Wohnhaus
Viersener Straße 7 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8290 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Viersener Straße 7, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1906 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 20.04.1998 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1906, traufständiges, 3-geschossiges Haus mit ausgebautem Dachgeschoß und Satteldach auf annähernd quadratischem Grundriß, kleiner rückseitiger, dreigeschossiger Anbau. Stuckfassade mit Backsteinflächen und Stuckgliederungen, Fenster unterschiedlich erneuert (Kunststoff, falsche Teilungen).
Fassade: 3 Achsen, mittlere Achse durch Erker im 1. und 2. OG betont. Sockel und EG mit unterschiedlichem Fugenschnitt, rechts Hauseingang mit einfacher neuer Haustür. Verkröpftes Geschoßgesims zum 1. OG, im 1. und 2. OG rote Backsteinflächen und florale sowie geometrische Stuckornamentik. Im Dachbereich links originale Gaube (Schieferverkleidung neu) mit geschwungenem oberem Abschluß.
Rückseite: verputzt, 3 Achsen, linke Brandmauer mit unverputztem Backstein. Im 1. OG Holzfenster erhalten; 2 Gauben im Dach, im oberen Spitzboden 2 Dachflächenfenster.
Innen original: im Vestibül Terrakotta-Bodenfliesen mit eingeprägten Ornamenten und buntgemusterten, rahmenden Fliesen, links Wandfliesen mit Abschlußkante, rechts nur Abschlußkante in Brüstungshöhe erhalten; Stuckrahmen an Wand und Decke. Terrazzotreppe mit schmiedeeisernem Geländer und Holzhandlauf, Bodenfliesen auf den Treppenpodesten. Wohnungstüren: im EG alte Laibung mit neuer Tür, im 1. OG eine original Tür, im 2. OG Tür erneuert, im DG zwei alte Türen: schlichte Dachbodentür und aufwendigere Wohnungstür mit Glasfüllung. In den Wohnungen Dielenböden und in je einem Zimmer Deckenstuck.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde aus dem 1888 nach Köln eingemeindeten ehemaligen Bauerndorf Nippes ein bedeutender Industriestandort mit rasch anwachsender Arbeiterbevölkerung. Noch heute prägen diesen Stadtteil im wesentlichen die vor der und um die Jahrhundertwende errichteten zwei- bis dreigeschossigen, meist dreiachsigen Häuser mit sparsamen Stuckfassaden und die etwas größeren, reicher stuckierten Bauten aus den ersten beiden Jahrzehnten unseres Jahrhunderts. Der westliche Bereich von Nippes wurde seit 1859/60 durch die Rheinische Eisenbahngesellschaft geprägt, die dort ihre zentrale Eisenbahnwerkstätte einrichtete und den Bereich westlich der Merheimer Str. mit Arbeiterhäusern bebaute.
Der Bereich zwischen Kempener- und Neusser Straße wurde seit der Jahrhundertwende bebaut: seit 1898/99 wurde der Wilhelmsplatz angelegt, in diesen Jahren wurde die Wilhelmstraße über die Neusser Straße nach Westen bis zur Merheimer Straße verlängert, um 1900 wurde auf der ehemaligen Bahntrasse nach Neuss die Kempener Straße als große Allee angelegt. Die Viersener Straße erscheint im Adressbuch von 1904 als "im Bau" begriffen. Das hier beschriebene Objekt gehört zu den ersten Bauten dieser neuen Straße, die ebenfalls erhaltene Erstbebauung der gegenüberliegenden Straßenseite entstand erst in den 10er Jahren.
Somit ist das Haus Viersener Str. 7 bedeutendes Element des Ensembles der gründerzeitlichen Bebauung von Nippes. Es dokumentiert gemeinsam mit den ebenfalls denkmalwerten gegenüberliegenden Häusern Nr. 2 und 4 die Zeitspanne der intensiven Bebauung dieses Stadtteils. Die städtebauliche Bedeutung des Objektes ergibt sich verstärkt durch seine Lage in der kurzen Verbindungsstraße zwischen Neusser Straße und Wilhelmplatz. Die aufwendige Stuckfassade mit dem Erker bezeugt den gehobeneren Anspruch des Bauherren. Das Objekt ist als bedeutendes Zeugnis der Geschichte der Kölner Vororte unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0