Wohnhaus

Wilhelm-Leibl-Straße 3 · Rodenkirchen

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8042
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Wilhelm-Leibl-Straße 3, 50999 Köln
Baujahr1961 bis 1962
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.01.1997
Stadtteil Rodenkirchen

Erbaut 1961/62; Architekt: Hannsjosef Schäfer; 2 Geschosse; 3 Achsen; flachgeneigtes Satteldach; Backsteinfassaden; im EG mittig gelegene Tür und im rechten Hausteil gelegenes Fenster unter einem gemeinsamen Sturz zusammengefaßt; Fenster der linken Achse im 1. OG mit kräftigem Betonsturz akzentuiert; Rückfront tritt im rechten Bereich zurück und bildet so zum Garten hin eine Terrasse aus, die im 1. OG teilweise durch einen horizontal mit Brettern verkleideten Balkon überdacht wird; während der Terrassen- und Balkonbereich stark durchfenstert ist, ist der linke Teil der rückwärtigen Front völlig geschlossen; nordwestliche Seitenwand weist 1 Fenster im Gartenbereich und 1 Fenster im vorderen Bereich des EG sowie 3 Fenster im OG auf; an dieser Seite befindet sich auch die zurückliegende, direkt an das Haus anschließende Garage; die südöstliche Seitenwand hat 2 Fenster im vorderen Bereich des EG und 1 Fenster zentral im 1. OG; im Inneren original: Ausstattung (Treppenanlage, Türen, Beschläge) und Grundrisse original; Türen und Fenster, ebenfalls Bodenbeläge; zum Denkmal gehören der mit Platten und Pflastersteinen belegte Vorplatz sowie der rückwärtige mit Bäumen und Strauchwerk gesäumte offene Rasenraum einschließlich der backsteinernen Begrenzungsmauer zur Weißer Straße.

Die 50er Jahre - das o. g. Objekt fällt aufgrund seiner Bauauffassung und Bauzeit (1961/62) in diese allgemeinhin von 1948 bis 1964 begriffene Zeitspanne - geraten als Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und städtebauliche Erweiterungsphase als inzwischen abgeschlossene Bauepoche immer mehr in das Interesse der Allgemeinheit. Köln verfügt aus dieser Zeit über eine Anzahl von Bauten, die durch ihre hohe baukünstlerische Qualität charakterisiert sind und von den Architekten oft im Sinne eines "Gesamtkunstwerkes" durchgestaltet wurden. Dies trifft in ganz besonderem Maße für das o. g. Objekt, dem Wohnhaus des Architekten Hannsjosef Schäfer zu, der dieses Haus 1961/62 zur Eigennutzung entwarf und erbaute und bis heute noch bewohnt. Die äußere Erscheinung des Baukörpers ist zum einen durch eine auf die wesentlichen Funktionselemente Tür und Fenster beschränkte Gliederung der Backsteinfassade und zum anderen durch das flach geneigte Satteldach bestimmt, das den sachlich-eleganten Charakter des traufständigen Hauses unterstreicht. Die zurückhaltende, sich im Frontbereich auf farblich abgesetzte Betonstürze beschränkende Gestaltung markiert einerseits die Horizontale und somit die breite Lagerung des Baus, was durch das flach geneigte Dach noch betont wird, und dient andererseits der optischen Zusammenfassung des EG-Bereichs. Im rückwärtigen Bereich wird die bauliche Gesamterscheinung durch die miteinander kontrastierenden Fassadenteile erreicht. Während der linke Teil als geschlossene Wand weit in den Garten ragt, wird der rechte Teil zurückgestuft, wodurch eine Ecksituation geschaffen wird, in die sich die Terrasse bzw. der Balkon im OG einfügen. Dieser sich nach Süden öffnende Eckbereich ist großflächig durchfenstert. Die sich ausschließlich durch Tür- und Fensteröffnungen nach außen darstellenden Funktionsbereiche sind im Inneren des Hauses beidseitig einer zentralen Erschließungsachse organisiert, die als offener Raum Treppen- und Dielenbereich zusammenfaßt. Charakteristisches Merkmal dieser Mittelachse ist die von der straßenseitigen Fassade übernommene Backsteinwand, die linker Hand im Treppenbereich den Grenzraum zwischen Innen und Außen markiert. Unterstrichen wird dieser Übergangsbereich durch die großflächige Öffnung der Diele zur gartenseitigen Terrasse, durch eine verglaste Doppeltür, die gut einen Meter in das Hausinnere zurückgesetzt ist und den Außenraum so gleichsam in das Haus integriert. Der EG-Bereich gliedert sich linker Hand in Elternschlafzimmer und Kinderzimmer mit dazwischenliegendem Bad und rechter Hand in Küche, Eßzimmer und Wohnraum, der weit in den Garten ausgreift. Das OG ist nahezu identisch gegliedert, wobei die Funktionen zur Nutzung für eine weitere Familie nur leicht variiert sind, wodurch sich im OG rechter Hand eine Abfolge von Schlafzimmer, Küche und Wohnraum ergibt. Der Dielenbereich wurde als Eßecke genutzt. Linker Hand liegt das Architekturbüro von Herrn Schäfer, das sich in der Höhe bis unter die Dachhaut erstreckt und über dem gartenseitig gelegenen Zimmer im Firstbereich eine Empore bildet, die sich oberhalb des gartenseitigen Balkons als abgeschrägter Dachüberstand abbildet. Die außerordentliche gestalterische Qualität des o. g. Objektes ergibt sich somit aus einer zeittypischen Architekturauffassung, die sich auf die Bauhaus-Architektur der 20er Jahre und das sogenannte "Neue Bauen" bezieht und den Bau von Innen her entwickelt. Die Anordnung der verschiedenen Funktionsbereiche sind dabei an den wohnklimatischen Bedingungen des Standorts orientiert mit dem Bemühen um optimale Nutzbarkeit. So sind z. B. die Schlafräume im nördlichen Teil des Hauses untergebracht und nur durch kleine Fenster belichtet, wohingegen sich die Wohnräume zu der sich nach Süden orientierten Terrasse bzw. Balkon im OG öffnen, wobei der geschlossene Teil der Gartenfront einer allzu starken Erwärmung des Wohnbereichs entgegenwirkt. Der auf optimale Nutzbarkeit gerichteten Raumgestaltung entspricht deren konsequent sachliche Ausformung an der Fassade. Daraus ergibt sich für das o. g. Objekt eine bauliche Qualität, die es unbedingt zu erhalten gilt.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0