Wohnhaus

Kempener Straße 77 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8489
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Kempener Straße 77, 50733 Köln
Baujahr1905 bis 1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 04.10.2000
Stadtteil Nippes

Errichtet 1905/1906. Annähernd quadratischer Grundriß, 3 Geschosse und ausgebautes Mansardgeschoß, 3 Achsen, Betonung der Mittelachse durch Erker in den Obergeschossen mit abschließendem Balkon und großes Zwerchhaus mit frei gerundetem Giebel.

Fassade in Putz und Stuck, dekoriert in Formen eines barockisierenden Jugendstils.

Haustür original, Fenster denkmalgerecht erneuert.

Rückseite backsteinsichtig, neue (nicht denkmalgerechte) Fenster, im Dachgeschoß zwei kleine Gauben; kleiner Hof/Garten.

Im Inneren original erhalten:

Im Vestibül Wand- und Deckenstuck sowie (nicht vollständig erhalten) glasierte Wandfliesen (olivgrün mit Abschlüssen in Blau; unter dem oberen, profilierten Abschluß Schmuckfliesen mit figürlichen Darstellungen von Schwänen und Seerosen). In Vestibül und Hausflur, wie auch auf den Zwischenpodesten der Treppe, mehrfarbig gemusterter Boden in Terrazzo; Terrazzo-Treppe mit Eisen-Geländer und Handlauf in Holz.

Wohnungstüren in allen Vollgeschossen, in den Wohnungen Deckenstuck, Zimmertüren samt Gewänden, Dielenböden.

Das Wohnhaus Kempener Straße 77 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes. Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische und wissenschaftliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes zu einem bedeutenden Industrieort, der mit der Bürgermeisterei Longerich 1888 nach Köln eingemeindet wurde. Nachdem rapides Bevölkerungswachstum zu großer Wohnungsnot geführt hatte, erlebte der neue Vorort seit etwa 1895 einen regelrechten Bauboom.

In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der bislang das moderne Nippes durchschneidende Streckenabschnitt der Eisenbahnlinie Köln-Neuss-Krefeld aufgegeben; auf dem Gelände der ehemaligen Eisenbahntrasse entstand die Kempener Straße als breite Alleestraße mit einer im Jahre 1900 einsetzenden, zunächst vor allem auf der rechten, seit etwa 1904 auch auf der linken Seite schnell fortschreitenden Bebauung durch drei- oder viergeschossige Wohn- und Geschäftshäuser. Mit ihrer repräsentativen Fassadengestaltung an innerstädtischen Vorbildern orientiert und dem in der Zeit eines stilpluralistischen Historismus rasch wechselnden Zeitgeschmack folgend, zeigen die erhalten gebliebenen Häuser aus der Frühzeit der Kempener Straße bis heute den um die Jahrhundertwende einsetzenden Wandel des Industrieortes Nippes zum bürgerlichen Wohnort. Das o.g. Haus ist ein gutes Beispiel dieser Entwicklung.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0