Wasserwerk
Porzer Ringstraße 1 · Westhoven
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7670 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wasserwerk |
| Adresse | Porzer Ringstraße 1, 51149 Köln |
| Baujahr | um 1903 bis 1904 |
| Eigentum | städtisches / öffentliches Eigentum |
| Eingetragen seit | 10.11.1995 |
| Stadtteil | Westhoven |
Erbaut um 1903-04; langgestreckter Hallenbau mit Satteldach, rechtwinklig angefügter Seitentrakt mit Generatorraum und Kohlenraum mit aufgesetztem Kühlturm; in den 30er Jahren durch seitlichen Anbau zu einem geschlossenen Komplex erweitert (Obergeschosse der Anbauten in den 60er und 80er Jahren verändert); Putzbau und Backsteingliederung im Stil der Neoromantik.
Dreigeschossige, dreiachsige Giebelfront (Eingangsseite): vertikal durch Lisenen, horizontal durch Sohlbankgesims gegliedert; Eingangstür und gekoppelte Fenster (bogenförmig überfangen) durch Backsteinrahmungen gefaßt. Giebelfeld durch Rundfenster, Ortgang durch Blendarkatur betont; Metallfenster und hölzerne Eingangstür original;
Seitenfront (Süden): durch Stützpfeiler in 4 Joche gegliedert; Wandzone mit großen flachbogigen backsteingerahmten Fenstern (Oberlicht aus Metall original; Fenster rechts original außer Tür); obere Wandzone mit rundbogigem Blendfries (zwerggalerieartig).
Rückwärtige Giebelfront: durch Lisenen in 3 Zonen gegliedert; 4 große Rundbogenfenster (davon zwei in der Mitte gekoppelt) mit originalen Metallrahmen; Giebelfeld durch originales Rundfenster betont.
Seitenfront Norden: Blendfries, rundbogige Tür (erneuert) mit originalem Oberlicht.
Rückwärtig schließt seitlich leicht zurückgestuft Seitentrakt an (Backsteingliederung, backsteingefaßte Fenster); ein erhaltenes EG-Fenster original; nördliche Seitenfront des Anbaus komplett erneuert.
Seitlicher Erweiterungsbau Vorderfront Ostseite (30er Jahre; Bestandteil des Denkmals) nimmt die Formen des Ursprungsbaus auf (gekoppelte, backsteingerahmte Fenster, Backsteinlisenen); Aufstockungen des Anbaus mit Flachdach (60er/80er Jahre) nicht Bestandteil des Denkmals.
Innen original: preußische Kappen im Eingangsbereich; zum Teil erhaltener Bodenbelag (rote Fliesen); reich gestaltete, zweiarmige Treppe (über Eck angelegt) aus Metall mit hölzernen Auftritten und Holzhandlauf; Setzstufen durch geprägtes Ornament einheitlich gestaltet; Unterseite der Trittstufen mit aufgesetztem Blütenornament (Metall); Treppe wird an der Unterseite durch Zapfenreihung und Bandeisen konstruktiv abgefangen; weitgespannter Durchgang zur Pumpenhalle; offener Dachstuhl (Eisenkonstruktion und Holzverschalung); linker Hand Zugang zum Tiefkeller (z. T. originale Eisentreppen, z. T. in den 50er Jahren erneuert/erweitert) mit Pumpenanlage; vom Tiefkeller im Jahre 1955 angelegter Zugang zum 1903 gebauten, erhaltenen Kesselbrunnen (oberirdisch vor der Westfront sichtbar, durch Deckel geschlossen); in der Pumpenhalle Treppe (originale Terrazzo-Blockstufen zum Keller mit ehemaligen Generatorraum (z. T. originale preußische Kappen) mit Teilen des sogenannten Aschegangs (Zugang vermauert); Kellerbereich unter dem Eingangsbereich mit Deckenöffnung (ehem. Standort des Druckwindkessels); hallenseitig oberhalb des Zugangs Galerie (Zugang zu den Räumen im OG) mit Metallgeländer und Holzhandlauf (gestaltungsgleich mit der Hauptzugangstreppe).
Zweierlei Gründe machten die Errichtung des Wasserwerkes Westhoven erforderlich: zum einen hatte die Stadt Köln und ihre benachbarten selbständigen Gemeinden im Rechtsrheinischen eine ständig steigende Wassernachfrage zu befriedigen und zum anderen war die Wassergüte des Wasserwerkes in Mülheim, das für die rechtsrheinische Versorgung zuständig war, von schlechter Qualität.
Die Rheinische Wasserwerks-Gesellschaft entschloß sich so zur Errichtung des Wasserwerks Westhoven, das zwei große Vorteile gegenüber Mülheim hatte. Zum einen betrug der Abstand zum Rhein mehr als einen Kilometer und zu den nächsten Ortschaften rund zwei Kilometer, weshalb eine hohe Wasserqualität gewährleistet war.
Der Grund für die weiträumige Freistellung des Wasserwerks war dessen Lage im damaligen breiten Kölner Festungsgürtel, der mit Baubeschränkungen belegt war. (Zwischen 1871 - 1881 durften beispielsweise hier nur militärische Bauten errichtet werden).
Das Rayongelände, ehemals als freies Schußfeld von militärischer Bedeutung, wurde kurz nach Errichtung durch die rechtsrheinischen Eingemeindungen von 1910 und 1914 auch städtebaulich relevant. Stadtplanungs- und Stadtentwicklungsbemühungen berührten jetzt auch das rechtsrheinische Köln. Der damalige Stadtbauinspektor Alfred Stooß legte 1915 eine Grünplanung vor (Bestandteil seiner "Denkschrift zu dem generellen Bebauungsplan des rechtsrheinischen Stadtgebiets"), die den älteren Festungsgürtel miteinbezog, in dessen Bereich sich auch das o. g. Objekt befindet, unweit von Fort IX und Zwischenwerk IX a. In den 20er Jahren war es Fritz Schumacher, der diese Überlegungen fortführte und eine Grünplanung realisierte, die, wenngleich weniger stringent als im linksrheinischen Stadtgebiet, das Stadtbild im Rechtsrheinischen entscheidend mitprägte. Diese Bedeutung großzügiger Grünanlagen im Ballungsraum Köln ist heute größer denn je.
Das Wasserwerk ist Beleg einer historischen Entwicklung. Auf den ersten Blick wirkt das Gebäude wie ein Sakralbau und nicht wie eine Maschinenhalle. Dieser Gesamteindruck leitet sich aus der architektonischen Formensprache des Aussenbaus ab, der in Anlehnung an romanische Vorbilder gestaltet ist.
Dieser zeittypische Rückgriff auf historische Baustile weist daraufhin, daß sich die Industriearchitektur als autonome Bauaufgabe aus historischen Architekturformen entwickelte.
Das Herzstück des Wasserwerkes ist die große Maschinenhalle. Diese Bauaufgabe forderte eine weite, freitragende Halle. Derartige Räume kannte man vor allem aus der Sakralarchitektur. So ist aber der Rückgriff auf den Sakralbau in diesem Fall auch bautechnisch begründet.
Als anschauliches, der Funktion immer noch genügendes Beispiel historisierender Architektur ist das o. g. Objekt ein unbedingt zu erhaltendes bauliches Dokument und ein eindrucksvolles Stück Technikgeschichte.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0