Wohnhaus

Eisenachstraße 13 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7611
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Eisenachstraße 13, 50733 Köln
Baujahrum 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.08.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1905, auf rechteckiger Grundfläche, zwei Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach (Dachgaupen entfernt), zwei Achsen, Putzfassade mit Gliederungen in Backstein, im Erdgeschoß Rundbogenfenster (Oberlichter geschlossen), im Obergeschoß paarweise zusammengefaßte Fenster mit geradem oberen Abschluß, Eingang links mit rundbogigem Abschluß und Oberlicht, Haustür erneuert, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Holz), Maueranker. Rückseite: Backstein, verputzt, Öffnungen verändert, alle rückwärtigen Fenster (Kunststoff) verändert, Grundriß des Treppenhauses verändert (= Einbau einer offenen Treppenkonstruktion in Holz bis ins Dachgeschoß), Grundriß in den Wohnbereichen beider Geschosse zum Teil verändert, im Obergeschoß Holzdielenböden.

Straßenseitiger Ziergarten verändert (Entfernung der Einfriedung).

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straßen bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene, drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Im Zuge der gründerzeitlichen Ortserweiterung wurden die Eisenachstraße (1903 - 1905) und der direkt anschließende dreieckförmige Wartburgplatz (seit ca. 1910) östlich der Werkstätten der ehemaligen Rheinischen Eisenbahngesellschaft angelegt. Die einheitlich konzipierten, heute teilweise veränderten Bautengruppen am Wartburgplatz und an der schmalen Eisenachstraße zeichnen sich durch symmetrische Baukörper- und Fassadengestaltung aus. Die ca. 45 Gebäude in zwei Zeilen wurden von der 1895 gegründeten Köln-Nippeser Bau- und Spargenossenschaft als Zweifamilienhäuser mit (Nutz-)Gärten für Arbeiter errichtet. Genossenschaftliche Bestrebung war es, Arbeitern befriedigende Wohnverhältnisse zu angemessenen Mietpreisen zu bieten und ihnen den Wohnungskauf zu ermöglichen. Die Arbeiterwohnhäuser mit rückwärtigen und straßenseitigen Gartenbereichen dokumentieren den genossenschaftlichen "sozialen" Wohnungsbau wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg. Die architektonische Konzeption, die sich am Ideal des Einfamilienhauses orientiert und der städtebauliche Entwurf, die umgrünte, auf einen Platz bezogene Bebauung belegen das wohnungsreformerische Bestreben des Bauträgers und begründen die sozialgeschichtliche und ortsbildprägende Bedeutung des erhaltenswerten Ensembles. Diesem Konzept lag neben dem sozialen auch der volksgesundheitliche Anspruch, die hygienischen Wohnverhältnisse der unteren Schichten zu verbessern als Kriterium zugrunde. Die Bebauung einschließlich der für die Gesamtanlage konzipierten großzügigen Grün- und Gartenbereiche konnten hier ganz andere Lösungen hervorbringen, als die in unmittelbarer Umgebung anstehende geschlossene Bebauung mit zum Teil licht- und luftarmen Hinterhäusern. Die im deutschen Heimatstil in Anknüpfung an Formen der norddeutschen Backsteinarchitektur und der historistischen Stilarchitektur dekorierten Reihenhauszeilen - aufgelockert durch Giebelwände mit Bogenverdachungen und Ziergiebel - haben bei aller Ähnlichkeit jedes eine nach Formen und Materialverwendung individuell gestaltete Fassade (dunkelroter Backstein, hellroter Klinker, weißer Putz). Anwendung, Abwandlung und Kombination des überkommenen Kanons sind als Anpassung an die Bauaufgabe Siedlungsarchitektur zu werten. Die einfachen Baukörper mit einheitlichen Grundrissen zeigen eine zurückhaltende, konform angewendete und malerisch bewegte Dekoration der Fassaden. Am Gebäude Eisenachstr. 13 sind folgende Formen angewendet: Backsteinfassade bis in Kämpferhöhe, grau geschlämmt, zu Dreiergruppe zusammengefaßte Befensterung, im Erdgeschoß als backsteingerahmte Rundbogenstellung, Rundbogeneingang, im Obergeschoß Fensternischen mit paarweise zusammengefaßten schmalen Fenstern, scheitrechte Bögen und getrepptes Traufgesims in Backstein, Maueranker. Die Anwendung des vereinheitlichenden Formenkanons für die Siedlung Eisenachstraße und die Gestaltung des Wartburgplatzes - einer in diesem Bereich der Stadt neuen Bauaufgabe - ist an den Häusergruppen trotz Veränderungen noch heute sehr gut nachvollziehbar. Das gesamte Siedlungsensemble ist für die stadtbaugeschichtliche Entwicklung von Nippes von hoher Bedeutung. Das Gebäude Eisenachstr. 13 ist als unverzichtbarer Teil dieses gebauten Zusammenhangs schützenswert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0