Küsterhaus u. Sakristei von St. Maria Lyskirchen
Am Leystapel 1 · Altstadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7715 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Küsterhaus u. Sakristei von St. Maria Lyskirchen |
| Adresse | Am Leystapel 1, 50676 Köln |
| Baujahr | 1784 bis 1785 |
| Eigentum | kirchliches Eigentum |
| Eingetragen seit | 14.12.1995 |
| Stadtteil | Altstadt/Süd |
Erbaut 1784/85, zu Ende des 19. Jahrhunderts und in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts verändert, auf unregelmäßig langgestreckter Grundfläche im Bauverband mit den Ostteilen der dreischiffigen Pfeilerbasilika St. Maria in Lyskirchen, 2 Geschosse, Walmdach mit Fuß, vorkragende Traufkante in Holz, Schieferdeckung, 8 Achsen, Backstein-/Putzfassade in schlichten barockisierenden Formen, geschlämmt, im Sockelbereich Basaltbruchsteinmauerwerk der ehemaligen Rheinmauer, Maueranker zwischen den Geschossen.
Alle straßenseitigen Öffnungen von scharrierten Natursteingewänden eingefaßt, Eingang in der zweiten Achse von Süden, gerader oberer Abschluß (Portal nach ca. 1890 nachträglich eingefügt als Rundbogenportal mit flankierenden Fenstern, zwischen 1953 und 1957 verändert), Haustür in Holz, Fenster im Erdgeschoß mit geradem oberen Abschluß, im Obergeschoß mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert in Holz, im Erdgeschoß mit Oberlicht und Sprossenteilung, im Obergeschoß Zweiflügelfenster mit Buntglas, an allen Fenstern geschmiedete Stahlgitter.
Das Küsterhaus wurde den Ostteilen der Kirche angefügt, in der Weise, daß deren Außenmauern (im unteren Bereich aus Trachyt bestehend) die westliche Gebäudebegrenzung (mit Öffnungen zu Krypta und Chorapsis) des Küsterhauses bilden.
Im Inneren original erhalten: Eingangsbereich: Natursteinbodenbelag, 7-stufige Treppe in Naturstein führt durch eine Spitzbogenstellung hinab in die Ebene der Krypta, Wände verputzt mit Einschuß von Basaltbruchsteinen, eingestellte Holztreppe, abgewinkelt, zweiläufig, Antritt, Stäbe und Handlauf in Holz.
In den Aufenthaltsräumen im Erd- und Obergeschoß und der Sakristei im Obergeschoß: Natursteinbodenplatten, Obergeschoß Holzdielenboden (z. T. erneuert) und Parkettboden, Türen und Gewände erneuert, die ehemalige Holzbalkendecke des Erdgeschosses mit Rigipsplatten verblendet.
Im Obergeschoß nach Westen hin Zugang von der Sakristei zur Kirche, der - verborgen hinter Altar und erneuertem Altarretabel - im Scheitelpunkt in die Chorapsis führt, Holztür ("Barocktür").
Speicher: Holzdielenboden, auf Fußhöhe Wandpilaster mit Kapitellplastik und Bogenansatz des Apsisrunds.
Der später angefügte (zwischen 1954 und 1957), sich in Proportion und Gliederung am Küsterhaus orientierende eingeschossige Anbau (Heizraum) nach Süden mit eigenem Walmdach mit Fuß, vorkragender Traufkante in Holz, Schieferdeckung, 2 Achsen, Backstein-/Putzfassade, geschlämmt, im Sockelbereich Natursteinplattenverblendung, ist Bestandteil des Denkmals.
Die nach Norden in Fortsetzung der straßenseitigen Fassade verlaufende Einfriedungsmauer in Backstein/Putz, geschlämmt, im Sockelbereich Basaltbruchsteinmauerwerk der ehemaligen Rheinmauer, abgeschrägte Oberkante mit Blechabdeckung, ist Bestandteil des Denkmals.
Der nach Norden zum Pfarrhaus hin gelegene eingeschossige Anbau ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, die in der Kölner Altstadt verheerende Verluste der historischen Baukultur zur Folge hatten, wurden weite Teile der gebauten Umwelt, insbesondere die die Altstadt prägende Architektur des späten 19. Jahrhunderts aufgegeben. Den architektonischen und stadtplanerischen Vorstellungen der Nachkriegszeit entsprechend schuf man durch eine großzügige Planung ausgedehnte Freiflächen, die eine z. T. großräumige Gestaltung zur Folge hatte. Der Straßendurchbruch Nord-Süd-Fahrt mitten durch das Stadtzentrum und seine architektonische Fassung führten in Teilen der Altstadt zu einer Entwertung des historisch gewachsenen Stadtgrundrisses und zu großmaßstäblich geplanter Bebauung.
St. Maria in Lyskirchen wurde erstmals 948 urkundlich erwähnt; seit 1106 liegt das Gotteshaus innerhalb des geschützten Stadtgebietes. Die heutige Baugestalt der Kirche geht auf den Neubau zu Anfang des 13. Jahrhunderts zurück. St. Maria in Lyskirchen liegt in vorderster Linie der südlichen Hälfte des rheinseitigen Kölner Stadtpanoramas auf einer leichten Erhebung unmittelbar auf dem Rheinufer zwischen den Straßen Holzwerft und An Lyskirchen, die den Filzengraben mit der Großen Witschgasse verbindet. Das heutige Straßenniveau der Rheinuferstraße liegt erheblich höher als noch im 19. Jahrhundert. Seit der Fertigstellung des Rheinauhafens 1898 - zu dem auch der der Kirche gegenüberliegende Malakoffturm von 1855 gehört - kommt die über dem Rhein aufragende Position der Kirche nicht mehr zur Geltung. Der Kirchenbau selbst liegt auf einem Niveau, das gegenüber dem römischen Niveau um ca. 3,80 m aufgeschüttet ist.
Nach der Zerstörung der unmittelbar an die Kirche anschließenden Rheinmauer und der auf dieser errichteten romanischen Sakristei mit Küsterwohnung und Schule durch Hochwasser und Eisgang im Winter 1784 wurde in der zweiten Hälfte des Jahres mit dem Neubau des Küsterhauses im direkten Anschluß an den Chor der Kirche auf den Resten der Stadtmauer begonnen. Die Fertigstellung des Neubaus datiert 1785.
Die Front des Küsterhauses markiert den Verlauf der ehemaligen Rheinmauer, auf deren Resten aus Säulenbasalt das Gebäude steht. Dem Ostbau der Kirche ist parallel zum Rhein hin das Gebäude vorgelagert. Es umschließt die untere Hälfte der Ostfassade bis in Dreiviertel der Höhe des Turmgeschosses. Das restliche Viertel wird durch das Walmdach verdeckt, dessen First in Höhe des die Geschosse trennenden Wulstes die Apsis tangiert.
Beide Bauten sind in unlösbarer Symbiose verbunden; das Küsterhaus umschließt den romanischen unteren Teil der Chorapsis, wobei die Altarnischen der östlichen Kapellenwände aus der Zeit des barocken Chorumbaus außen - innerhalb des Küsterhauses sichtbar - auf flachen Bögen über Konsolen vorkragen.
Das heute an der sechsspurigen, den Rhein von der Altstadt trennenden Hauptverkehrsachse Rheinuferstraße gelegene Küsterhaus Am Leystapel 1 ist sowohl Zeugnis für die ursprüngliche Maßstäblichkeit der Altstadtbebauung als auch in direktem Zusammenhang mit dem Kirchengebäude St. Maria in Lyskirchen mittelbarer Bestandteil der überkommenen und über die Jahrhunderte veränderten Architektur der Romanischen Kirchen Kölns. Das Gebäude des späten 18. Jahrhunderts mit zurückhaltenden barocken Gliederungs- und Schmuckformen steht darüber hinaus auch stilistisch im Zusammenhang zu den im Bauverband erscheinenden Ostteilen der Kirche, deren Außenteile 1658 - 1662 durch den barocken Chorumbau eine zeitgemäß moderne Gestaltung erfuhren. Trotz eingreifender Veränderungen der Schauseite des Küsterhauses zur Rheinuferstraße im 20. Jahrhundert und des in jüngster Zeit in gebrochener Rottönung angebrachten Farbanstrichs, der wohl heutigen Vorstellungen von romanisch-mittelalterlicher Farbgebung entspricht (im 19. Jahrhundert besaß das Küsterhaus eine Ockerfassung), und trotz des teilweisen Verlustes der Innengestaltung, dokumentiert das Bauwerk überkommene Bauformen in der historischen Altstadt Kölns. Für das Erscheinungsbild der traditionsreichen Bebauung des seit dem Mittelalter berühmten Rheinpanoramas und als gebautes Dokument der historischen Altstadt ist das Gebäude von hoher Bedeutung. Das Küsterhaus Am Leystapel 1 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der wertvollen Kölner Baukultur des späten 18. Jahrhunderts.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0