Wohn- u. Geschäftshaus
Ehrenstraße 71 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7625 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Ehrenstraße 71, 50672 Köln |
| Baujahr | um 1896 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 30.08.1995 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
Erbaut um 1896 (inschr. dat.), auf unregelmäßig rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Anbau, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 2 Achsen, Backsteinfassade mit Stuckgliederungen in Formen der Neorenaissance, Ziergiebel, in der linken Achse erkerartiger, leicht hervortretender Vorbau mit abschließendem Balkon (nachträglich angebrachtes Wetterdach Metall/Glas), Erdgeschoß verändert (Ladenlokal mit separatem Eingang), Haustür mit Oberlicht im Eingangsbereich rechts des Ladenlokals erneuert, Fensterformen: Obergeschosse, rechte Achse: mit korbbogigem oberen Abschluß, im Ziergiebel kleines Rundbogenfenster; linke Achse: paarweise zusammengefaßte schmale Rundbogenfenster, alle straßenseitigen Fenster mit Oberlichten z. T. original erhalten (Holz). Rückseite: Backstein, geschlämmt, Vorderhaus einachsig, Anbau viergeschossig und zweiachsig, Rücksprung zwischen Vorderhaus und Anbau, Fenster mit Oberlichten z. T. original erhalten (Holz). Im Inneren original erhalten: Vestibül: Terrazzoboden mit Bordüre, dreifarbig (schwarz/rot/gelb), reiche Stuckdecke mit konsolgetragenem Übergang zum Treppenhaus; Treppenhaus: im Erdgeschoß Terrazzoboden, Holztreppe, Antritts- und Zwischenpfosten, Stäbe und Handlauf in Holz, Podeste mit Holzdielenboden belegt, Treppenhausfenster erneuert (Holz), Wohnungseingangstüren inklusive Gewände im 1. und 2. Obergeschoß original, Oberlichte geschlossen. In den Wohnungen: Holzdielenböden, Decken abgehängt (dahinter möglicherweise Stuckdecken).
Nachträglich mit einer Metall/Glas-Konstruktion überdachter Hofbereich.
Ein eingeschossiger Anbau im Hof ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, die in der Kölner Altstadt verheerende Verluste der historischen Baukultur zur Folge hatten, wurden weite Teile der gebauten Umwelt, insbesondere die die Altstadt prägende Architektur des späten 19. Jahrhunderts aufgegeben. Den architektonischen und stadtplanerischen Vorstellungen der Nachkriegszeit entsprechend schuf man durch eine großzügige Planung ausgedehnte Freiflächen, die eine großräumige Gestaltung zur Folge hatten. Der Straßendurchbruch Nord-Süd-Fahrt mitten durch die Altstadt und seine architektonische Fassung führten weitgehend zu einer Entwertung des historisch gewachsenen Stadtgrundrisses und zu großmaßstäblich geplanter Bebauung.
Im Bereich zwischen den Verkehrsachsen Friesenwall und Apostelnstraße und im Winkel zum Hohenzollern-/Habsburgerring liegt die Ehrenstraße mit Wohn- und Mietwohnbebauung sowie gewerblicher Gebäudenutzung auf gewachsenen überkommenen kleinteiligen Parzellen mit relativ alter Bausubstanz sowie einer Vielzahl drei- bis viergeschossiger Nachkriegsneu- und Wiederaufbauten. Die Ehrenstraße im Kreuzungsbereich zwischen Kettengasse und Friesenwall gelegen, weist im Gegensatz zu dem kriegszerstörten Straßenabschnitt im Bereich um den Friesenwall/Ring mit zahlreichen Gebäudeverlusten eine noch weitgehend intakte Zeilenbebauung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf. In diesem Ensemblebereich kommt dem Gebäude Ehrenstraße 71 mit einigen weiteren Gebäuden der Entstehungszeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besondere Bedeutung zu.
Das für die Kölner Stadtarchitektur typische, rheinischer Bautradition verpflichtete schmale und hohe Gebäude mit rückwärtigem kleinen Grundstück und Anbau weist eine sehr aufwendig gestaltete, städtische Baukultur repräsentierende, dem historistischen Formenkanon verpflichtete Fassade auf. Die in unverändertem Zustand (das Erdgeschoß ausgenommen) überlieferte Schauseite prägt der achsweise Materialwechsel von Backstein und Stuck, die rechte Achse bekrönt ein reich gefaßter Ziergiebel (Schmuckformen: rechte Achse: Backstein, Rechteckeinfassung der Öffnungen durch Stuckgliederungen, Pilaster, waagrechte, profilierte Verdachungen, in den Zwickeln Blattwerk, Schlußstein, im 3. Obergeschoß Dreieckgiebelverdachung; Ziergiebel: gerahmt von Säulen mit waagrechtem Balken in Art eines Architravs, Wappenschild, volutengerahmter Aufsatz mit Rundbogenabschluß; linke Achse: paarweise zusammengefaßte Rundbogenfenster, in der Belétage mit flacher Rundbogenverdachung, Bogenfeld mit plastischem Dekor, im 2. Obergeschoß Dreieckgiebelverdachung vor der Balkonbalustrade mit Pilastern, Metallgitter).
Die aufwendige Gestaltung der zweiachsigen Fassade charakterisiert die gehobenen Wohnansprüche der Bauherren, die dem Gebäude trotz der durch die Parzellendisposition eingeschränkten Möglichkeiten eine individuelle architektonische Form gaben, die sich von der Massenbauweise des Historismus abhebt.
Das Gebäude Nr. 71 ist Teil eines zusammenhängenden Ensembles von Fassaden und Gebäuden mit historistischen und Jugendstildekorationen. Die Nachbargebäude Nrn. 69 und 71a und gegenüberliegende Wohn- und Geschäftshäuser (Nrn. 84-88) sind wie die Nr. 71 in weitgehend unverändertem Zustand überliefert. Für das Erscheinungsbild der traditionsreichen Geschäftsstraße ist das Gebäude Ehrenstraße 71 von hohem Wert. Es dokumentiert trotz mancher Verluste (Erdgeschoßfassade und Teile der Innengestaltung) überkommene städtische Lebens- und Wohnformen der historischen Altstadt Kölns und ist als zeittypisches Denkmal gebauter Architektur vom Ende des vorigen Jahrhunderts ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukultur im ausgehenden 19. Jahrhundert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0