Wohnhaus

Melchiorstraße 18 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7697
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Melchiorstraße 18, 50670 Köln
Baujahrum 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 12.12.1995
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut um 1905, auf annähernd rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Vorbau, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 3 Achsen, Stuckfassade in Anlehnung an Formen der Renaissance, Stuck im 2. und 3. OG entfernt, konsolgetragener Mittelerker auf rechteckiger Grundfläche, polygonaler Abschluß im 3. Obergeschoß, Obergeschosse sowie Trauf- bzw. Dachansatzzone und Dach verändert, in den Obergeschossen rechte Achse offene Loggien, Hauseingang links mit geradem oberen Abschluß, Rundbogenverdachung, Haustür erneuert, Fenster mit geradem oberen Abschluß, im 3. Obergeschoß Rundbogenfenster, straßenseitige Fenster und Balkontüre in Holz erneuert (im 1. Obergeschoß Teile der originalen Balkontür und Fenster erhalten). Rückseite: verputzt, vierachsig, Hofzugang im Rücksprung, Hoftür erneuert, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Holz). Im Inneren original erhalten: Vestibül: Terrazzobodenbelag mit Bordure und Mittelbetonung, bis halbe Höhe mehrfarbige Jugendstilwandfliesen, Treppenhaus: Terrazzotreppe in rot, Podeste mit rotem Terrazzo, Bordure, Wohnungseingangstüren erneuert. In den Wohnungen: zum Teil Holzdielenböden.

Rückwärtiger Hof/Garten von verputzter Einfriedungsmauer umgeben.

Die von H. J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Bebauung des Erweiterungsgebiets erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen Eigelstein und den preußischen Befestigungsanlagen Straßen mit Miethäusern für Bewohner mit unteren und mittleren Wohnansprüchen entstehen. Die Melchiorstraße ist westlich der Neusser Straße zwischen Ebertplatz/Hansaring und Agneskirche im Kreuzungsbereich von Schilling-/Balthasar- und Ewaldi-/Weissenburgstraße gelegen. Das sogenannte Dreikönigsviertel mit seinem Zentrum um die Hauptfeuerwache war ehemals ein Wohnquartier für die unteren Einkommensschichten. Es wurde im wesentlichen im letzten Jahrzehnt des 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts mit bescheidenen Großmiethäusern für eine sozial differenzierte Bewohnerschaft bebaut. Charakteristisch sind einfach gestaltete Hausfassaden und im rückwärtigen Bereich Anbauten, lange Seitenflügel mit Seitenbauwohnungen sowie eine enge Hofsituation. Das Haus Melchiorstr. 18 ist integraler Bestandteil der geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels dokumentiert und bewahrt. Als Teil der ursprünglichen planmäßigen Bebauung der Melchiorstraße nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893 ist es mit weiteren Gebäuden der Straße im Bereich von Balthasar-/Schillingstraße und angrenzender Seitenstraßen um Sudermannstraße und -platz Teil des städtebaulichen Ensembles von hauptsächlich viergeschossigen und drei- bis vierachsigen Häusern mit historistischen- bzw. Jugendstilfassaden. Dem mittelständischen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude mit seiner qualitätvollen, gestalterisch aufwendigen Fassadenarchitektur mit Mittelerker (Schmuckformen: Sockel Fugenschnitt, Einfassung des Eingangs: Pilaster und Querbalken (mit Inschrift: MEIN HAUS MEINE WELT), Rundbogenverdachung, im Bogenfeld Wappenschild von Blattwerk und Lorbeerkranz gerahmt (= Präsentation (familiären) Wohlstands, dieser Dekorationstyp dient allgemein der Zurschaustellung des tatsächlichen oder beanspruchten materiellen Besitzes), Einfassung der Fenster in Art von gekehlten Kreuzstöcken, rippenverzierte Konsolen tragen den Erker, über den Erkerkonsolen Reliefplastik: Büsten in Anlehnung an Darstellungen der Steinplastik des 16. Jarhhunderts (Inschriften: links: MD 552; rechts: Wappen), EG und 1. Obergeschoß mit Rauhputz und Einschluß von Blütenknospenreliefs, 2. und 3. Obergeschoß sowie Trauf-/Dachansatzzone verändert). Aufgrund der Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz, insbesondere von Teilen der wertvollen straßenseitigen Fassade mit aufwendigem Stuckdekor in, dem bürgerlichen Spektrum zuzuordnenden Formen der Neorenaissance und Teilen das Treppenhauses ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die Häuserzeile der Melchiorstraße setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Während weitere Gebäude der Zeile und der gegenüberliegenden Front im Zweiten Weltkrieg und später zerstört wurden, in modernen Formen wieder aufgebaut wurden oder als Neubauten erstanden (Eckhaus zur Schillingstraße), ist das Gebäude Nr. 18 weitgehend erhalten. Es ist Teil der um die Jahrhundertwende entstandenen massenhaften Mietwohnbebauung, deren Dekorationsprogramm die Entwicklung von den historisierenden Epochenstilen zu zeitgemäß modernen Formen in Gestalt des Jugendstils, zeigt. Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein unverzichtbares Beispiel.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0