Pfarrkirche Christ König

Altonaer Straße 61 · Longerich

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8387
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungPfarrkirche Christ König
Adresse Altonaer Straße 61, 50737 Köln
Baujahr1951 bis 1952
Eigentumstädtisches / öffentliches Eigentum
Eingetragen seit 18.02.1999
Stadtteil Longerich

Erbaut: 1951-1952, Planungen seit 1950Architekt: Fritz SchallerGeostete, dreischiffige Hallenkirche. Grundriß aus rechteckiger Hauptform entwickelt, das Mittelschiff an der Westfassade und im Chorbereich verlängert, apsidialer Chorschluß. Unverputzter Backsteinbau (Mauerwerk im Kreuzverband) auf Kunststeinsockel, . Großes, den Baukörper zusammenfassendes einhüftiges Satteldach, über den seitlichen Annexbauten abgeschleppt, Eindeckung bis auf die schiefergedeckte Apsis Falzziegel. Turm in Art eines Campanile, schlanker, nach oben sich verjüngender Kubus mit zurückspringendem Glockengeschoß und flachem, auskragendem Zeltdach (Schieferdeckung), durch einen eingeschossigen Verbindungstrakt unter Satteldach mit dem Kirchenbau verbunden.

Hauptzugang von Norden bzw. Nordwesten, daher keine Ausbildung einer primären Schaufront. Hofartig aufgefaßter Vorplatz im Norden mit der aus verschiedenen Körpern zusammengefügten Sakralbaugruppe, dominant dabei der Hauptraum mit seinem hier tief heruntergezogenen, prägenden Dach und der an der Nordostseite vorgelagerte Turm, ergänzt durch den niedrigen Verbindungstrakt, den kleinen nordwestlichen Eingangsbau und den östlichen Turmaufgang.

Großer asymmetrischer Hallenraum, offene Sparrendachkonstruktion mit aufliegenden Pfetten, durch zwei Reihen dreieckiger Holzbinderrahmen auf kurzen Betonpfeilern abgestützt und in ein Mittelschiff und zwei ungleich breite Seitenschiffe geteilt. Wandflächen backsteinsichtig (Kreuzverband, z.T. Binderverband und Rollschichten), rahmende Konstruktionen in Beton (Stürze, Wandskelett). Annexräume der Südseite als offene Fortsetzung bzw. Erweiterung des Hauptraumes (Taufkapelle, südlicher "Querhausarm"), an der Nordseite (Seiteneingang, "Sängerraum") vom Hauptraum abgesetzt. Dominierende backsteinsichtige Innenfassaden als Abschluß der Hauptraumrichtungen (Chor, Westwand). Belichtung durch ein großes, rundbogiges Westfenster, drei, in flache Wandnischen eingebettete Rundfenster an der Südseite sowie - indirekt - über die Annexräume.

Außenbau

Ostfassade: dreigeteilte, asymmetrische, geschlossene Front, Mittelachse mit Apsis aus der Flucht der Seitenschiffsmauern hervortretend, an der Apsis Betonabschlußgesims.

Westfassade: dreigeteilte, symmetrische Front, Mittelachse mit Portal und Westfenster, analog der Ostfassade aus der Flucht der Seitenmauern hervortretend. Eingang und Westfenster durch Strebevorlagen flankiert, diese mit Kunststeinabdeckungen als einfachem Wasserschlag. Kleiner Vorbau unter pfannengedecktem Pultdach als Windfang des Westeingangs (nachträglich angefügt), Eingangsportal: zweiflügelige Holztür, Sturz Kunststein, Gewände Trachyt. Westfenster mit Rundbogen (Rollschicht), Kämpfer in Kunststein.

Südwand: Dreigeteilte Fassade, seitliche Annexbauten (Taufkapelle, südlicher "Querhausarm") unter abgeschlepptem Satteldach, entsprechend zurückliegender Mittelabschnitt mit drei großen Rundfenstern, Rollschicht als Archivolte, untere Einfassung durch vorspringende, oberseitig verblechte Profilziegel. Taufkapelle (südwestlicher Annex) mit großflächig geöffneter Ostwand als Fensterarchitektur (Backsteingitterwerk, Kunststeinsturz, gestaffeltes Oberlicht mit schmalen Backsteinpfeilern. Südöstlicher Annexbau (südlicher "Querhausarm") nach Süden vollständig geöffnet, Aufteilung in fünf schlanke Fensterbahnen, durch Backsteinstürze je dreimal unterteilt, das unterste Feld jeweils in Backsteingitterwerk.

Nordwand: niedriger, ungegliederter und öffnungsloser Wandstreifen. Nordwestlicher Annex: Portalvorbau mit flachem Satteldach (Blechdach), Portalgewände mit Trachyt, Schlußstein mit thronendem Christ-König (nachträglich eingefügt), zweiflügelige Holztür, Türzieher mit Szenen aus dem Leben Christi.

Turm: hoher, leicht nach oben sich verjüngender Kubus in ungegliedertem Backsteinsichtmauerwerk, Glockengeschoß gekehlte Betonrahmen mit Schallarkaden in Backsteingitterwerk. Kleiner, eingeschnittener Eingang von Westen (Sakristeieingang), einflügelige Holztür, darüber ein kleines Rechteckfenster mit Rollschichtbank. Hauptzugang zum Turm von Osten im ersten Turmgeschoß (Zugang zum Jugendheim), einläufige Treppe (Beton) unter Pultdach, in Verlängerung dieses Zugangs an der Nordwand große Rundbogenöffnung (eisernes Rundbogenfenster), analog einer Außenkanzel; bis zum Terrain in Backsteingitterwerk verlängert.

Zwischentrakt: Asymmetrisch geteilte, große Öffnung in Backsteingitterwerk in der südlichen Hälfte der Westwand (Öffnung des Sängerraums), in der nördlichen Wandhälfte drei nachträglich eingeschnittene kleine Rechteckfenster. Ostwand ungegliedert, ausgebautes Dach mit Schleppgaube.

Im InnernWände backsteinsichtig, z.T. mit sichtbaren Betonelementen, Binderkonstruktion und Sparrenwerk holzsichtig mit monochromer, lasierender Fassung, Dachuntersicht zwischen den Sparren mit Heraklitplatten verkleidet (im Wechsel grün und beige gestrichen), Fußboden: Steinfußboden und Asphaltplatten unter den Bankreihen. Orgelempore vor der Westwand 1961 eingebaut (F. Schaller): Beton, Kunststeinwendeltreppe mit Eisengeländer und Gittertür.

Altarraum: in Art eines Bema, mehrstufiges Altarpodest, zum Gemeinderaum durch Kommunionbänke abgeschrankt.

Sängerraum: Nebenraum im Anschluß an das nördliche Seitenschiff, flache Decke, Fenster: Eisen mit Strukturglas.

Taufkapelle: gegenüber dem Gemeinderaum um zwei Stufen abgesenkter Fußboden (Ziegel, Steinplatten), vorspringender Sockel mit Rollschichtabdeckung, Ostfenster weiß verglast.

Sakristei: Vorraum: Eisenfenster mit Strukturglas. Raumaufteilung verändert (Fensteröffnungen, Durchgänge)

Vorhalle Westportal: rechteckiger Raum, Eingangstür aus Holz, Zugang zum Kircheninnern durch Windfangtüren aus Holz mit Beschlägen aus Aluminium und schwarzem Kunststoff.

Vorhalle Nordeingang: rechteckiger Raum, Dachauntersicht verschalt (Holz), Eingangstür aus Holz, Zugang zum Kircheninnern durch Windfangtüren aus Holz mit Beschlägen aus Aluminium und schwarzem Kunststoff.

ehem. Jugendzimmer über der Sakristei: Eingangstür, Innenausbau und Fenster erneuert.

Historische Ausstattung

Glasfenster

Westwand: Christ-König-Fenster, 1951/52

Südl Seitenschiff: 3 Rosen mit Ornamentverglasung, 1951/52

südl. Querhausarm: 5 Bahnen Ornamentverglasung, 1951/52 (Entwurf: R. Rexhausen, Ausführung: H. Derix, Schliff: P. Winnen, Köln)

Altäre

Chor: Hochaltar (F. Schaller), 1951/52

Geläut

4 Glocken, 1950er Jahre, Turm

Skulptur

Kruzifix Christ-König, 1951/52 (H. Domizlaff), Chor

Relief mit Hl. Joseph, 1950er Jahre, Sängerraum

Weitere Ausstattung

Kanzel, 1951/52 (F. Schaller), Chor

Taufstein mit Deckel, 1951/52 (E. Hillebrand), Taufkapelle

Tabernakel, 1950er Jahre, Chor

2 Weihwasserbecken, 1950er Jahre, Westwand

2 Weihwasserbecken, 1950er Jahre, Nordeingang

17 Sedilien, 1950er Jahre, Chor

10 Wandleuchter, 1950er Jahre, Chor, Seitenschiffe

2 Beichtstühle, 1950/60er Jahre, südl. Seitenschiff, Sängerraum

55 Bänke, 1950er Jahre, Sängerraum, Langhaus

Pult, 1950er Jahre, Chor

2 Wandbehänge mit je 7 Kreuzwegstationen, 1950er Jahre, innere Westwand

Wandbehang, 20. Jh., Taufkapelle

Bestandteil des Denkmals sind auch die übrigen, im Besitz der Kirchengemeinde befindlichen liturgischen Geräte, Reliquiare, Gemälde, Skulpturen, Grabmäler und historischen Ausstattungsstücke für die auf das Karteikarteninventar beim Stadtkonservator verwiesen wird.

Die Kirche Christ-König ist ein Baudenkmal im Sinne von §2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Die o.g. historischen Ausstattungsstücke sind Teil des Baudenkmals im Sinne von §2 Abs. 2 des DSchG NW. Sie bilden mit dem Baudenkmal eine Einheit von Denkmalwert.

Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Der Kirchenbau der inzwischen abgeschlossenen Epoche der 1950er Jahre gehört zu den wichtigen Sakralbauepochen der europäischen Architekturgeschichte. Durch die enormen Zerstörungen in den Innenstädten und der Bevölkerungsentwicklung nimmt der Siedlungsbau und damit einhergehend der Kirchenbau dieser Zeit gleichfalls quantitativ einen großen Raum innerhalb der Kölner Architektur ein.

Der Neubau der Christ-König-Kirche in Longerich nach Plänen von Fritz Schaller, der den Beginn des Weiterbaues der sog. Gartenstadt-Nord setzt, gibt dafür deutliches Zeugnis.

Die Gartenstadt Nord war in den 1950er Jahren das Entwicklungsgebiet des Stadtteils Longerich, der seit den 1920er Jahren zu einem Wohnvorort der Stadt Köln geworden war. Bereits in den 1930er Jahren ist es zu ersten Ansiedlungen am Militärring gekommen. In der Nachfolge des Baus der Kirche und der Raffinerie an der Neusser Straße wurden ab 1957 ca. 1.000 Wohneinheiten, vornehmlich in Einfamilienhäusern, gebaut.

Der Architekt Fritz Schaller gehört seit den 1950er Jahren zu den wichtigsten Kirchenbauarchitekten im Rheinland. Am 29. Mai 1904 geboren, folgte er 1948 einem Ruf von Rudolf Schwarz nach Köln. Neben Entwürfen für große öffentliche Bauten und Wiederaufbauplanungen begann er sich intensiv dem Kirchenbau zu widmen. Die Kirche Christ-König in Köln-Longerich gehört zu seinen ersten Kirchenbauten. Der Entwurf war bereits für seine erste Kirche in Hessisch-Oldendorf angefertigt worden, konnte dort jedoch nicht realisiert werden. Er kam in Köln nun 1951/52 zur Ausführung.

Schaller bevorzugt in seiner Sakralarchitektur Bauformen und Materialien, die in einem traditionellen, landschaftsgebundenen Bauschaffen gegründet sind. Das Backsteinmauerwerk im Kreuzverband und das Backsteingitterwerk aus auf Lücke gesetzten Backsteinen, die in ihrem Ornament Kreuzformen variieren, zeugen noch von traditionellen Handwerkstechniken in einer fast expressionistischen Anwendung. Typisch für diese Zeit und Schallers Architektur ist auch das sichtbare Betonskellett der Seitenschiffwände und im Turm.

Die Kirche Christ-König besitzt eine für den Archtitekten gleichfalls charakteristische Raumlösung. Bei ihm soll die Außenhaut mit der inneren Raumbegrenzung möglichst übereinstimmen. Die offenen Dachräume werden so untrennbarer Teil des Innenraums. Nicht der strenge Einraum mit wenig Schmuck war das Ziel, sondern ein Raumgefüge, das von der Ineinanderschachtelung mehrerer Räume mit klaren Funktionszuweisungen lebt. Der Raum zeichnet sich aus durch eine nicht leicht durchschaubare Konstruktion, eine ungewöhnliche Pfeilerstellung und ein durchaus dekoratives Wand - Öffnungsverhältnis. Mit der differenzierten Lichtführung durch Fensterbahnen und Rundfenstern werden in den verschiedenen Raumteilen unterschiedliche Raumwirkungen erzielt.. Das Langhaus ist als ”Predigtscheune” mit dem alles überspannenden mächtigen Satteldach der Ort der Gemeinde, der durch die Rundfenster inszenierend ausgeleuchtet wird, jedoch in seinem scheunenähnlichen Charakter in gewisser Weise profanisiert worden ist. Der Chorbereich hingegen ist durch die Erhöhung des Altares, die beherrschende gechlossenen Ostwand und die indirekte seitliche Beleuchtung ideell ausgezeichnet. Hier wird mit den Mitteln der Architektur eine feierliche Stimmung erzeugt.

Die historische Ausstattung durch namhafte Künstler der 1950er Jahre machen Christ-König zu einem Beispiel für die Kirchenbaukunst als eine Gesamtaufgabe von Architekten und bildenden Künstlern.

Die Kirche prägt ihr städtebauliches Umfeld, das in den späteren Jahren um sie herum entstand, in hohem Maße. Der Kirchturm setzt dabei einen besonderen Akzent. Ganz im Osten an der Haupterschließungsstraße der Gartenstadt Nord gelegen, markiert sie als städtebaulicher Auftakt den Eingang der Siedlung. Der vorgelagerte östliche Platz wird vom Turm dominiert. Das engere Umfeld ist durch Anbauten verändert.

Die Kirche Christ-König mit ihrer historischen Ausstattung ist als bedeutender Beitrag zur Sakralarchitektur der 1950er Jahre in Köln ein unverzichtbares Dokument.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0