Wohnhaus

Gütergasse 19 · Zündorf

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8100
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Gütergasse 19, 51143 Köln
Baujahrum 1860
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 06.06.1997
Stadtteil Zündorf

Erbaut um 1860, zweigeschossiger, unverputzter Backsteinbau auf quadratischem Grundriß (10 x 10 m); Sockel, Ecklisenen und Traufgesims aus Backstein; segmentbogige Türen und Fenster (Fenster erneuert, Schlagläden fehlen, Sohlbank mit Zementputz); Walmdach (Dachdeckung, liegende Dachfenster und 3 Kamine neu).

Straßenfassade: 4 Achsen, hoher Sockel mit 2 Kellerfenstern (originale Fensterbleche).

Seitenfassaden: im Osten 3 Achsen, mittige Haustür (obere Füllungen der Haustür verglast); im Süden 4 Achsen, seitlicher Anbau (ehemals offene Laube), Laubentür (Füllungen verglast); im Westen enger Bauwich, daher nur 1 OG-Fenster.

Im Inneren original: Keller vom Vorgängerbau mit Kieselboden (ausgebessert) und Tonnengewölbe (alter Kellerzugang zugesetzt), Kellerweiterung mit Backsteinboden, Backsteinkappendecke und Steintreppe; EG-Flur mit Terrazzoboden, in der Flurmitte im EG und OG hoher Duchgangsbogen, je Geschoß 4 Füllungstüren (Tür zum Anbau verglast), im Dachgeschoß 3 (wiederverwendete) Türen mit Türdrücker; Dielenboden (verdeckt); Holztreppe mit Pfosten und Stabgeländer.

Nebengebäude: eingeschossiger unverputzter Backsteinbau mit Pultdach, 2 Holztüren, 1 großes und 1 kleines segmentbogiges Fenster.

Garten: Grünfläche mit teilweise alter Wegführung (Weg am Haus 0,30 m tiefer gelegt, Weg und angrenzender Haussockel betoniert), Steintreppe zur Straße (oberste Stufe entfernt, Wangenmauer einbetoniert), hohe Gartenmauer aus Backstein, erhalten zur Straße, im Westen und teilweise im Süden (hier Außenseite verputzt), Eingangstür mit Rosetten.

Nicht Teil des Denkmals sind der nachträglich errichtete Schuppen und die Garage.

Wirtschafts- und siedlungsgeschichtlich geht die Bedeutung Zündorfs bereits auf das Mittelalter zurück. Entscheidenden Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung des Ortes seit dem 13. Jahrhundert hatte die Umgehung des Kölner Stapelrechts durch die Verlagerung des Warentransports zwischen Zündorf und Mülheim vom Rhein auf den Landweg. Dadurch entwickelte sich das mit einem natürlichen Hafen ausgestattete Niederzündorf zu einem wichtigen Warenumschlagsort für das Bergische Land, deren Herzöge ab dem 15. Jahrhundert hier den Rheinzoll erhoben. Bis ins 18. Jahrhundert prägte der Wohlstand der Handelsleute das Ortsbild und die Bebauung. Durch den anschließend zu verzeichnenden wirtschaftlichen Rückgang wurde in Zündorf die alte Bebauung zumeist nicht durch neuere ersetzt.

Die stark zum Rhein abfallende Gütergasse spiegelt diese wirtschaftliche Vergangenheit Zündorfs wieder. Sie verband einst die Hauptstraße mit dem Hafen und diente somit vorrangig dem Gütertransport. Hier steht eines der ältesten Fachwerkhäuser Zündorfs und das große Wohnhaus Pelletier (Gütergasse 3 und 5). Ein östlich angrenzendes Fachwerkhaus ließ ein Mitglied der Brauerfamilie Immendorf Ende des 19. Jahrhunderts bis auf den Keller abreißen und durch das heutige Haus Gütergasse 1 ersetzen. Der freistehende kubische Baukörper mit Walmdach hat im Kölner Raum nur wenige Parallelen. Die im Barock und Klassizismus beliebte Bauform (z. B. Weißhaus, Luxemburgerstr. 201 und Turmgasse 2 in Widdersdorf) wird in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrfach für die Herrenhäuser großer Höfe verwandt (Neu-Engelsdorfer Hof, Brühler Str. in Meschenich, Dohmenhof, Godorfer Haupstr. in Godorf und Olefshof, Hauptstr. 63 in Zündorf). Der Vergleich mit dem wesentlich größeren Herrenhaus des Olefshofes (3 Geschosse, 5 Achsen, Mittelpunkt einer umschließenden Hofanlage) zeigt zwar auch charakteristische Unterschiede, doch die Orientierung des Bauherrn an den Bauten der dörflichen Oberschicht ist unverkennbar und von großer sozialhistorischer Aussagekraft.

Die Fassadengestaltung steht mit ihrer strengen Axialität und den zurückhaltenden Gliederungselementen in der Tradition klassizistischer Architektur. Besonders die Straßenfassade zeigt ein ruhiges ausgewogenes Gesamtbild, indem die senkrechten Achsen durch Sockel und Gesims in waagerechte Flächen eingebunden werden. Die neoklassizistischen Ecklisenen sind ungewöhnlich für Zündorfer Bauten, dagegen entspricht die Verwendung von Feldbrandbacksteinen und die Form des Traufgesims der dörflichen Bautradition. Das o. g. Objekt samt Garten und dessen Einfassung stellt damit eine wesentliche Bereicherung des historischen Straßenbildes dar. Aus den o. g. Gründen ist das Objekt unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0