Wohnhaus
Wartburgstraße 10 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7426 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Wartburgstraße 10, 50733 Köln |
| Baujahr | 1890 bis 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 06.03.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut 1890/1900, Vorderhaus mit rückwärtigem Seitenflügel, 4 Geschosse, Satteldach, Stuckfassade in Formen des Klassizismus, 4 Achsen, Hauseingang rechte Achse, Erdgeschoß verändert (Stuckdekor entfernt, verputzt), Fenster mit geradem oberen Abschluß, im Erdgeschoß geschlossene Oberlichter, alle straßenseitigen Fenster sowie die Haustür erneuert (Metall). Rückseite: Backstein, Stockwerk- und Dachgesims, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel zweiachsig, segmentbogig abschließende Fenster (Kunststoff) sowie die Hoftür im Rücksprung erneuert. Im Innern original erhalten: Treppenhaus: mehrfarbig Bodenfliesen, Podeste mit Holzdielenboden, Holztreppe unter PVC-Belag, Holzgeländer mit Handlauf. In den Wohnungen: Holzdielenböden, Türen und Gewände zum Teil original. Originale Einfriedungsmauer in Backstein um den Hof.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Wartburgstraße bildet die Verbindung zwischen der 1898 angelegten Kempener Straße und der früheren Hauptverkehrsachse des Ortsteils Sechzig, der Merheimer Straße. Sie ist Teil der gründerzeitlichen Ortserweiterung, anläßlich der in den letzten Jahren des Jahrhunderts das Gebiet westlich der Neusser Straße weiter erschlossen und mit Wohnhäusern bebaut wurde. Im Zuge dieser Bauaktivitäten wurde auch der dreieckförmige Wartburgplatz, der dreiseitig von der Wartburg-, Büdericher- und Eisenachstraße eingefaßt ist, südöstlich der Werkstätten der ehemaligen rheinischen Einsenbahngesellschaft, angelegt. Die Wartburgstraße prägen Mietwohnhäuser mit historistisch dekorierten Schaufassaden.
Im Bereich Wartburgstraße/-platz und Merheimer Straße ist die architektonische Vielfalt in Anwendung, Abwandlung und Kombination des mulitformen Stilkanons noch teilweise erhalten.
Das Gebäude Nr. 10 ist ein typisches Beispiel für den bescheidene Bedürfnisse befriedigenden Mietwohnungsbau mit klassizistisch aufgewerteter Schauseite in Nippes (Schmuckformen: im 1. Obergeschoß reiche Fensterverdachungen in Form konsolgetragener Dreieckgiebel mit Einschluß von annähernd vollplastischen Häuptern, konsolgetragene Fensterbänke und gerade Verdachungen im 2. Obergeschoß, aufwendiges Dachgesims: Architrav, Schmuckfries, Konsolgesims, Zahnschnitt, Geison). Es bildet einen Teil der ursprünglichen Bebauung an der Wartburgstraße, während weitere Gebäude der Blockbebauung im Zweiten Weltkrieg und später zerstört, in modernen Formen wiederaufgebaut wurden oder als Neubauten erstanden. Das gesamte Ensemble ist für die stadtbaugeschichtliche Entwicklung von Nippes von hoher Bedeutung, das Gebäude Wartburgstr. 10 ist als Teil dieses Zusammenhangs ein unverzichtbares Dokument der gebauten Umgebung.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0