Wohn- u. Geschäftshaus (Post)

Stammheimer Straße 115 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7880
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus (Post)
Adresse Stammheimer Straße 115, 50735 Köln
Baujahrum 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.05.1996
Stadtteil Riehl

Erbaut um 1910, Bauherr: kaiserliches Postamt, Reichspostamt, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Vorbau.

Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß (teilweise), Schopfwalmdach, Rauhputzfassade (Sockel verputzt und scharriert) mit sparsamen Gliederungen in Formen des Jugendstils, Fassadendekoration weitgehend entfernt, rechts Giebel mit trapezförmigem oberen Abschluß (Traufleiste in Holz), hier Mittelerker auf kreissegmentförmiger Konsole mit Bleiverdachung, Eingang (zum Postlokal) links mit geradem oberen Abschluß, Fassung der Gewände und des Sturzes durch Natursteinplatten, Eingangstür erneuert (Metall), Fenster mit geradem oberen Abschluß, im Dachgiebel fünfteiliges Fensterband, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Holz, Mittelteilung, Oberlichte).

Nordseite: einachsig, Rauhputzfassade, verputzter Sockel, Sockelgesims, vorkragende Dachkante in Holz, Holzbalkenkonstruktion, Fenster mit geradem oberen Abschluß, Fenster erneuert (Holz, Mittelteilung, Oberlichte).

Rückseite: vierachsig, Rauhputzfassade, links Eingangsrisalit mit Dreieckabschluß, Traufleiste in Holz, eigenes Satteldach, fünfstufige Eingangstreppe, originale geschmiedete Stahlgeländer beidseitig, Eingang mit geradem oberen Abschluß, Haustür erneuert, rückwärtige Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert in Holz, im Erdgeschoß z. T. kleine Einscheibenfenster, übrige Fenster mit Mittelteilung und Oberlichten.

Im Inneren original erhalten: Eingangsbereich: Terrazzoboden mit Bordüre, Podest Erdgeschoß mit zweifarbiger Mittelbetonung, Treppenhaus: Holztreppe, dekorativer Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf in Holz, Podeste und Zwischenpodest mit Holzdielenboden, 1. Obergeschoß originale Wohnungseingangstür mit sprossengeteiltem Rundbogenoberlicht, Dachgeschoß Wohnungseingangstür und Rundbogenoberlicht erneuert.

In den Wohnungen: 1. Obergeschoß: Holzdielenböden, originale Türen und Gewände, kassetiert, am straßenseitigen Wohnraum Zweiflügeltür.

Der dem historischen Gebäude nach Nordwesten und Süden vorgelagerte eingeschossige Anbau in Backstein (dessen flaches Dach an der Rückseite die Terrasse der Wohnung im Obergeschoß bildet) mit erhöhter Rampe und Metall-/Glasverdachung nach Nordwesten, ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Die an der Nordseite angrenzende Einfahrt zum rückwärtigen Hof mit beidseitig anstehenden verputzten Pfeilern und Deckplatte (zweiteiliges Metalltor erneuert) ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Der große rückwärtige Hof, gepflastert, mit Parkplätzen und Parkgarage, ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende.

Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das ehemalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand in den 20er Jahren ein vornehmes Wohnviertel mit Villenbebauung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischem Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl: seit 1874 setzte die Bebauung ein (Nrn. 120 - 130), ab 1890 wurden neben diesen schlichten Mehrfamilienhäusern am südlichen Ende der Straße aufwendig stuckierte Bauten im Stil der Neurenaissance realisiert. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich durch Gartengrün aufgelockerte aufwendige, zumeist zweigeschossige und freistehende Wohnbauten an.

Im Kreuzungsbereich zwischen Riehler Tal und Hittorfstraße bildet die Stammheimer Straße eine platzartige Straßenerweiterung (Riehler Gürtel/Pionierstraße), die heute an der linken Straßenseite durch viergeschossige Nachkriegsneubauten aus jüngster Zeit mit Ladenlokalen in den Erdgeschossen (Nrn. 103 - 113) eingefaßt ist, während die gegenüberliegende Zeile eine fast ununterbrochene Reihe von dreigeschossigen und dreiachsigen Dreifensterhäusern rheinischer Prägung des späten 19. Jahrhunderts und der Zeit um die Jahrhundertwende zeigt. Dem Charakter des Wohnumfelds mit Wohngebäuden auf schmalen Parzellen entspricht das Gebäude Stammheimer Str. 115 aufgrund seiner ausgewogen gestalteten zweiteiligen Fassadenkomposition, die rechts einen mit der gegenüberliegenden Bebauung korrespondierenden dreiachsigen Teil sowie links eine breite einteilige Eingangsachse zeigt (Schmuckformen: Putzfassade, im Obergeschoß rechts Mittelbetonung durch einen gerundeten Erker mit profilierter Erkerkonsole und dekorativem Bleidach, dreiteilige Fenster, profilierte Sohlbänke und waagerechte Fensterverdachungen).

Die sparsam durch zeitgemäß moderne Formen in Gestalt des Jugendstils dekorierte Fassade (heute zum großen Teil purifiziert) mit breitem Ziergiebel in der rechten Achse läßt bereis eine neoklassizistische Strömung, die sich dem Vorrang der Architektur unterordnet und wenige Jahre später als großstädtische Variante einen Großteil der Neubauten bestimmt, in der Fassadenbehandlung erkennen. Für die Riehler Ortsgeschichte von besonderer Bedeutung ist, daß sich das Postamt als Gebäude des Dienstleistungssektors an der umgebenden Wohnbebauung orientiert und sich dem Charakter der örtlichen Bebauung angleicht.

Aufgrund der Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz der Schauseite und der Nebenfassaden, des Eingangsbereiches und Treppenhauses sowie mit Einschränkung der Interieurs ist das Objekt Stammheimer Str. 115 für das Erscheinungsbild der Straße und der platzartigen Kreuzungserweiterung sowohl, wie als Zeugnis für die reiche Architektur im Ortsbereich Riehl ein unbedingt erhaltenswertes Dokument der Baukunst.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0