Wohnhaus

Thürmchenswall 49 · Altstadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8189
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Thürmchenswall 49, 50668 Köln
Baujahrum 1897
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 16.10.1997
Stadtteil Altstadt/Nord

Erbaut um 1897, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.

Fassade: Souterrain, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach (nachträglich aufgesetzte Schleppgaube), 4 Achsen, Stuckfassade in Formen der Neorenaissance (Erdgeschoß verändert: Wandfliesenverblendung), in den Obergeschossen leicht vorkragende Mittelpartie, Eingang rechts, hohe Eingangsnische, gerader oberer Abschluß, Oberlicht mit zwei Rundbogenfenstern von Pilasterstellung gerahmt, Haustür mit Oberlicht erneuert (Holz), links Tor mit Zweiflügeltür in Holz (erneuert), Fenster: im Hochparterre mit Rundbogenabschluß, in den anderen Geschossen mit geradem oberen Abschluß, Souterrainfenster original mit Mittelteilung und Oberlicht, Fenster des Hochparterre in Holz erneuert (Einscheibenfenster mit Oberlicht), Fenster der Obergeschosse in Teilen erneuert (Einscheibenfenster mit Oberlicht).

Rückseite: Backstein, Traufgesims, Rücksprung, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel vierachsig, Öffnungen mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, Kellertür in Holz original, Fenster des Vorderhauses z. T. erneuert (Holz), Fenster des Seitenflügels original (Mittelteilung, Oberlicht, Sprossenteilung), Treppenhausfenster original (Mittelteilung, Oberlicht, Sprossenteilung).

Im Inneren: Vestibül: mehrfarbiger Terrazzobodenbelag mit Mosaik und Mittelbetonung, bis zu halber Höhe Wandstuck mit Fugenschnitt, Treppe zum Hochparterre mit PVC-Belag, Handläufe in Holz beidseitig in der Wand verankert, Treppenhaus: im Erdgeschoß Terrazzoboden mit Bordüre, Terrazzotreppe, wertvoll gestalteter Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf in Holz, Podeste mit Terrazzo belegt, Decke im Erdgeschoß abgehängt, Wohnungseingangstüren (paarweise zusammengefaßt) mit Oberlicht original erhalten.

In den Wohnungen: Holzdielenböden, Türen und Gewände zum großen Teil original.

Die rückwärtig nach Westen gelegene Einfriedungsmauer in Backstein ist Bestandteil des Denkmals.

Die von Joseph Stübben geplante Kölner Neustadt gibt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand im Norden der Neustadt (ehemaliges Rayon-Gelände) zwischen Riehler- und Neusser Straße das sogenannte "Gerichtsviertel" um den Palast des Oberlandesgerichtes, ein mittleren und gehobenen Ansprüchen genügendes Wohnviertel. Daran angrenzend erstreckt sich im Bereich der großen Grünanlage nordöstlich des Ebertplatzes das ehemalige Villenviertel am nördlichen Rheinufer. Der sich nach Süden anschließende, an der markanten Grenze zwischen nördlicher Alt- und Neustadt in Richtung zur Kölner Altstadt verlaufende Abschnitt im Bereich Konrad-Adenauer-Ufer/Thürmchenswall/Niederich-/Dagobertstraße weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Der Thürmchenswall als Ost-West-Verbindung zwischen Turiner Straße und Konrad-Adenauer-Ufer wurde im wesentlichen in den Jahren um die Jahrhundertwende bebaut. In diesem Bereich entstanden für eine mittelständische Bewohnerschaft errichtete vier- bis viereinhalbgeschossige Wohn- und Mietwohngebäude auf breiten Parzellen mit Anbauten und Seitenflügeln mit Seitenbauwohnungen im rückwärtigen Bereich, sowie einer engen Hofsituation. Das Gebäude Thürmchenswall 49 ist Bestandteil der geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels dokumentiert und bewahrt. Die weitgehend gleichförmigen Schauseiten mit Stuckdekorationen, die keine Vorbauten in Gestalt von Erkern, Risaliten und Ziergiebeln zeigen, geben der Bebauung ihr charakteristisches Gepräge. Als Teil der ursprünglichen planmäßigen Bebauung der Straße ist das Gebäude mit weiteren in der Nachbarschaft anstehenden Objekten und angrenzender Seitenstraßen Teil des städtebaulichen Ensembles von hauptsächlich vier- bis viereinhalbgeschossigen und drei- bis vierachsigen Häusern mit historistischen bzw. Jugendstilfassaden. Dem mittelständischen Charakter des Wohnumfelds entspricht die aufwendige Fassadenarchitektur mit plastisch vorkragenden Fensterverdachungen (Schmuckformen: Horizontalfugenschnitt, in den Obergeschossen vorkragende Mittelpartie, gekröpft, Eingang mit Pilastergliederung und Dreieckverdachung, im Hochparterre Keilsteine in Form von Löwenhäuptern, im 1. Obergeschoß konsolgetragene Verdachungen, Rundbogen- und Dreieckabschluß im 2. Obergeschoß konsolgetragene waagrechte Verdachungen, profilierte Geschoßgesimse, konsolgetragenes Traufgesims (verändert)).

Aufgrund der Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade (ausgenommen die Fassade des Souterraingeschosses) mit aufwendigem Stuckdekor und der backsteinsichtigen Rückfassaden sowie großer Teile der Interieurs ist das Gebäude für das Erscheinungsbild des Bereiches der Altstadt und Neustadt/Nord und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die bauliche und gestalterische Einheit mit benachbarten (Nrn. 51 und 53, Backstein- und Stuckfassaden) und gegenüberliegenden Häusern (Nrn. 62 und 64 mit reichem Fassadenschmuck in Stuck) setzt sich aus aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Während angrenzende Gebäude und weitere der gegenüberliegenden Häuserzeile im Zweiten Weltkrieg und später zerstört wurden, in modernen Formen wieder aufgebaut (Nrn. 47 und 60) wurden oder als Neubauten erstanden, ist die äußere Gestalt des Gebäudes Nr. 49 weitgehend erhalten. Es ist Teil der um die Jahrhundertwende entstandenen massenhaften Mietwohnbebauung, deren Dekorationsprogramm die Entwicklung von den historisierenden Epochenstilen zu zeitgemäß modernen Formen in Gestalt des Jugendstils, zeigt.

Das Objekt Thürmchenswall 49 ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Kölner Stadtarchitektur des späten 19. Jahrhunderts ein unverzichtbares Denkmal.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0