Wohnhaus

Gerolsteiner Straße 61 · Sülz

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8027
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Gerolsteiner Straße 61, 50937 Köln
Baujahrum 1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.01.1997
Stadtteil Sülz

Erbaut um 1912 auf querrechteckigem Grundriß;

Fassade: breitgelagertes, traufständiges Haus, 3 Geschosse, ausgebautes Satteldach mit mittlerem, hochaufragendem Giebel und seitlichen Gauben; 3 Achsen (Eingang links in mittlerer Achse); Putzfassade mit Stuckgliederungen im Stil des Neoklassizismus; Mittenbetonung durch zweigeschossigen, breit trapezförmig vorspringenden Erker mit oberem Balkonabschluß (gemauerte, verputzte Balkonbrüstung), erneuerte Haustür in reicher Stuckrahmung mit dreigeteiltem, eckigen Oberlicht. Fenster zum größten Teil erneuert (Kunststoff, entstellend), originale Fenster im 3. OG und 2 Fenster im 1. OG.

Rückfront: verputzt, Fassade im Treppenhausbereich höher gezogen mit geradem Abschluß. Dach mansardartig abgeknickt, 2x2 Balkone mit originalen Gittern (Stützen erneuert), Fenster zum Teil original.

Innen original: inkrustierter Terrazzoboden, kassettenartige Wandgliederungen im Vestibül, abgetreppte Hohlkehlen, Terrazzotreppe mit Holzgeländer, Wohnungstüren (2.OG eine Tür erneuert), Zimmertüren zum Teil erhalten.

Bestandteil des Denkmals sind auch vorderer und rückwärtiger Garten, die gemauerten Pfeiler der zeitgenössischen Vorgarteneinfriedung sind erhalten.

Ortsgeschichtlich dokumentiert das Wohnhaus die zweite Phase der Bebauung des 1888 nach Köln hin eingemeindeten Vororts, der seine Entstehung den Ziegeleien und Kiesgrubenbetrieben des 19. Jahrhunderts zu verdanken hat. In Sülz beginnt diese Entwicklung im Jahre 1845. Die zweite, für Sülz wesentliche und das heutige Erscheinungsbild der Straßen immer noch prägende Entwicklungsstufe setzt kurz nach der Jahrhundertwende ein, als die Neustadt nahezu vollendet war und entlang der wichtigen Ausfallstraßen weitere Gebiete für stadtzentrumnahes Wohnen erschlossen wurden. Die Gerolsteiner Straße ist eine relativ spät bebaute Wohnstraße, parallel zum Sülzgürtel verlaufend.

Baugeschichtlich dokumentiert das Mietsgebäude mit zeittypischer, sparsam stukkierter Putzfassade die Übergangsphase zur Neuen Sachlichkeit. Der hohe, mittlere Giebel bekrönt die als Erker hervorgehobene mittlere Gebäudeachse und wiederholt sich als Motiv bei den benachbarten Häusern. Giebel, Erker, verschiedene über die ganze Fassade verkröpfte Gesimse, rechteckige Putzflächen und die reiche Stukkierung des Türgewändes bilden die zurückhaltende Gestaltung der Fassade, die durch die Wahl dieser äußerst schlichten, eckigen Formen deutlich auf die Moderne hinweisen. Die benachbarten Häuser 59 und 63 sind trotz ähnlicher Gestaltung noch stärker dem Historismus verpflichtet. Die in großen Teilen im Inneren erhaltene originale Gestaltung von Terrazzofußboden und Treppe, hölzernem Treppengeländer, Wohnungs- und Zimmertüren und schlichtem Deckenstuck dokumentieren den Übergang von handwerklicher zu industrieller Fertigung im Wohnungsbau. Städtebaulich ist das Gebäude ein wesentlicher Bestandteil der überwiegend original erhaltenen Bebauung der beginnenden Moderne nach 1910 im Straßenbereich zwischen Münstereifeler und Berrenrather Straße, wo die Häuser in Maß, Komposition und Bauzier sowie der alternierenden Folge der Giebelbauweise ein selten einheitliches, denkmalwürdiges Straßenensemble darstellen.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0