Wohnhaus

Lohsestraße 57 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8401
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Lohsestraße 57, 50733 Köln
Baujahrum 1880
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 27.04.1999
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1880, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach.

Fassade: 3 Achsen, Putzfassade mit Sockel und profiliertem Stockwerk- und Traufgesims, profilierte Sohlbank und Rahmung der Öffnungen, Eingang rechte Achse, Eingang und straßenseitige Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, Haustür erneuert; alle straßenseitigen Fenster in Kunststoff erneuert (Oberlichtbereich am Bogenansatz geschlossen).

Rückseite: zweiachsig, neu verputzt, Seitenflügel zweigeschossig und zweiachsig mit Pultdach; Fenster (Rückseite Vorderhaus) sowie des Seitenflügels und der Stirnseite des Seitenflügels mit segmentbogigem oberen Abschluß, Gartentür und alle Fenster erneuert (Einscheibenfenster in Kunststoff).

Im Inneren: Rundbogendurchgang vom Vestibül zum Treppenhaus.

Treppenhaus: originale Holztreppe mit Antrittspfosten, Geländer mit Handlauf und Stäben; Treppenpodeste mit Holzdielenboden.

Wohnräume: Grundrisse z. T. verändert; Türen und Gewände erneuert. Gewölbekeller.

Der rückwärtige Garten einschließlich der nach Osten und Süden anstehenden geschlämmten Backsteinmauer ist Bestandteil des Denkmals.

Nicht Bestandteil des Denkmals ist der eingeschossige Schuppen im Bauverband zum Wohngebäude sowie das eingeschossige Gartenhaus.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße – eine ursprünglich römische Straße – gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachse die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Westlich der Achse der ehemaligen Bahnlinie Köln-Neuss-Krefeld, der heutigen Kempener Straße, entstand im Zuge der 1859/60 gegründeten zentralen Eisenbahnwerkstätte ein Komplex von Wohnbauten für die dort Beschäftigten. Die Bezeichnung „Sechzig“ für diesen Ortsteil weist auf das zu diesem Zweck damals erworbene Gelände von 60 Morgen Größe hin. Im Zusammenhang dieses schnell und planmäßig ausgebauten Bereichs mit geregelter Straßenführung und gleichmäßiger Parzellierung wurde auch die Bebauung der Lohsestraße errichtet. Angelegt um 1880, verbindet sie – wie die parallele Holbeinstraße – das Sechzig-Viertel mit der Neusser Straße und ist im Abschnitt westlich der Auguststraße bis heute geprägt durch schlichte zweigeschossige Wohnhäuser aus der Zeit der Erstbebauung in den 1880er Jahren. Erhalten sind beidseitig ste-

hende größere geschlossene Hausgruppen, die durch Zweigeschossigkeit und geschlossene Hausgruppen, die durch Zweigeschossigkeit und Ausführung charakterisiert sind. Insbesondere die linke Straßenseite mit der noch annähernd geschlossenen Zeile traditioneller Dreifensterhäuser, z. T. mit verhalten dekorierten Putzfassaden (Nrn. 49/51, 55 – 65) hat trotz einiger purifizierter Fassaden das historische Erscheinungsbild einer Wohnstraße des kleinbürgerlichen Mittelstandes weitgehend bewahrt. Auch die rechte Straßenzeile mit den Häusern 46 – 58 und 62 – 68, die in Architektur- und Dekorformen weitgehend übereinstimmen, bildet eine relativ geschlossene Häusergruppe. Das im Kreuzungsbereich Siebach-, Auguststraße gelegene Haus Nr. 57 ist Bestandteil dieses Ensembles. Das zweigeschossige, dreiachsige Gebäude mit Seitenflügel und rückwärtigem Garten gehört in die Reihe des für Köln charakteristischen kleinbürgerlichen, bescheidenen Wohnkomfort bietenden Gebäudes auf rechteckiger Grundfläche. Die Putzfassade gewinnt ihre Wirkung aus der strengen Fensteraxialität, der horizontalen Gliederung durch Gesimse und segmentbogige Fensterabschlüsse. Das Gebäude ist trotz teilweiser Veränderungen des Inneren sowohl in orts- wie bauhistorischer Hinsicht als auch im städtebaulichen Zusammenhang des Ensembles Lohse-/Holbeinstraße ein unverzichtbares Dokument der älteren gründerzeitlichen Wohnhausarchitektur in Nippes, die unbedingt zu erhalten ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0