Wohn- u. Geschäftshaus
Johannes-Müller-Straße 25 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7681 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Johannes-Müller-Straße 25, 50735 Köln |
| Baujahr | um 1921 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 27.11.1995 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut um 1921, Eckgebäude zu Am Botanischen Garten, ehemaliger Besatzungsbau im Besitz der Reichsvermögensverwaltung, äußeres Reihengebäude einer vierteiligen zweigeschossigen Gebäudegruppe, auf unregelmäßiger Grundfläche, 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach mit Fuß, 2:1 Achsen, Putzfassade mit Gliederungen in zeitgenössischen Formen, historisierende Fassadendetails, insgesamt symmetrische Fassadengliederung des auf abgewinkelter Grundfläche platzierten Gruppenbaus, zu Am Botanischen Garten giebelständig, zur Johannes-Müller-Straße traufständig, vorkragende Dachkante sowie Traufgesims in Holz.
Hauseingang (Johannes-Müller-Straße) in der Achse, Natursteintreppe, Eingang mit geradem oberen Abschluß und Rundbogenoberlicht mit dekorativer Sprossenteilung, originale Haustür, Fenster mit geradem oberen Abschluß, im Dachgeschoß annähernd quadratische Fensteröffnungen, kleine Fenster des Spitzbodens spitz übergiebelt, die Fenster des Erdgeschosses erscheinen von Gewänden, Sohlbank und Sturz in Holz gerahmt, alle straßenseitigen Fenster original mit Oberlicht und Sprossenteilung in Holz.
Rückseite: 3 Achsen, verputzt, Eingang Hochparterre mit gemauerter und verputzter Brüstung und Einschluß von rhombenförmigen Lichtöffnungen, Fenster und Tür im Erdgeschoß mit geradem oberen Abschluß, verglaste Gartentür mit Oberlicht original, gartenseitige Fenster original erhalten, kleines Fenster des Spitzbodens spitz übergiebelt. Im Inneren original erhalten: Eingangsbereich: Fliesenboden rot/weiß, Holztreppe, gerade, zweiläufig mit Richtungswechsel, mit Stäben und Handlauf, im Erdgeschoß, in einem Raum (ehemalige Küche) Bodenfliesen rot/weiß sowie z. T. originale Wandfliesen, Türen und Gewände original (im Obergeschoß erneuert), in einem straßenseitigen Wohnraum Deckenstuck, im Dachgeschoß Holzdielenböden.
Der straßenseitige (am Eckgrundstück) Ziergarten mit Einfriedung als niedrige verputzte Mauer sowie gemauerten, verputzten und scharrierten Pfeilern mit Deckplatte, das Metallgitter wurde erneuert (ehemals einheitliche Gestaltung der gesamten Baugruppe) ist Bestandteil des Denkmals.
Die mit Zufahrt zur Johannes-Müller-Straße nachträglich gebaute Garage ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende.
Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel 'Goldene Ecke' entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblökken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit des Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen.
Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen und freistehenden Wohnbauten Am Botanischen Garten an, die jeweils - wie auch bei den Nrn. 54 - 58 und Johannes-Müller-Str. 25 - als Doppelhäuser und Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden (Am Botanischen Garten 45/47, 49 a/b, 51 - 55, 59 - 63, 66/68, 70 - 74, 49). Das Wohnviertel Am Botanischen Garten weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Das im Kreuzungsbereich Johannes-Müller-Straße/Am Botanischen Garten gelegene Gebäude Nr. 25 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten der 1920er Jahre. Die Gebäude Nrn. 54 - 58/Johannes-Müller-Str. 25 wurden gleichzeitig errichtet und weisen eine gleichförmige, symmetrische Behandlung der Fassaden mit Betonung der außenstehenden Eckbauten durch spitz zulaufende hohe Giebelwände mit großflächigen Satteldächern auf. Die Gebäudegruppe erscheint als großkomponierte, lebhaft gegliederte Einheit und weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf.
Dekorative und repräsentative Formen greifen gestaltbildend ineinander. Das in den 20er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine neoklassizistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: symmetrische Gebäudegruppe, Hauseingang erscheint als Vorbau mit profilierter Deckplatte, profiliertes Rundbogenoberlicht mit dekorativer Sprossenteilung, Scharrur in abwechselnd geometrischen Formen, profilierte und gekehlte Sohlbänke, paarweise zu Dreiergruppen zusammengefaßte Fenster, Traufgesims und Dachkante in Holz). Die Dachlandschaft und die Giebelbauten, die mit den hohen Ziergiebeln der eingeschlossenen Gebäude korrespondieren, fassen die einheitlich behandelten Fassaden zusammen. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbildes ist der eingefriedete große Vorgarten. Aufgrund der ungünstigen Grundstücksdisposition der Eckparzelle und nach Errichtung der Garage verfügt das Gebäude über keinen rückwärtigen Garten.
Die im Bauverband mit den Nachbarhäusern Am Botanischen Garten 54 - 58 gestaltete Anlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustandes, des Treppenhauses, aller Fenster, der Interieurs und der Fassaden, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Johannes-Müller-Straße/Am Botanischen Garten und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des zweiten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Johannes-Müller-Str. 25 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukultur.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0