Wohn- u. Geschäftshaus
Ehrenstraße 6 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7671 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Ehrenstraße 6, 50672 Köln |
| Baujahr | um 1880 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 10.11.1995 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
Erbaut um 1880, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 3 Geschosse, Dach nach Kriegszerstörung nicht aufgebaut, heute eingeschossiger Aufbau auf Teilen des Flachdachs, 3 Achsen, Backsteinfassade mit Stuckgliederungen in Formen der Renaissance, das Erdgeschoß mit Ladenlokal wurde in den 1920er/30er Jahren durch eine Verkleidung mit Wandfliesen bis in die Brüstungszone des 1. Obergeschosses aufgewertet, Eingang sowie Schaufenster und Eingang zum Ladenlokal mit geradem oberen Abschluß, Haustür mit hohem Oberlicht erneuert, Fenster der Obergeschosse mit geradem oberen Abschluß, Oberlichter der Fenster im 2. Obergeschoß geschlossen, alle straßenseitigen Fenster erneuert (im 2. Obergeschoß Kunststoffenster). Rückseite: Backstein, Vorderhaus einachsig, Seitenflügel zweiachsig, gesamter Hofbereich eingeschossig überbaut (nicht Bestandteil des Denkmals), Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff und Metall). Im Inneren original erhalten: Treppenhaus: Holztreppe, Podeste mit Holzdielenboden, Aufzugsschacht mit bleiverglasten Buntglasscheiben (vermutlich eingebaut in den 1920er/30er Jahren). Im Ladenlokal und Lagerräumen des Seitenflügels, Erdgeschoß Terrazzobodenbelag, Originalsubstanz des Inneren 1943 zerstört und später erneuert.
Gewölbekeller im Vorderhaus.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, die in der Kölner Altstadt verheerende Verluste der historischen Baukultur zur Folge hatten, wurden weite Teile der gebauten Umwelt, insbesondere die die Altstadt prägende Architektur des späten 19. Jahrhunderts aufgegeben. Den architektonischen und stadtplanerischen Vorstellungen der Nachkriegszeit entsprechend schuf man durch eine großzügige Planung ausgedehnte Freiflächen, die eine großräumige Gestaltung zur Folge hatte. Der Straßendurchbruch Nord-Süd-Fahrt mitten durch die Altstadt und seine architektonische Fassung führten weitgehend zu seiner Entwertung des historisch gewachsenen Stadtgrundrisses und zu großmaßstäblich geplanter Bebauung. Im Bereich zwischen den Verkehrsachsen Friesenwall und Apostelnstraße und im Winkel zum Hohenzollern-/Habsburgerring liegt die Ehrenstraße mit Wohn- und Mietwohnbebauung sowie gewerblicher Gebäudenutzung auf gewachsenen überkommenen kleinteiligen Parzellen mit relativ alter Bausubstanz sowie einer Vielzahl drei- bis viergeschossiger Nachkriegsneu- und Wiederaufbauten. Die Ehrenstraße im Kreuzungsbereich zwischen Albertus-/St.-Apern-/Breite- und Apostelnstraße gelegen, weist im Gegensatz zu dem stark kriegszerstörten Straßenabschnitt im Bereich um den Friesenwall/Ring mit zahlreichen Gebäudeverlusten eine noch weitgehend intakte Zeilenbebauung des späten 19. Jahrhunderts auf. In diesem Ensemblebereich des 19. Jahrhunderts kommt dem Gebäude Ehrenstr. 6 mit einigen weiteren Gebäuden der Entstehungszeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besondere Bedeutung zu. Das für die Kölner Stadtarchitektur typische, rheinischer Bautradition verpflichtete dreiachsige schmale Gebäude mit rückwärtigem Grundstück und Seitenflügel weist aufwendig gestaltete, städtische Baukultur repräsentierende Schmuckformen in Stuck an der Schaufassade auf. Sowohl die zu Dreiergruppen zusammengefaßten Öffnungen, als auch die geschoßweise variierten, im 1. Obergeschoß plastisch vortretenden Stuckdekorationen sind bei der Nr. 6, wie auch bei weiteren Nachbargebäuden in fast unverändertem Zustand überliefert. Die aufwendige Betonung der Belétage (sehr reiche Fensterverdachungen im 1. Obergeschoß), die bei der Massenbauweise des Historismus nur an herausragenden Gebäuden Anwendung fand, ist Indiz für die gehobenen Wohnansprüche der Bauherren und Mieter (Schmuckformen: profilierte Dreieckverdachungen mit Bauplastik in den Bogenfeldern, im 2. Obergeschoß flach aufgelegte Fenstereinfassungen in Stuck, gerade, profilierte Verdachungen, Trauf-/Dachansatzzone verändert). In den 1920er/30er Jahren wurde eine zeitgemäße und qualitätvolle Aufwertung der Innendekoration durch den Einbau bleiverglaster Buntglasscheiben im Treppenhausbereich realisiert. Das Gebäude Ehrenstr. 6 auf schmaler Parzelle ist ein Zeugnis für die ursprüngliche Maßstäblichkeit der Altstadtbebauung und dokumentiert trotz der gravierenden Veränderung der ursprünglichen Dachform und des Fassadenabschlusses in Gestalt eines Traufgesimses und trotz weitgehender Verluste der Innengestaltung, überkommene Lebens- und Wohnformen in der historischen Altstadt Kölns. Für das Erscheinungsbild der traditionsreichen Geschäftsstraße und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft ist das Gebäude von hoher Bedeutung. Das Wohn- und Geschäftshaus ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der wertvollen Kölner Baukultur im ausgehenden 19. Jahrhundert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0