Wohnhaus

Schwerinstraße 7 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8326
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Schwerinstraße 7, 50733 Köln
Baujahrum 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 27.05.1998
Stadtteil Nippes

Errichtet um 1905. L-förmiger Grundriß, 3 1/2 Geschosse, 3 Achsen, traufständig, Mansarddach.

Fassade: mittlere Achse betont durch Risalit mit bekrönendem Ziergiebel, linke Achse breiter als die rechte; links originale, hölzerne Haustür; große Fensterformate mit geradem Sturz, im EG Rund- und Korbbogen; originale Holzfenster, Erkerfenster des EG mit geschwungenem Kämpfer; reiche Stuckgliederungen im Stil des geometrischen Jugendstils, der Ziergiebel als geschweifter Giebel gestaltet.

Rückseite: backsteinsichtig, Fenster teilweise erneuert (Kunststoff), breite Balkone am Hinterhaus (in schlechtem Zustand), originale Hoftür.

Im Inneren original erhalten: im Vestibül Stuckrahmungen, Durchgangsbogen mit Stuck; Terrazzotreppe mit Holzgeländer und hölzernem Antrittspfosten, auf den Treppenpodesten Terrazzofliesen mit neogotischen Ornamenten. Alle Wohnungstüren erneuert, Zimmertüren teilweise erneuert (verkleinert), die straßenseitigen Zimmer des Vorderhauses teilweise mit reichen Stuckdecken und Parkett, im südlichen Zimmer der 2. OGWohnung großer, grüner Kachelofen in einer Ecke.

Zum Denkmal zugehörig ist auch der rückwärtige Garten und der kleine Vorgarten mit originaler Einfriedung (verputzte Pfeiler mit Eisengitter).

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes zu einem bedeutenden Industrieort, der als Bestandteil der Bürgermeisterei Longerich 1888 nach Köln eingemeindet wurde. Nachdem rapides Bevölkerungswachstum zu großer Wohnungsnot geführt hatte, erlebte Nippes seit etwa 1895 einen regelrechten Bauboom.

Erstmals wurden nun auch Gebiete nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. So entstand in der kurzen Zeit von 1900 bis 1905 zwischen Flora- und Nordstraße ein (überall nach Helden oder Schlachtorten der "Befreiungskriege" benanntes) Netz gänzlich neuer Straßen um das Zentrum der 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffenen großen rechteckigen Grünanlage Leipziger Platz. Die drei- oder viergeschossigen Privathäuser des neuen Viertels entsprachen mit ihren abwechslungsreich gestalteten repräsentativen Fassaden dem um die Jahrhundertwende sich vollziehenden Wandel des Industrieortes Nippes zum bürgerlichen Wohnort. Gegenüber der Einmündung der 1903 erstmals erwähnten Schwerinstraße in die Gneisenaustraße liegt die katholische Pfarrkirche St. Bonifatius (1913), der dominierende Sakralbau des Viertels. Der südliche Abschnitt der Schwerinstraße zeichnet sich durch eine bis heute gut erhaltene einheitliche Anlage mit kleinen Vorgärten aus, die Fassadenreihe der westlichen Straßenseite wurde durch jeweils mittig angeordnete Risalite bzw. Erker bewegt gestaltet.

Die aufwendige Gestaltung der Vorderhauswohnungen mit reich ausgestalteten straßenseitigen Zimmern (Deckenstuck, Parkettboden, große Durchgangstüren, trennender Sturz zum Erker; reichgegliederte, große Fenster) sowie die äußere Hausgestaltung durch Vorgärten, anspruchsvolle Fassadengestaltung und die spätere Errichtung der Bonifatiuskirche im Fluchtpunkt der Straße legen noch heute Zeugnis für den gehobenen Anspruch der Planung und der sich ansiedelnden Bauherren ab.

Im Umfeld des hier behandelten Objektes ist im südlichen Bereich der Schwerinstraße auf beiden Straßenseiten ein umfangreiches Ensemble der Erstbebauung erhalten, innerhalb dessen das hier behandelte Haus Nr. 7 ein unverzichtbares Baudenkmal darstellt.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0