Wohn- u. Geschäftshaus
Steinbergerstraße 1 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7832 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Steinbergerstraße 1, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 28.03.1996 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1900, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Anbau.
Fassade: Souterrain, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Historismus, konsolgetragener Erker auf trapezförmiger Grundfläche in der linken Achse, Trauf-/Dachansatzzone verändert, Eingang in der rechten Achse mit hohem Oberlicht und Rundbogenabschluß, Haustür in Metall erneuert, Fensterformen: Schaufenster des Souterrains mit segmentbogigem Abschluß, Hochparterre mit Rundbogenfenstern, 1. und 2. Obergeschoß mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert, Einscheibenfenster in Metall, Oberlichte im Hochparterre geschlossen.
Rückseite: verputzt, Vorderhaus 2 Achsen, Balkone nachträglich angefügt, Fenster mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Einscheibenfenster in Metall, Oberlichte).
Im Inneren keine Originalsubstanz. Die rückwärtige Einfriedungsmauer nach Westen in Backstein ist Bestandteil des Denkmals.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Die Steinberger Straße, eine Querverbindung zwischen Neusser- und Kempener Straße gehört zu den stadtnahen Straßenzeilen des Ortsteils Nippes und verbindet den südlichen, älteren Stadtteil von Nippes mit jüngeren Ansiedlungsflächen. Sie ist Teil des in den Jahren um die Jahrhundertwende (1895-1904) erschlossenen rasterähnlichen, in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Cranach- und Wilhelmstraße und wurde bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts bebaut. Vor allem aus städtebaulichen Gründen ist das genannte Objekt schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit ebenfalls erhalten gebliebenen Nachbargebäuden eine noch weitgehend intakte Fassadenreihe (das Nachbarhaus Nr. 3 und das Eckgebäude zur Neusser Straße erscheinen als Nachkriegsneubauten) von Häusern des späten Historismus und des Jugendstils bildet und innerhalb des Ensembles unverzichtbar ist. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Steinberger Straße eine Abfolge verschiedener Stilrichtungen mit Vor- und Ausbauten sowie Ziergiebeln und Erkern. Das Gebäude Steinberger Straße 1 veranschaulicht das ursprüngliche Erscheinungsbild des drei Achsen breiten Hauses rheinischer Prägung mit rückwärtigem Hof/Garten. Die Dekoration in historistischen Formen ist im Falle des Objektes Steinberger Straße 1 in unwesentlich veränderter Form erhalten. Es zeigt an der Schauseite wertvolle Stuckdekorationen (kräftiger Horizontalfugenschnitt, Stockwerkgesimse, eingestellte Dreieckverdachung des Eingangs mit hohem Rundbogenoberlicht, Fensterverdachungen in Hochparterre und 2. Obergeschoß mit Volutenkeilsteinen, im 1. Obergeschoß reiche plastische konsolgetragene Verdachungen mit Segmentbogenaufsatz, Erker mit konsolgetragenem Gesims bzw. Pilasterstellung). Die variantenreich-ausgewogene Gliederung der großflächigen Schauseite sowie die den gehobenen Wohnkomfort unterstreichende Gartenanlage weisen auf den bürgerlichen Sozialstatus der Bewohner hin. Die weitgehende Erhaltung des Originalzustands, insbesondere des reichen Fassadendekorationssystems und der rückwärtigen Fassade deutet auf eine repräsentationsbewußte Bewohnerschaft. Die an architektonische Hoheitsformen anknüpfende Gestaltungssprache unterstreicht die Bedeutung des Gebäudes für den Ensemblebereich Nippes. Das Gebäude Steinberger Straße 1 ist ein bedeutendes Dokument der Kölner Stadtarchitektur und als Baudenkmal unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0