Geschäftshaus
Komödienstraße 2 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8455 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Geschäftshaus |
| Adresse | Komödienstraße 2, 50667 Köln |
| Baujahr | 1956 |
| Architekt / Planung | Theodor Kelter, Joachim Schürmann |
| Eigentum | städtisches / öffentliches Eigentum |
| Eingetragen seit | 22.02.2000 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
Erbaut 1956, Pavillongebäude der Sparkasse der Stadt Köln, Eckgebäude zu Andreaskloster, Architekt: Theodor Kelter und Joachim Schürmann, auf annähernd rechteckiger, in Ost-WestRichtung gestreckter, parallel zum Kirchengebäude gelegener Grundfläche, in direktem Bauverband zur Ostfassade des südlichen Querhausarms des Kirchengebäudes, der Südseite des Chores vorgelagert.
Der rückwärtige Bauabschnitt des Gebäudes ist im mittleren Teil nach Süden hin überhöht (ehemals mit südlichem Fensterband im oberen Obergeschoßbereich).
Fassade: (nach Süden): 2 Geschosse, leicht geneigtes Flachdach (ehemals Zink, heute Dachpappe), Stahlbetonbau im Stil der Internationalen Moderne, Gliederungen in Sichtbeton und rotem Backstein, die Erdgeschoßfassade folgt der Fluchtlinie des Straßenverlaufs, während das Obergeschoß von Westen ausgehend eine allmähliche konisch geführte Auskragung über den Gehwegbereich entwickelt, die im Osten durch eine tragende Metallstütze auf kreuzförmiger Standfläche aufgenommen wird (eine weitere Metallstütze nach den Umbauten der Ostfassade 1969/70 entfernt).
Weitgehend verglaste Hauptfassade (im Erdgeschoß ehemals (bis 1969/70)) Stützensystem aus dünnem Pfeilerwerk mit nichttragenden Betonscheiben und Glas sowie eingebaute Glasvitrinen), Eingang (zur Kassenhalle) heute im rechten Fassadenbereich, Eingangsnische, dreiteilige Tür (Automatiktür) in Aluminium mit Oberlicht. Fenster über die gesamte Geschoßhöhe, mit geradem oberen Abschluß, im Erdgeschoß elfteilig, im Obergeschoß horizontales, von Betongewänden unterteiltes Fensterband, 17-teilig, jedes zweite Fenster mit Oberlicht, alle straßenseitigen Fenster erneuert in Stahl (1969/70), der linke Gebäudeabschluß in Backstein (Hartbrand-Ziegelriemchen), Brüstungsbereich zwischen den Geschossen heute verputzt und gestrichen (ursprünglich Sockel- und Brüstungsbereich sowie Traufzone in Sichtbeton), Brüstungsbereich mit vorkragenden Pflanzwannen rechts und links (ehemals ebenso in der Fassadenmitte, heute entfernt).
Westfassade: Erdgeschoß: großes Aluminiumfenster, zweigeteilt mit Oberlicht, hier (nach Süden): Eingang zum Treppenhaus: originale verglaste Metalltür mit Seiten- und Oberlicht, dekorativer Türknauf in Messing.
Ostfassade: ursprünglich weitgehend geschlossen, Sichtbetonraster (heute verputzt und gestrichen) mit Backstein ausgefacht, an der östlichen Stirnseite ehemals halbrund vorkragendes Eingangsgehäuse in Metall/Glas, Drehtür (1969/70 in die Fassadenmitte an der Komödienstraße verlegt, seit jüngster Zeit in den rechten Fassadenbereich verlegt), nachträglicher Erdgeschoßanbau (1969/70), Metallverkleidung (eingelassen Schließfächer, Geldautomat, Tresor).
Rückseite: Erdgeschoßfassade links: heute metallverkleidet (ursprünglich weitgehend verglast), Obergeschoß: Putzfassade, Fensterband, im oberen Bereich (links am Rücksprung) vier parallele trapezförmige kleine Fenster; Erdgeschoß: Aluminiumfenster, Oberlicht; Obergeschoß: Fensterreihe, Kunststoff, Unterlicht. Waagrechte Wetterplatte bis an den Kirchenchor.
Im Inneren: Eingangsbereich (Kassenhalle): Fliesenboden erneuert, Wandverkleidung in Kunststoff, zur Halle hin vierteilige Metall-/Glaseinbauten, zweiteilige Automatiktür. Treppenhaus links: Kunststeinbodenplatten, Terrazzotreppe, Stäbe in Metall, Handlauf Mipolam, Podeste mit PVC-Belag, vertikale Glaswand in Glasbaustein in Höhe des Treppenpodestes, oberer Abschluß: eingefügtes dreiteiliges Fenster in Kunststoff, Geschoßtüren in Stahl.
Betontreppe (vom Kassenraum) ins Untergeschoß, im Tresorraum Betonböden, Tresorumgang, betonsichtige Wände.
Innenräume: Schalterhalle: Fliesenboden erneuert, Wand- und Deckenverkleidung in Kunststoff, abgehängte Decke, rechts nachträglich eingefügter Treppenaufgang in das Obergeschoß.
Im 16. Jahrhundert lag die Kirche St. Andreas in einem dichten Stadtviertel auf einer Parzelle an der Straße Vor St. Andreas. Entlang der Straße reihten sich neben dem Pfarrbezirk St. Paul das Heribert-Hospital und die Kuriengebäude der Stiftsherren. 1843 wurden an der Komödienstraße auf dem Hofraum und anstelle des Kirchhofs ein englisches Bankhaus und 1847 ein neues Pfarrhaus gebaut. Seit der Erbauung des Zentralbahnhofs und der damit verbundenen Anlegung der Bahnhofstraße kurz nach der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das westlich des Bahnhofs bis zu St. Andreas sich erstrekkende Gelände mit Bank- und Verwaltungsgebäuden, Hotels und Gaststätten bebaut (1860 Gebäude des Schaaffhausenschen Bankvereins).
Im Zuge der eingreifenden Baumaßnahmen in der historischen Altstadt wurde der, dem Bahnhofsgebäude und den Gleisanlagen nach Westen vorgelagerte Bereich der Altstadt den architektonischen und stadtplanerischen Vorstellungen der Gründerzeit zu Anfang des 20. Jahrhunderts folgend, umgestaltet. Die überlieferte kleinteilige Parzellenstruktur wurde aufgehoben, die Bausubstanz, die in Resten aus mittelalterlicher Zeit überkommen, in der Hauptsache allerdings aus dem 19. Jahrhundert stammte, wurde z. T. aufgegeben und zugunsten groß dimensionierter und reich gestalteter Großgebäude mit neoklassizistischen Schaufassaden - darunter monumental beherrschende und wertvoll ausgestattete (Palast)- Hotelbauten -, umgestaltet. In den beiden ersten Jahrzehnten des neuen Jahrhunderts entstanden an der benachbarten Marzellen- und Bahnhofstraße großzügig angelegte Gebäudekomplexe anstelle der verhältnismäßig bescheidenen Gebäude auf kleinteiligen Parzellen (z. b. 1910, Excelsior Hotel Ernst; 1912, Fürstenhof; 1913/14, Deichmannhaus). Auf der Nord- und Ostseite wurde St. Andreas im späten 19. Jahrhundert von relativ hohen Gebäuden eingerahmt. Viergeschossige Wohnhäuser aus der Zeit um 1890 säumten die gewinkelte Straße Andreaskloster.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde in den 50er Jahren die Bebauung des altstädtischen Bereichs um die Andreaskirche, Komödienstraße und Burgmauer auf teilweise erhaltener Parzellenstruktur in zeitgenössischen Formen neu errichtet. Das Äußere des Neubaus Komödienstraße 2 setzt sich von dem romanischen bzw. gotischen Kirchengebäude in bewußt modern-zeitgenössischen Architekturformen ab. Den Ostteilen der Kirche vorgelagert entstand das niedrige Bankgebäude der Sparkasse der Stadt Köln; nach Westen anschließend erhebt sich der entlang des Langhauses zweigeschossige, zum Westwerk hin viergeschossige Neubau des Konvents der Dominikaner. Das in Ost-West-Richtung gestreckte Gebäude steht nach Westen hin im Bauverband zum südlichen Querhausarm der Kirche. Der bündig an den Ostteil des Querhausarms angebaute zweigeschossige Bau reicht über das untere Geschoßgesims der Strebepfeiler.
Beide die Kirche nach Süden hin umgebende Gebäude bilden an der breiten und verkehrsreichen Hauptstraße, die zu Dom und Hauptbahnhof hinführt eine ausgezeichnete städtebauliche Lösung. Sie passen sich sowohl in der Horizontalerstreckung und mit den Traufhöhen dem historischen Kirchenbauwerk an, als auch ordnen sie sich durch die Zweigeschossigkeit, die den Chor von St. Andreas dominierend hervortreten läßt, durch Backsteinfassaden mit Gliederungen in Sichtbeton, den Verzicht auf eine deutliche Fensteraxialität und die Individualität in Anordnung, Format und Größe der Öffnungen dem Monumentalbau unter. Der Neubau mit weitgehend in Glas aufgelöster pavillonartiger Hauptfassade zur Komödienstraße korrespondiert mit seiner gläsernen Front mit dem Glashaus des Andreaschores und des südlichen Querhausarmes, deren Äußeres durch ein gereihtes Strebepfeilersystem und großflächige, vertikal gegliederte Glasbahnen dominieren.
Andererseits bildet das Bankgebäude ein Pendant zu dem nach Westen anschließenden Gebäude des Dominikanerkonvents mit gleicher Traufhöhe, indem seine Obergeschoßauskragung auf die erkerartig vorgelagerten Betongefache des Klostergebäudes antwortet. Mit der Unterschiedlichkeit des Backsteinformats, der differenzierten Farbigkeit der Materialien und flächiger Verglasung setzt sich das profane Dienstleistungsgebäude von dem weitgehend als Backsteinrohbau erscheinenden Konvent ab.
Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, sind als inzwischen abgeschlossene Periode des Bauschaffens Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl von Bauwerken von hoher baukünstlerischer und städtebaulicher Qualität.
Theodor Kelter hat mit dem, der Kirche St. Andreas vorgelagerten Gebäude ein äußerst zurückhaltendes Gebäude geschaffen, dessen Qualität in seiner funktionalen Schlichtheit (System von leichten Tragelementen in Betonwerkstein, nicht tragende Betonscheiben, Flachdach) liegt. Der im Stil der internationalen Moderne gehaltene Glashaus-Neubau der 1950er Jahre erscheint als gestreckter und niedrig gehaltener Profanbau. Seine Verwandtschaft zu den Villenbauten Le Corbusiers ist unverkennbar.
Das Gebäude Komödienstraße 2 ist wesentlicher Bestandteil der Altstadtbebauung nach dem zweiten Weltkrieg und als charakteristische architektonische Schöpfung und individuelle Lösung des Wiederaufbaus unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0