Wohnhaus

Am Rheinufer 4 · Sürth

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7852
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Am Rheinufer 4, 50999 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumkirchliches Eigentum
Eingetragen seit 03.05.1996
Stadtteil Sürth

Erbaut um 1900, traufständiges Haus auf quadratischem Grundriß.

Fassade: 2 Geschosse, 3 Achsen, Putzfassade mit Backsteingliederung in historistischen Formen, Polychromie durch Materialwechsel unter Einfluß des Jugendstils; Fassade durch hartgebrannte und regelmäßig geformte Klinker ausgezeichnet (an Seiten- und Rückfront ungleichförmige Feldbrände); größtenteils segmentbogig schließende Fensteröffnungen mit flach vortretenden Backsteinverdachungen und -sohlbankgesimsen (letztere z. T. durchlaufend, z. T. auf Konsolen), Fenster in Holz erneuert (zumeist Einscheibenfenster mit Oberlicht, im EG nicht dem Bogen folgend) einheitlicher Backsteinsockel, linker Gebäudeteil mit zwei Fensterachsen: Geschoß- und Traufgesimse sowie horizontale Bänder in Backstein; rechte Achse betont: leicht vortretender Risalit mit EG in Klinkerverkleidung, erstes OG und Dachbereich mit einheitlicher Klinkerrahmung über Geschoßgesims: gestaffelter Bogenabschluß auf Konsolen, breites Fenster mit korbbogigem Abschluß im ersten OG (bei Neueinbau von Fenster Dreiteilung beibehalten), im Giebel rundbogig schließendes Fenster (ohne Oberlicht), an Giebel Zieranker und aufgesetztes Kreuz; Satteldach (ausgebaut, Eindeckung erneuert).

Rückseite: Backstein (Feldbrände), leicht vortretender Sockel, segmentbogige Fensteröffnungen (Fenster in Holz erneuert, mit Oberlicht), vortretende Sohlbänke (Rollschicht), Traufgesims auf Konsolen, Hoftüre alt (Holz); am EG Toilettenerker auf dreieckigem Grundriß mit Sockel, kleinem quadratischem Fenster und gestuftem Traufgesims auf Konsolen, Dachdeckung in Schiefer.

Im Inneren: Haustüre in rechter Giebelwand mit neuem Blatt (Holz/Glas) in altem Gewände mit verglastem Oberlicht, Vestibül mit rundbogigem Durchgang zum Treppenhaus (nachträglich mit Tür und verglastem Oberlicht versehen), Holztreppe mit Holzgeländer mit gedrechselten Stäben (Treppenstufen und -podeste mit Teppich belegt), unter Treppe Tür zum Keller (Blatt erhalten, Holz), Wohnungstüren, Gewände und Klinken erhalten (kassettierte Blätter, im Dachgeschoß neue Türen und Gewände (von Ausbau), große doppelflügelige Tür zwischen den beiden straßenseitigen Räumen im EG; im ersten OG die Wand zwischen den straßenseitigen Räumen entfernt; Dielenfußböden erhalten; Decken abgehängt (darüber wohl noch Stuckdecken).

Der schmale Hof und der erhöht oberhalb einer Stützmauer mit mittlerer Treppe ansetzende Garten mit altem Baumbestand sind Bestandteil des Denkmales. Der an der Nordecke des Hauses angefügte jüngere, flache Garagenanbau ist nicht Bestandteil des Denkmales.

Der Ort Sürth findet seine erste Erwähnung bereits im 11. Jahrhundert. Vor allem kirchliche Institutionen hatten hier Besitzungen. Grundherr war das Stift St. Georg. 1285 wurde Sürth mit Weiß dem "byfang" der Brühler erzbischöflichen Burg zugeordnet und blieb bis zur französischen Herrschaft dem kurkölnischen Amt Brühl unterstellt. Erst seit 1975 gehört Sürth als Teil der Gemeinde Rodenkirchen zu Köln.

Bis zur Jahrhundertwende waren Fischfang und Landwirtschaft die Haupterwerbszweige der Bewohner von Sürth. Von den seit dem Mittelalter überlieferten Höfen sind noch einige erhalten und prägen das Ortsbild. Der historische Siedlungskern verläuft hauptsächlich entlang der Sürther Hauptstraße, Falderstraße und der Straße "Am Rheinufer". Zentrum war eine romanische Kapelle bzw. ist die 1828-1830 erbaute Kirche, die einen neuen Kern städtebaulicher Entwicklung bildete. Dank reichlich vorhandenen Baulandes in der Umgebung blieb der Ortskern auch nach der Ansiedlung von Industrie bis in die heutige Zeit in seiner Struktur erhalten.

Charakteristisch für den alten Ortskern sind die dicht gereihten, meist backsteinsichtigen, ein- und zweieinhalbgeschossigen Wohnhäuser und Kleinstgehöfte vor allem entlang der Sürther Hauptstraße aber auch entlang der Straße "Am Rheinufer". Sie stehen mit ihrer Giebelseite zum Rhein. Zumeist traufständig ausgerichtet sind hingegen die zahlreichen Ein- und Mehrfamilienhäuser der Nachkriegszeit, die aufgrund ihrer Schlicht- und Maßstäblichkeit den historischen Gesamteindruck nicht ganz zerstören. Innerhalb dieser Häuserabfolge bildet das Haus Nr. 4 einen besonderen städtebaulichen und damit auch die Uferpromenade mitbestimmenden Akzent aus. Dieser geht vor allem von dem in der Häuserreihe dominanten giebelbekrönten Risalit, aber auch von der weithin sichtbaren Farbigkeit aus. Darüber hinaus ist die Gliederung im Vergleich zu den älteren Wohnhäusern der einfachen Bevölkerung besonders aufwendig: Die besondere Bedeutung des Gebäudes als Wohnhaus des Pfarrers kommt insgesamt also deutlich zum Ausdruck. Im Vergleich mit zeitgenössischer Architektur der Kölner Innenstadt ist der Schmuckaufwand hingegen deutlich reduziert, womit ein indirekter Hinweis auf den Standort des Gebäudes gegeben ist. Vergleichbare Architektur ist in Köln allerdings im Bereich der Vororte entstanden. Die Aufnahme dieser letzlich also doch städtischen Architekturformen mag als ein Beleg für die mit der Industrialisierung um 1900 einsetzende Entwicklung Sürths über den ländlich-landwirtschaftlichen Rahmen hinaus gewertet werden.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0