Villa

Gustav-Heinemann-Ufer 94 · Bayenthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8535
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungVilla
Adresse Gustav-Heinemann-Ufer 94, 50968 Köln
Baujahr1906 bis 1907
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 19.04.2001
Stadtteil Bayenthal

Baujahr: 1906/07

Architekt: unbekannt

Bauherr: Louise Boisserée (Inhaberin des Dampfsägewerkes Boisserée)

Bei der am französischen Maison de Plaisance des 18. Jahrhunderts orientierten Villa handelt es sich um einen zweigeschossigen Bau (über einem Sockelgeschoss, das straßenseitig teilweise in eine Terrasse eingebunden ist) mit Mansardedach und einer zum Rhein hin orientierten, entsprechend ihren französischen Vorbildern vertikal dreigeteilten Hauptfassade.

Die in Sandstein mit diversen Bildhauerarbeiten gefertigte, nach Osten hin orientierte Hauptfassade besitzt einen dreigeschossigen, dreiachsigen übergiebelten Mittelrisalit mit Monumentalordnung (mit Giebelrelief), der seitlich von zweigeschossigen, zweiachsigen Fassadenpartien begleitet wird, die durch halbrunde, von Säulen getragenen Balkonen akzentuiert werden. Die nach Norden gelegene, bis auf einige verputzte Felder im Obergeschoss in Sandstein ausgeführte Eingangsfassade zeigt mittig einen übergiebelten Risaliten mit dem Portal (die Eingangstür ist eine aufwendige Schmiedearbeit; neben dem Portal zwei eiserne Laternen), einer Dreifenstergruppe (mit Balkon vor dem Mittelfenster) im Obergeschoss und einem Relief im Giebel. Die nach Westen hin orientierte Rückfront ist bis auf die tektonischen Gliederungselemente weitgehend verputzt. Die Fassade dominiert im unteren Bereich eine breit gelagerte Terrasse und im Obergeschoss das große Treppenhausfenster. An der Nordwestecke befindet sich über einem historischen Erdgeschossvorbau ein bis in die Dachzone reichender turmartiger Anbau, der nicht Teil des Denkmals ist. Die nach Süden hin orientierte Fassade ist in Sandstein und Putz relativ schlicht ausgebildet. Bei der Villa sind bis auf einige original erhaltene Fenster auf der Nordseite fast alle Fenster – weitgehend mit der alten Gliederung – erneuert. Die Mansarde-Gaupen des schiefergedeckten Daches entsprechen nicht mehr dem Ursprungszustand, sind in ihrer stilkonformen Ausbildung aber integraler Bestandteil der Villa.

Bestandteile der Villa sind auch die baukünstlerisch höchst aufwendige straßenseitige Einfriedung sowie die Einfriedungen als Abgrenzungen zu den Nachbargrundstücken entlang des Gustav-Heinemann-Ufers. Ebenfalls zum Denkmal gehören die Gartenflächen um das Haus sowie die Vorfahrt mit ihrer Pflasterung. Nicht Bestandteil des Denkmals ist die im nördlichen Grundstücksbereich liegende Garage.

Im Innern zeigt die Villa erdgeschossig weitgehend die originale Raumstruktur. Man betritt die Villa über ein weitgehend marmornes, reich gestaltetes, überwölbtes und stuckiertes Entrée, das beidseitig der Treppe von aus Messing gefertigten Heizkörperverkleidungen akzentuiert wird. Von hier aus gelangt man in das eigentliche Zentrum des Hauses, die über zwei Geschosse reichende geräumige Treppenhalle mit der marmornen Haupttreppe. Original erhalten haben sich hier u.a. das eiserne Treppengeländer und der marmorne Antrittspfosten, der Marmorfußboden und ein figürliches Stuckrelief über den Türen zum ehemaligen Damensalon und Speisezimmer. Reich stuckiert ist auch die Innenrahmung des großen Treppenhausfensters. Nicht mehr vorhanden sind im Erdgeschoss dieser Treppenhalle die historischen Doppelflügeltüren, die in den 1970er Jahren durch sehr qualitätsvolle, im Sinne jener Jahre gestaltete neue Türen ersetzt wurden. Von den übrigen historische Türen wurden teilweise die hallenseitigen Türblätter bzw. Türverkleidungen entfernt.

Im sog. Entréezimmer haben sich erhalten der Dielenfußboden, die Türzarge zum Spiegelsaal sowie die Türanlage zum Entrée. Der ehemalige Spiegelsaal ist heute durch Einbauten der 1970er/80er-Jahre verkleidet. Möglicherweise befinden sich alte Ausstattungselemente, wie z. B Stuckarbeiten, unter den Verkleidungen. Im ehemaligen Damensalon haben sich erhalten die Stuckdecke sowie der Parkettfußboden. Im Speisezimmer hat sich lediglich der Parkettfußboden in weiten Teilen erhalten.

Zentrum des Obergeschosses ist – wie im Erdgeschoss – die Treppenhalle, die hier jedoch durch eine umlaufende, von Säulen und Pilaster strukturierte Galerie erweitert ist. Auch hier setzen sich der marmorne Fußboden und das Treppengeländer fort. Bis auf drei Türen haben sich sämtliche Türen zur Treppenhalle erhalten. In dem Raum über dem Entréezimmer sind die Stuckdecke und die zweiflügelige Schiebetür erhalten. In dem Saal über dem Spiegelsaal hat sich eine aufwendige Stuckdecke erhalten. Der Raum über dem Damensalon weist noch die Stuckdecke und den alten Parkettboden auf. Der an der Erkerterrasse gelegene Raum über dem Speisezimmer besitzt noch die ursprüngliche Stuckdecke. Als besonders gestalteter Raum ist auch noch das Zimmer neben dem Lieferantentreppenhaus hervorzuheben, das ebenfalls eine Stuckdecke besitzt. Hervorzuheben ist auch noch das bis in die Dachzone reichende Lieferantentreppenhaus mit seinem eisernen Geländer.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutz-gesetzes (DSchG NRW).

Das o.g. Objekt ist bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen, weil es ein wichtiges bauliches Dokument für die um 1900 einsetzende Entwicklung des ehemaligen Industriestandortes Bayenthaler Rheinufer zu einem Villenvorort in Anschluss an die Villenkolonie Marienburg ist. Zusammen mit dem Palais Oppenheim (Gustav-Heinemann-Ufer 144) und der Villa Opfergelt (Bayenthalgürtel 4) ist es gleichzeitig aber auch eines der letzten Zeugnisse dieser Architektur in diesem Bereich. Die Erhaltung und Nutzung des o.g. Objekts liegt aus wissenschaftlichen, insbesondere baugeschichtlichen, sozialgeschichtlichen und künstlerischen Gründen im öffentlichen Interesse, da dieser Bau neben dem ehemaligen Palais Oppenheim einer der ganz wenigen noch erhaltenen aufwendigen Prachtarchitekturen französischen Stils in Köln aus der Zeit um 1900 ist. Der 1906/07 im Stil der französischen Schlossarchitektur - möglicherweise auch von einem französischen Architekten (wie auch beim Palais Oppenheim) - höchst luxuriös für Louise Boisserée, die Inhaberin des Dampfsägewerkes Boisserée, auf einem ehemaligen Teil ihres Firmengeländes errichtete Bau ist in künstlerischer und handwerklicher Ausfertigung ein Werk von erster Qualität. Trotz einiger bedauerlicher Veränderungen vor allem im Inneren vermittelt diese Villa wie kaum eine andere von dem künstlerischen Können und dem luxuriösen Leben höherer Gesellschaftsschichten in Köln um 1900.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0