Wohnhaus
Schemmergasse 5 · Altstadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8096 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Schemmergasse 5, 50676 Köln |
| Baujahr | 1956 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 08.04.1997 |
| Stadtteil | Altstadt/Süd |
Erbaut 1956; Architekt: Hubert Molis; Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Satteldach (2 in der Substanz originale Gauben); 2 Achsen (Eingang links); Putzfassade; Kellersockel und Eingangsbereich dunkel abgesetzt; Eingangsstufen aus Kunststein; Eingangstür und Fenster in Kunststoff erneuert.
Rückfront: 1 Achse; Putzfassade; eine in der Substanz originale Gaube; Fenster (außer Kellerfenster: original mit Beschlag) und Fenstertüren in Kunststoff erneuert; Kellertür original; dem EG vorgelagerte Terrasse mit erneuertem Fliesenbelag.
Innen original: Grundrisse; Treppenanlage in Holz; Kellertreppe in Beton mit Metallgeländer; Wohnungs- und Zimmertüren (mit Beschlägen); Solnhofener Platten im Flur (EG) und Bad (OG); blaue Wandfliesen im Bad (OG); gelbliche Wandfliesen und originaler Bodenbelag im Bad (DG).
Bestandteil des Denkmals ist auch die Erdgeschoßterrasse.
Das Griechenmarktviertel ist in seiner Gesamtheit ein Dokument für den Wiederaufbau der 50er Jahre in Köln. Siedlungscharakter erhält das Baugebiet durch die der Planung zugrunde liegende Generalidee, die die ursprüngliche Sozialstruktur des Wohngebietes wiederzubeleben versucht, und die in Anordnung, Geschoßhöhe und Dachform gleichen Gebäude festlegt.
Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts zeigt das Griechenmarktviertel eine außerordentlich aufgelockerte Bebauung mit vielen Gärten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ändert sich dies jedoch rasch. 1875 lebten hier bereits ca. 16000 Menschen. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bleibt das Griechenmarktviertel ein außerordentlich dicht besiedeltes Gebiet für die untersten Einkommensschichten. 1925 hat das Viertel die größte Wohndichte in ganz Köln. Die Bevölkerung setzte sich aus 41% Arbeitern, 25% Angestellten und Beamten, 15% kleinen Gewerbetreibenden, Handwerkern, Händlern, Wirten und 19% Erwerbslosen zusammen. Knapp charakterisiert lebten im Griechenmarktviertel die sogenannten "Urkölner und Urkölnerinnen".
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Griechenmarktviertel zu 95% zerstört. 1946 lebten hier nur noch 500 Menschen und es existierten nur noch 50 Betriebe. Bei der Volkszählung 1950 wurden 165 Wohnungen registriert, von denen 25% ausgesprochene Notwohnungen waren. Von den ursprünglichen historischen Bauten des Viertels sind nur wenige erhalten und restauriert worden, so der Wasserturm (erbaut 1869-72), Haus Bachem (1590), Reste der römischen Stadtmauer (1. Jahrhundert n. Chr.; wurden erst beim Wiederaufbau freigelegt) und die romanische Cäcilienkirche, die zum Schnütgen-Museum erweitert wurde, sowie die mittelalterliche Kirche St. Peter.
Nach den Wiederaufbauplänen von Rudolf Schwarz wurde vorgeschlagen, die Innenstadt in 9 Stadtviertel zu gliedern, die jeweils etwa ein oder zwei alte "Kirchspiele" umfassen sollten. Mit dieser Planung wurde bewußt versucht, die alte Tradition der Stadtteilgliederung wiederaufzunehmen. Die Stadt sollte wieder aus "Stadt-Städten" als ihren Bausteinen errichtet werden. "Der bisherige Begriff der isolierten Großstadt wird verschwinden. An seine Stelle wird ein Gebilde treten, das wir am besten als ein Großsiedlung bezeichnen und das städtische und ländliche Teile zu einem Organismus vereinigt" (Schwarz).
Die Stadtverwaltung vertrat in der Debatte um den Wiederaufbau den Standpunkt, daß historisch bedeutende und für die Stadt charakteristische Elemente in eine Neuplanung nach modernen Gesichtspunkten integriert werden sollten. Für das Griechenmarktviertel war in diesem Zusammenhang bedeutsam, daß die Planer die soziale Zusammensetzung des Griechenmarktviertels erhalten wollten. Schwarz: "Das Griechenmarktviertel wird auch weiterhin vorab den Handwerkern zugestimmt sein." Hinzukommen sollten ein Gesundheitszentrum, ein Kulturzentrum und ein Sport- und Hallenbad.
Durch private Initiative begann man Ende des Jahres 1950 mit dem Wiederaufbau der Schemmergasse, die innerhalb des Griechenmarktviertels eine Querverbindung zwischen dem Kleinen und Großen Griechenmarkt herstellt.
Es fanden sich hier 25 Grundeigentümer bereit, ihre Grundstücke zusammenzulegen. Gestaltung und Planung der Häuser wurde dabei auf privater Basis durchgeführt. Die westliche Seite der Schemmergasse, auf der das o.g. Objekt liegt, sollte ursprünglich nicht bebaut werden. Mit dem Entschluß zur Bebauung wurde die Straßenbreite von 3,75 m auf 5 m erweitert. Prägend für die Schemmergasse ist die zweigeschossige Bebauung mit ausgebautem Satteldach. Die Fassaden der zwei- und dreiachsigen Bauten waren ursprünglich alle einheitlich verputzt.
Das Griechenmarktviertel, das baulich weitgehend unverändert geblieben ist, stellt ein charakteristisches Beispiel des Wiederaufbaus der Kölner Innenstadt dar. Die Anforderung, eine Innenstadt nach modernen Gesichtspunkten unter Wahrung des geringen historischen Bestandes des Viertels aufzubauen, ist hier realisiert worden.
In diesem Zusammenhang kommt dem o.g. Objekt, das in wesentlichen Elementen erhalten ist, als integralem Bestandteil dieser einmaligen Wiederaufbauleistung stadtteilprägende Bedeutung zu. Der Architekt des Hauses, Hubert Molis (Architekt B.D.A.), war u.a. maßgeblich an der von Stadtkonservator Hans Vogts initiierten und 1935-38 durchgeführten Altstadtsanierung beteiligt und baute nach dem Krieg einige der ersten Neubauten auf dem Altermarkt. Als unverzichtbares bauliches Dokument des städtebaulichen "Ensembles Griechenmarktviertel" ist das Gebäude unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0