaulich bedeutende Entwicklungsphase des 1888 nach Köln eingemeindeten Sülz. Hierbei orientierte sich die stadtplanerische Gestaltung einerseits und die architektonische Ausformung der neuerrichteten Bauten andererseits deutlich an der Entwicklung der Kölner Neustadt. So ist auch die Sülzburgstraße zwischen Zülpicher Straße und Euskirchener/Palanter Straße Teile einer Bebauungsphase, die die epochale Neustadtplanung fortsetzt. Das o. g. Objekt ist daher ein für den Stadtteil Sülz charakteristischer Bau, sowohl in ortsgeschichtlicher als auch in städtebaulicher Hinsicht. Hinzu kommt ein architekturhistorischer Aspekt, der das o. g. Objekt an die Schwelle einer sich verändernden Architekturauffassung stellt. Die typische gründerzeitliche Bebauung weist bis ins erste Jahrzehnt des 20. Jh. in der Regel eine stark bewegte, durch Erker, Risalite, Kolossalordnungen,

Dachaufbauten und dergleichen modellierte Fassade auf. Diese, aufgrund ihrer Rückgriffe auf historische Beispiele als Historismus bezeichnete Architektursprache wurde ab der Jahrhundertwende - und das o. g. Objekt bezeugt dies eindeutig - umgewertet. So basiert die straffe Vertikalgliederung des o. g. Objektes im Unterschied zu gründerzeitlichen Bauten auf stereometrischen Formen, die in bewußt eingesetzten Kontrast zur feinstrukturierten Wandfläche eine Ordnungsstruktur schaffen, die auf den plastisch instrumentierten gründerzeitlichen Formenkanon weitgehend verzichtet und vielmehr strukturelle Mittel zur Wandgliederung verwendet. So auch das flach reliefierte Ornamentband in Höhe des 2. OG, das an Stelle früher üblicher kräftig profilierter Gesimse den Bau horizontal gliedert. Ein Gliederungselement, das kaum merklich, aber wirksam, durch die Oberflächenstruktur des Putzes unterstützt wird. Einen eindeutig repräsentativen Charakter kann man diesem zurückhaltend gegliederten Bau dennoch zusprechen. Dieser beruht neben der relativ breiten Lagerung des Baukörpers vor allem auf der Überhöhung des Mittelteiles durch den in die Dachzone reichenden, dominanten Giebelaufsatz, dessen Durchfensterung den Baukörper einer Hierarchie unterwirft.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0