Wohnhaus

Yorckstraße 29 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7554
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Yorckstraße 29, 50733 Köln
Baujahr1911 bis 1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 04.08.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut 1911/12, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 3 Achsen, Zwerchgiebel, einheitliche Gestaltung mit dem Nachbarhaus Nr. 27, Kieselputzfassade in Anlehnung an Formen des Historismus und des Jugendstils. Eingang rechts, Betonung der linken Achse durch Risalit auf rechtekkigem bzw. polygonalem Grundriß mit abschießendem Balkon, rechte Achse erkerartiger Vorbau auf segmentförmigem Grundriß, hochrechteckige Fenster mit geradem Abschluß, in der rechten Achse zu Dreiergruppe zusammengefaßte Fenster, alle straßenseitigen Fenster erneuert, originale Haustür.

Rückseite: Vorderhaus dreiachsig, Seitenflügel einachsig, Backstein mit Gliederungen durch vertikale Ziegel- und Putzlagen in den Brüstungsbereichen, Traufgesims. Im Winkel von Vorderhaus zu Seitenflügel Dreieckbalkone. Segmentbogige Fensterformen, an der Rückfront des Seitenflügels im 2. Obergeschoß Halbrundfenster, alle hofseitigen Fenster erneuert, Gartentür vom Treppenhaus mit hohem Oberlicht original, Hoftür original.

Im Innern original erhalten: im Vestibül schwarz-weiße Bodenfliesen, Marmortreppe, Marmorwandverkleidung zweifarbig bis zu halber Höhe, oben und unten abgesetzt durch rote Marmorleisten, Wand- und Deckenstuck. Treppenhaus: schwarz/weiße Bodenfliesen im Erdgeschoß und an den Treppenpodesten, Terrazzotreppe, Holzgeländer mit Antrittspfosten und Stäben, Wohnungseingangstüren mit sprossengeteiltem Oberlicht original. In den Wohnungen Holzdielenböden, z. T. originale Türen und Gewände, z. T. mit sprossengeteiltem Oberlicht, teilweise Stuckdecken in den straßenseitigen Räumen in geometrischen- und Formen des art deco, in der Küche 1. Obergeschoß Rest der Wandfliesen blau/weiß in Art Delfter Fliesen.

Vorgarten mit originaler Einfriedung, gemauerte und verputzte Pfeiler, gußeiserne Vergitterung.

An der nördlichen Grundstücksgrenze originale Einfriedungsmauer in Backstein mit gemauerten Pfeilern (beschädigt).

Im Gebiet es heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Yorckstraße, angelegt 1900 - 1902 als westlichste der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Straßen des neuen Viertels, verbindet die Flora- mit der Nordstraße. Im Bereich Yorckstraße/Leipziger Platz ist eine bürgerlich-repräsentative, nach der Jahrhundertwende entstandene Bebauung anzutreffen. Kriegsschäden haben den großbürgerlichen Charakter dieser historischen Bebauung nicht wesentlich verändert, so daß der städtebauliche Gesamteindruck erhalten blieb. Die Yorckstraße dokumentiert die starke bauliche und wirtschaftliche Weiterentwicklung zu den älteren, südlichen Bereichen.

Das Gebäude Yorckstr. 29 ist ein Beispiel für die repräsentative, gestalterisch aufwendige Mietwohnarchitektur der ersten Jahre unseres Jahrhunderts in Nippes. Aufgrund der Erhaltung großer Teile des Originalzustands, insbesondere der straßenseitigen Fassade, die, in Kieselputz gearbeitet als bewußter Gegensatz zur glatt verputzten und gestrichenen Fassade des Historismus zu werten ist, und ausgefallener Dekorationen im Inneren (Deckenstuck, Boden- und Wandfliesen) ist das Gebäude, wie auch das gleich gestaltete Nachbarhaus Nr. 27 mit seiner, neue Architekturformen zeigenden Gestaltung, sowohl als Gegenbewegung zur verbreiteten Nachahmung von Epochenstilen, als auch als ein Beitrag zu einer modernen Umweltgestaltung im Bereich der städtischen Architektur zu sehen (Schmuckformen: im Erdgeschoß Einfassung des Risalits durch Strebepfeiler auf dreieckigem Grundriß mit Verdachung, Zahnschnitt, Weiterführung des Risalits als polygonaler Baukörper, Einschluß bauplastischer Reliefs in Jugendstilformen, Hauseingang mit konsolgetragener Verdachung, Bogenfeld mit Oberlicht, Stockwerkgesims am Risalit, durchlaufende Sohlbänke, Abschluß des Risalits durch kräftig profiliertes Dachgesims mit Eierstab, Balkon). Im vielfältigen, vom historisierenden Pluralismus bestimmten Erscheinungsbild der Yorckstraße setzen die Gebäude Nrn. 27 und 29 einen wichtigen Akzent. Die städtebauliche Situation in diesem Bereich der Yorckstraße ist geprägt von weitreichenden Einbrüchen, die in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von Wiederaufbauten in zeitgemäßen Formen und Neubauten entstehen ließen. In der Proportionierung und Axialität der Baukörper schließt das Haus Nr. 29 an die in der Zeile zum Leipziger Platz hin gelegene gehobene Mietwohnarchitektur an und bildet neben weiteren reich dekorierten Gebäuden innerhalb des Ensembles vorwiegend historistischer Architektur eine eigenständige Variante. Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Nippeser Stadtarchitektur im frühen 20. Jahrhundert ein wichtiges und unverzichtbares Beispiel.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0