Wohnhaus
Scherfginstraße 23 · Sülz
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7958 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Scherfginstraße 23, 50937 Köln |
| Baujahr | 1899 bis 1901 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 17.09.1996 |
| Stadtteil | Sülz |
Erbaut 1899-1901; Architekt: Eduard Endler; Bauherr: Arbeiterwohnungsgenossenschaft Köln-Süd; Bestandteil einer einheitlich angelegten Reihenhausbebauung.
Fassade: 2 Geschosse , ausgebautes Dachgeschoß; 2 Achsen (Eingang links); Putzfassade mit Backsteingliederung in Anlehnung an den Heimatstil; Fassadenrhythmisierung durch Ziergiebel (rechts); Eingangstür und Fenster mit Beschlägen original.
Rückfront: 2 Achsen; rechts vorgestuft WCs (Außenwände aus witterungsbedingten Gründen nachträglich verschiefert); links daneben Balkone im EG/1.OG (reichen jeweils über die gesamte Front; Geländer und Treppe in den Garten erneuert); backsteinsichtig (weiß gestrichen); stichbogenförmige Fensteröffnungen; Hoftür (aufgearbeitet, mit neuer Verglasung), Fenster und Fenstertüren original (außer 2 Fensterflügel im OG und Fenstertür im EG).
Innen original: Treppenhaus: hölzerne Treppenanlage (Stufen, Antrittspfosten, Geländer mit Handlauf, Fußleiste); Kellertür; braun-schwarz-gemusterte Bodenfliesen im EG; Keller: Backsteinboden im vorderen, Estrich im hinteren Kellerbereich; Wohnungen: weitgehend Grundrisse; EG: 2 Zimmertüren und Küchentür mit Rahmen; Kücheneinbauschrank; OG: Türen mit Rahmen (eine Tür verkleidet aber am Ort verblieben; eine Tür nachträglich verglast); DG: Türrahmen; Dielenböden in beiden Zimmern.
Veränderungen: Verglasung der Fenster mußte wegen Kriegszerstörungen erneuert werden; straßenseitig nachträglicher Einbau von Kastenfenstern; rückwärtige Balkonerweiterungen nach links über volle Gebäudebreite (waren ursprünglich nur wenig breiter als die Fenstertüren rechts); im Kellerbereich unterhalb des EG-Balkons Schaffung eines zusätzlichen Raumes; Dacheindeckung vor etwa 10 Jahre erneuert; Türöffnungen zwischen Straßen- und Gartenzimmer nachträglich vergrößert, Türen erneuert; DG rückwärtig ausgebaut (ehemals Speicher, heute kleines Zimmer mit zusätzlichem Bad, Türen erneuert); ehemaliger Ziegenstall im Keller zu WC umgenutzt; WC-Zugang im OG verändert; Badezimmereinbau.
Bestandteil des Denkmals ist auch der rückwärtige Garten mit der noch vorhandenen Sickergrube und einem alten Fliederbaum (um 1912 gepflanzt). Nicht Bestandteil des Denkmals ist die nachträglich errichtete Doppelgarage an der Rückseite der Parzelle.
Zur Verbesserung der Wohnverhältnisse von Arbeiterfamilien wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Köln nach dem Vorbild anderer Städte Genossenschaften gegründet. Unterstützt wurden die Genossenschaften seitens der Stadt Köln durch Preisnachlässe beim Erwerb von Grundstücken sowie durch die Übernahme von Bürgschaften und Hypotheken.
Die Arbeiter-Wohnungsgenossenschaft Köln-Süd wurde 1899 gegründet und arbeitete mehrere Jahre lang mit dem Architekten des o.g. Objektes, Eduard Endler (1860 Hannover-1932 Köln), zusammen. Bis 1903 plante und baute Endler für die Genossenschaft insgesamt 61 Wohnhäuser, außer an der Scherfginstraße auch in der Schulze-Delitzsch-Straße in Raderberg. Diese Siedlungen - in Sülz bestehend aus 25 (ehem.) Zweifamilienhäusern - sind typische Beispiele für den genossenschaftlichen Arbeiterwohnungsbau in Köln.
Es handelte sich, wie auch bei dem o.g. Objekt, hauptsächlich um Zweifamilien-Reihenhäuser, die zweigeschossig ausgeführt wurden und deren Grundrisse im Wechsel spiegelsymmetisch angelegt waren. Das o. g. Objekt ist integraler Bestandteil der einheitlichen Straßenbebauung von stilistisch gleichartigen, in Einzelformen jedoch individuell gestalteten Häusern. So ist das o. g. Objekt in seiner Fassadengestaltung durch eine markante Backsteingliederung charakterisiert. Die Innenraumaufteilung war ursprünglich in beiden Geschossen gleich (1 Küche mit besonderem Spülraum, 2 Zimmer, Diele und WC), so daß die Möglichkeit bestand, eine Etage als gesonderte Wohnung zu vermieten, um die monatlichen Belastungen für den Kaufanwärter zu reduzieren.
Trotz einer in allen Häusern gleichartigen Grundrißlösung, gelingt es dem Architekten und seinen Mitarbeitern dem gesamten Straßenzug eine durch individuell gestaltete Wohnhäuser abwechslungsreiche und dennoch zusammenhängende Prägung zu geben. Für diese historisch und städtebaulich bedeutende Planung erhielt er 1902 auf der Düsseldorfer Ausstellung die Goldene Medaille für das Arbeiterwohnhaus in der Gruppe "Wohlfahrtseinrichtungen". Diese bereits frühe Würdigung der Siedlung markiert einerseits einen Höhepunkt der gestalterischen Bemühungen des Architekten Endler und seiner Mitarbeiter im preiswerten und dennoch qualitätvollen Wohnraum und andererseits die Frühphase der Kölner Siedlungsbaugeschichte als deren Bestandteil das außerordentlich gut erhaltene, in allen wesentlichen Elementen intakte Objekt unbedingt zu erhalten ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0