Wohnhaus

Sportstraße 7 · Weidenpesch

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7618
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Sportstraße 7, 50737 Köln
Baujahr1856
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 21.08.1995
Stadtteil Weidenpesch

Erbaut 1856 (ermittelt anhand historischer Dokumente), Fassadendekoration um 1900, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem und seitlichen Anbau, traufständig, 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, erkerartiger Vorbau in der Mittelachse. Eingang linke Achse, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, Haustür sowie alle straßenseitigen Fenster erneuert (Holz, Oberlichter der Erdgeschoßfenster z. T. geschlossen). Giebel nach Osten: Backstein, geschlämmt, zweiachsig, Öffnungen mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle Fenster erneuert (Holz). Im Innern: Vestibül: zweifarbige Bodenfliesen, Holztreppe (Treppenwangen erneuert), Podeste mit Holzdielenboden. In den Wohnräumen Holzdielenböden.

Gewölbekeller.

Seitlich anschließende Werkstatt (um 1925/30 errichtet): nach Süden verglaste Holzeinbauten, sprossengeteilt, bis auf den dreiteiligen Eingang original aus der Erbauungszeit, originale Holztür vom Wohnhaus zur Werkstatt.

Die auf dem rückwärtigen Grundstück später errichteten Gebäude sind nicht Teil des Denkmals.

Das Gebäude Sportstr. 7 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

1888 ging mit der Eingemeindung der Bürgermeisterei Longerich auch das auf mittelalterliche Ursprünge zurückreichende Pfarrkirchdorf Merheim (seit 1952 Weidenpesch) nach Köln. Der Ort war im Gegensatz zu der bereits industriell entwikkelten Nachbargemeinde Nippes in Charakter und Erscheinungsbild ländlich geprägt. Der dörfliche Rahmen wurde erst um die Jahrhundertwende, nach der Eröffnung des Nordfriedhofs 1896 und der Pferderennbahn 1898, gesprengt. Seit dieser Zeit entstanden an der Hauptverkehrsachse des Vororts, vorerst im ursprünglichen Ortszentrum westlich der Neusser Straße im Bereich der Schmiedegasse mehrstöckige Miethäuser. Ca. 1910 setzte dort der Siedlungsbau zum Kölner Wohnvorort ein. Es entstanden in einem Zuge der geschlossene Siedlungskomplex des Möbelfabrikanten Pallenberg mit Arbeiterhäusern und zugehörigen Nutzgärten und weitere städtisch geprägte Reihenmietbauten sowie am Ende der 20er Jahre Mietwohnungsblöcke der Wohnungsbaugenossenschaft Nord. Das heutige Weidenpesch ist durchsetzt von Mietbauten aus jüngster Zeit. Von bedeutenden Bauten aus älterer Vergangenheit hat sich nur wenig erhalten. Lediglich das alte Straßennetz mit einigen bescheidenen z. T. veränderten dörflichen Bauten und Wegekreuzen stammt noch aus ländlich geprägter Zeit.

Die westlich der großen Grünanlage um die Pferderennbahn gelegene Sportstraße bildet eine Querverbindung zwischen der Neusser- und der Rennbahnstraße. Das Gebäude Sportstraße 7 erscheint im Kreuzungsbereich zur Hohenfriedbergstraße als Teil der frühen, ländlich geprägten Bebauung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Gebäude ist ein Beispiel für die Erstbebauung dieses Straßenabschnittes und bildet mit anderen in der Nachbarschaft anstehenden Gebäuden aus der Zeit um 1870/80 einen noch heute beachtlichen Bestand der Erstbebauung dieses Ortsteils. Charakteristisch für die frühe Erschließung und Bebauung des unmittelbar an der Straße errichteten Gebäudes mit großzügigem rückwärtigen Grundstück ist die Zweigeschossigkeit mit ausgebautem Dachgeschoß und die geringe Höhe der Geschosse. Weitere in der Mitte und in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entstandene Gebäude in der näheren Umgebung (Neusser Straße im Bereich 596 - 628) zeigen eine annähernd gleiche Dimensionierung. Das Haus Nr. 7 zeigt eine um die Jahrhundertwende, in zeitgemäß modernen Formen erneuerte Schauseite, die vom Bedürfnis seiner Eigentümer und Bewohner zur Darstellung ihres Sozialstatus' und ihrer Repräsentationsabsichten zeugt (Schmuckformen: Einfassung der Gebäudekanten als Imitation behauener Bossenquaderung, dekorative Einfassung von Eingang und Fenstern, konsolgetragener erkerartiger Vorbau, von Löwenköpfen geziert, Stockwerk- und Traufgesims, Fenster im Obergeschoß mit bekrönenden Keilsteinreliefs in Gestalt grotesker Köpfe, Fenster der Mittelachse innerhalb einer Blendnische). Dem Anstrich der Stuckfassade entsprechend wurde die östliche Giebelwand in rotem Backstein mit einem hellen Anstrich versehen. Das Gebäude Sportstraße 7 ist als Dokument der überlieferten Bebauung und als Rest des frühen Wohnbaus mit sich anschließendem weitläufigen Grundstück zu landwirtschaftlicher Nutzung in Weidenpesch ein historisches Dokument. Die um die Jahrhundertwende erfolgte 'Modernisierung' der Schaufassade in Anlehnung an städtisch geprägte Architekturformen ist als Teil der Bau- und Sozialgeschichte von besonderem Interesse.

Heute unmittelbar eingerahmt von Neubauten aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, im weiteren Verlauf der Sportstraße umgeben von breiten und drei- bis viergeschossigen Mietwohnhäusern, dokumentiert es mit wenigen noch erhaltenen Beispielen die frühe Bebauung in Weidenpesch. Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil im Ensemblebereich der Straße und somit als Baudenkmal zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0